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Ein Musikerlebnis von höchster Qualität bietet das Kammerensemble des HR-Sinfonieorchesters. Die Musikerinnen und Musiker brillieren in wechselnder Besetzung.

Musikalische Familiensaga

  • VonHanna von Prosch
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Friedberg (hms). Der große Vater im Spiegel seiner zu neuen Ufern strebenden Söhne: Das war das Thema eines mitreißenden Konzerts am Samstag im Theater Altes Hallenbad in Friedberg. Fünf Spitzenmusikerinnen und -musiker des HR-Sinfonieorchesters ließen das Publikum für 75 Minuten wegtauchen in die Musik der Familie Bach.

Wenn Johann Sebastian Bach gesetzt ist, hängen seine Söhne in den Konzertprogrammen oft ein wenig hinterher oder umranken ihn höchstens. Diesmal konnte sich das Publikum zu ihm vor- beziehungsweise zurückhören. Denn die Bach-Saga begann mit dem jüngsten Sohn Johann Christian, widmete sich dann dem ältesten Sohn Wilhelm Friedemann, erzählte vom bekanntesten Sohn Carl Philipp Emanuel, um schließlich den Vater Johann Sebastian in Hochform aufleben zu lassen.

Als Interpreten waren fünf Profis auf der Bühne, die ihr Instrument so grandios beherrschten, dass sie sich ganz der musikalischen Empfindung hingeben konnten. Dieser Funke sprang sofort auf das Publikum über, das mit lauten Bravo-Rufen ihrer Kunst huldigte.

Sebastian Wittiber ist seit 1999 Soloflötist beim HR-Sinfonieorchester und seit 2007 Mitglied im Orchester der Bayreuther Festspiele. Er widmet sich in verschiedenen Ensembles der Kammermusik. Michael Höfele, Oboe und Englischhorn, war unter anderem Solist im Gewandhausorchester Leipzig und spielt ebenfalls bei den Bayreuther Festspielen. Seit 2013 ist Maximilian Junghanns beim Hessischen Rundfunk und bekleidet seit 2017 die Position des 2. Konzertmeisters. Vielseitig orientiert ist Christiane Steppan, die nicht nur Cello, sondern auch Blockflöte studierte. Auch sie beschäftigt sich neben der HR-Orchestertätigkeit seit 1988 mit Kammermusik. Die zierliche Dame am Cembalo war Flóra Fábri, eine gebürtige Ungarin mit reichem künstlerischem Erfahrungsschatz in Alter Musik. Mit vielen Sonderpreisen geschmückt, ist sie gern gesehener Gast bei renommierten Orchestern.

Angesicht dieser geballten Spielkompetenz konnte sich das Publikum ganz auf die Werke einlassen und die virtuosen Läufe, den pickenden Ansatz der Bläser, die Intensität der Betonungen und die Leichtigkeit des Zusammenspiels genussvoll verinnerlichen. In verschiedenen Konstellationen trafen sich die Bläser mit der Violine, jagten sich, neckten sich, folgten einander und träumten zusammen.

Pfiffig spielten sie gleich zu Beginn das Quintett D-Dur (ca. 1778) des weitgereisten Johann Christian Bach. Kein Wunder, dass ihn Mozart verehrt hatte, denn er verknüpfte die motivische Arbeit seines Vaters kunstvoll mit frühklassischen Ausdrucksmitteln. 38 Jahre früher hat Wilhelm Friedemann seine Triosonate Nr. 3 a-Moll geschrieben, die noch deutlich die barocke Sprache spricht. Zwei der drei Sätze sind verschollen und wurden von Martin Falck stilgetreu nachempfunden.

Carl Philipp Emanuel komponierte mit 21 Jahren die später überarbeitete Triosonate a-Moll, etwa zur gleichen Zeit wie das eben erwähnte Werk Friedemanns. Die künstlerische Emanzipation vom Vater wird hier deutlich. Übermütig fordert er die Bläser, die ihre Töne wie Wasserspritzer in den Raum fliegen lassen. Cembalo und Cello behaupten ihre Präsenz stets im spür- und hörbaren Einklang mit den anderen.

Referenz an den König

Aus einem von Vater Bachs letzten großen Werken, dem Musikalischen Opfer, spielte das Ensemble die viersätzige virtuos-galante Triosonate. Trotz aller Komplexität war sie offenbar eine Referenz an den König, bei dem der Sohn in Diensten stand und der ihm, dem Alten, ein sperriges Thema zur Bearbeitung vorlegte. Wunderschön und innig erklang zum Abschluss die instrumental gesetzte Arie aus der Matthäuspassion: »Mache dich, mein Herze rein«.

Ja, die fünf erzählten eine Saga in Musik. Man hätte ihnen noch eine lange Weile zuhören wollen.

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