_111325_4c
+
Bernd Eisenhut Hessischer Musikverband

Musikverband vermisst Unterstützung

  • VonRedaktion
    schließen

Wetteraukreis (hed/pm). Die Musikvereine in der Wetterau können dank niedriger Inzidenzwerte wieder Proben in Präsenz durchführen. Der Hessische Musikverband (HMV) begrüßt die zunehmenden Lockerungen der Corona-Regeln durch die Landesregierung. Kritik richtet er dagegen an den Wetteraukreis.

Die in der Krise entfallenen Konzerte und Auftrittsmöglichkeiten hätten große Lücken in den Vereinskassen hinterlassen, die beim Neustart nun zum Problem werden könnten, sagt der Wetterauer Bezirksvorsitzende im HMV, Bernd Eisenhut. Der langjährige Vorsitzende im Ober-Wöllstädter Musikverein freut sich, dass die Proben unter bestimmten Voraussetzungen nun seit über einem halben Jahr erstmals wieder möglich sind. »Die bisherigen Defizite der Pandemie aber bleiben und belasten viele Vereine auch weiterhin. So fehlen beispielsweise geeignete Probenräume, um die Abstandsanforderungen einzuhalten.«

Der Hessische Musikverband - laut Eisenhut mit mehr als 340 Vereinen aus dem Bereich der Blasorchester und Spielleute mit insgesamt über 15 000 Musikern einer der größten Musikverbände Hessens - habe sich mit einem Appell zur Unterstützung der hessischen Orchester beim Neustart in diesem Sommer und auch darüber hinaus bereits mehrfach an die Politik gewandt. »Während etliche hessische Kreise ihre Vereine daher mit teilweise erheblichen finanziellen Mitteln tatkräftig unterstützen, tut der Wetteraukreis rein gar nichts in dieser Hinsicht«, ärgert sich Eisenhut. Der Landkreis verweise auf Förderprogramme des Landes Hessen, die für die meisten Musikvereine aufgrund der Förderrichtlinien nicht nutzbar seien, und auf jene des Sportbundes, »die natürlich nur Sportvereine unterstützen«.

Eisenhut: »Auf Nachfrage erhielt ich die Aussage, dass der Verwaltungsaufwand für Förderungsanträge zu groß sei und man nicht damit anfangen wolle, zum Beispiel Musikvereine zu unterstützen, da sonst alle Vereine kommen würden. Wohlgemerkt, wir reden nicht über eine dauerhafte Unterstützung der Vereine durch den Wetteraukreises, sondern über Hilfen für Not leidende Vereine, denen sämtliche Einkünfte weggebrochen sind.« Dass sich der Hessische Musikverband sogar dazu bereit erklärt habe, diese Verwaltungsaufgaben inklusive Erstellung von Richtlinien und Antragsbearbeitung für Fördermittel vollständig zu übernehmen, werde geflissentlich übergangen.

Seit März diesen Jahres unterstütze der HMV die Vereine nun selbst finanziell durch sein eigenes Förderprogramm «#viertelnach12«, um die musikalische Infrastruktur im Bereich der Blasorchester und Spielleute in Hessen bestmöglich zu erhalten. Eisnehut: »Es bleibt zu hoffen, dass der Kreis bereit ist, seine Förderpolitik zu überdenken, denn Musikvereine sind nicht nur Selbstzweck, sondern wichtige kulturelle Angebote im ländlichen Raum, die generationenübergreifend die Menschen zusammenbringen, Instrumentalausbildung leisten und auch an Schulen und Kindergärten musikalische Angebote stellen. Und das ehrenamtlich, versteht sich.«

Kreis: kommunale Angelegenheit

Auch auf WZ-Nachfrage verweist der Wetteraukreis auf das Förderprogramm des Landes zur »Weiterführung der Vereins- und Kulturarbeit«, dass Vereinen aller Bereiche offenstehe, die durch die Corona-Pandemie in einem existenzbedrohlichen Liquiditätsengpass im ideellen Bereich oder im Bereich der Vermögensverwaltung gekommen seien. Und: »Vereinsförderung ist insbesondere kommunale Angelegenheit. Vor Ort kennt man das Vereinsleben und die Unterstützungsbedarfe am besten«, so ein Sprecher. Eine parallele Förderstruktur des Kreises würde der Vielfalt von 2200 Vereinen auch gar nicht gerecht werden, zumal der Landkreis auch in der Vereinsförderung grundsätzlich dem Gleichbehandlungsprinzip unterworfen sei.

Gleichwohl bestehe die Vereinsförderung in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Oberhessen seit vielen Jahren und sehr erfolgreich. Insbesondere über die Stiftung der Bank würden vielfältige Vereinsprojekte gezielt unterstützt - auch die der Musikvereine. Aus dem Corona-Sonderförderprogramm, dessen Bewerbungsfrist nun endete, könnten pro Verein bis zu 1500 Euro ausgezahlt werden. Darüber hinaus bestehe für Wetterauer Vereine jährlich das Angebot von einer Grundförderung über die Sparkasse zu profitieren, die im Corona-Jahr ebenfalls auf Initiative beider Landkreise erhöht worden sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare