Die Studenten (v.l.) Roman Ryzhkov, Franziska Berger, Isabella Meynioglu und Daniel Granchette (Team-Mitglied Moritz Bonn ist nicht auf dem Bild) testen die vegetarischen Produkte.
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Die Studenten (v.l.) Roman Ryzhkov, Franziska Berger, Isabella Meynioglu und Daniel Granchette (Team-Mitglied Moritz Bonn ist nicht auf dem Bild) testen die vegetarischen Produkte.

Fleischersatz im Test

Muss es immer Fleisch sein? Studentin aus Butzbach bloggt mit Kommilitonen über Alternativen 

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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"Warum nicht mal Sojasteak?" Welche Alternativen es zu Fleisch gibt, das zeigen fünf Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen auf ihrem Blog im Internet.

Muss es immer Fleisch sein? Diese Frage haben sich fünf Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen gestellt. Ihre Antwort: Nein. Es gibt gute Alternativen. Welche, das zeigen sie auf ihrem Blog im Internet - inklusive Test der jeweiligen Produkte.

Es ist nicht so, dass die Gruppe nur aus Vegetariern besteht. Oder dass die Mitglieder andere missionieren wollen. Nein, sagt Isabella Meynioglu, keiner möchte jemanden vom Fleischessen abhalten. "Wir möchten nur zeigen: Fleischersatzprodukte lassen sich superleicht in den Alltag integrieren, und es muss eben nicht immer ein Rindersteak sein." So beschreibt die 25-jährige Butzbacherin das Konzept des Blogs. Mit vier anderen Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hat sie kürzlich "Vitaritus" ins Leben gerufen - einen Blog, auf dem die Studenten Fleischersatzprodukte testen.

Projekt mit Butzbacher Bloggerin: Idee stammt aus einem Studien-Projekt 

Die Gruppenmitglieder - das jüngste ist 22, das älteste 26 - sind alle im Master-Studiengang International Management in Gießen. In dem Seminar "Digital Marketing" haben sie die Aufgabe bekommen, einen Blog zu gestalten, online zu stellen und bis zum Semesterende mit Inhalten zu füllen.

"Wir haben eine Brainstorming-Session gemacht und kamen ziemlich schnell auf die Idee, etwas zu fleischlosem Genuss zu machen", erzählt die 25-Jährige. Und da es bei Blogs vor allem darum geht, möglichst viele Nutzer zu erreichen, passte das Thema ohnehin: "Wir dachten uns, es spricht viele an, da immer mehr Leute weniger Fleisch konsumieren wollen."

Projekt mit Butzbacher Bloggerin: Bewertet wird in fünf Kategorien

Nur gibt es im Internet Informationen rund um fleischlose Ernährung wie Sand am Meer. Zum Beispiel Rezeptseiten. Das Konzept der Studenten sollte daher anders sein - und ist es auch geworden: Wöchentlich testen die Gruppenmitglieder Fleischersatzprodukte: von der veganen Salami über Burger-Patties bis hin zu Soja-Steaks.

Das Testverfahren folgt immer einem Schema: Bewertet wird in den Kategorien Preis, Nährwerte, Textur, Aussehen, Geschmack. 27 Produkte hat die Gruppe bisher getestet, stest wird angegeben, wo es diese zu kaufen gibt und was sie kosten. Für die Übersicht gibt es zudem ein Sterne-System.

Ein Beispiel: veganes Schnitzel, hergestellt auf Sojabasis. Sieht aus wie ein Schnitzel (paniert) und wird zubereitet wie ein Schnitzel (in der Pfanne). Das Geschmacks-Fazit des Testers: "Gut! Irgendwie geflügelartig. Erinnert an Putenschnitzel." Ein bisschen fehle die Fleischstruktur. "Beim intensiven Geschmackstest merkt man leider, dass die verschiedenen Bestandteile nicht zu einer Masse zusammengeführt wurden. Für ein schnelles (Fertig-)Schnitzel war der Geschmack dennoch überzeugend und ich würde noch mal drauf zurückgreifen. Für mich eine gelungene Schnitzel-Alternative!"

Platz 1 im Ranking nehmen bisher (es gibt noch viele Produkte zu testen) vegetarische Hackbällchen ein.

Projekt mit Bloggerin aus Butzbach: Ganz auf Fleisch zu verzichten ist nicht das Ziel  

Was die fünf Tester angeht: Einer ist Vegetarier, die anderen essen Fleisch. Allerdings nicht so häufig, wie Isabelle Meynioglu erzählt. "Ich war für drei Jahre Vegetarierin. Auf Fleischersatzprodukte habe ich damals aber nie zurückgegriffen. Heute achte ich darauf, mich so gut es geht bewusst zu ernähren."

Die Gießenerin Franziska Berger, die auch im Team ist, sagt über das Projekt: "Ich habe große Lust, herauszufinden, ob die Fleischalternativen an den Geschmack von Fleisch oder auch Wurst herankommen."

Was jeder wohl schon mal gehört hat, der Fleischersatzprodukte isst: "Wenn ihr kein Fleisch essen wollt, warum muss es dann so aussehen und heißen?"

Projekt mit Bloggerin aus Butzbach: Alternativen für den nächsten Grillabend 

Isabella Meynioglu kennt solche Sätze auch. Aber, sagt sie: "Es geht uns ja gar nicht darum, dass die Leute auf Fleisch verzichten müssen." Doch dank des Angebots müsse es eben nicht immer Fleisch sein. Wer gerne Fleisch esse, sich zudem bewusst ernähren wolle, könne hin und wieder zur Alternative greifen. "Wieso nicht beim nächsten Barbecue einfach mal ein vegetarisches Steak probieren?"

Neben dem Blog stellt das Team sonntags Videotests auf YouTube und ist auf den Plattformen Instagram, Facebook und Pinterest aktiv - jeweils unter dem Namen "Vitaritus1".

Projekt mit Bloggerin aus Butzbach: Fleischersatz: Soja und Steckrübenschnitzel

Eiklar, Soja, Seitan - als Fleischersatzprodukte werden solche Lebensmittel bezeichnet, die vom Geschmack, Aussehen oder wegen ihres Proteingehalts Fleisch ähneln, aber nicht daraus hergestellt sind. Dazu zählen sogenannte Fleischimitate wie vegetarische Frikadellen auf Soja-Basis ebenso wie Pilze.

Historisch gesehen gibt es schon lange Fleischersatzprodukte - vor allem in Zeiten, in denen Fleisch noch nicht in Massen produziert und billig verkauft worden ist. Das Steckrübenschnitzel hat seinen Ursprung zum Beispiel in einer solchen Notzeit (der Winter 1916/17 wird wegen der Hungersnot im damaligen Deutschen Reich auch als Steckrübenwinter bezeichnet). Oder: Maggi-Würze wurde hergestellt, um die Ernährung armer Bevölkerungsschichten zu verbessern, die sich kein Fleisch leisten konnten.

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