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Musik der Liedersammlerin

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Wie ein gemütliches Wohnzimmer ausgestattet, war die Bühne im Theater Altes Hallenbad (Aha) beim zweiten Online-Konzert mit Nicky Kopp - bekannt unter dem Künstlernamen »Wild und Wald« - und deren Partner Alwin Moser. So entstand ein Hauch von Gemütlichkeit im ansonsten völlig leeren Saal.

Beide Künstler waren vor zwei Jahren bei der Eröffnungsveranstaltung von »Imagine Peace« schon einmal an gleicher Stelle zu Gast, allerdings standen sie nicht gemeinsam auf der Bühne. Moser, der aus einer Bonner Musikerfamilie stammt, gehört zur Stammformation von »Cynthia Nickschas and Friends«. Vor der überregional bekannten Bonner Liedermacherin und deren Band trat die aus Hanau stammende Nicky auf.

Auf Tour mit Wincent Weiss

Als Mitglied der Aha-Kultur-AG hat der Friedberger Andreas Lürding, der auch die »Imagine-Peace«-Veranstaltung organisiert hatte, das Duo ins Alte Hallenbad geholt. »Es sind zwei ganz besondere Musiker, die inzwischen auch privat ein Paar sind«, verriet Lürding in seiner kurzen Anmoderation. »Wild im Wald« tritt in der Regel alleine auf und begleitet sich dabei auf der Gitarre. »Ich spiele alles, was mir gefällt und was mich berührt«, sagt Nicky, die als Sozialarbeiterin in einem Projekt mit mehreren Generationen arbeitet.

Alwin Moser ist Berufsmusiker, spielt in verschiedenen Bands und war unter anderem vor zwei Jahren Mitglied der Tourband von Wincent Weiss. Mosers Arrangements für Gesang und Gitarre sowie Geige oder Klavier haben einen ganz besonderen Reiz. Sie machen die zehn Songs, die das Duo für ihren ersten Live-Auftritt seit Oktober 2020 ausgewählt hatte, in diesen speziellen »Unplugged-Versionen« unverwechselbar.

Das wird gleich beim ABBA-Klassiker »Super Trouper« deutlich. Die Begleitung Mosers mit der Geige erinnert an klassische Kammermusik. Bei Nicky spürt der Zuhörer sofort, dass sie schon seit Kindheit ABBA-Fan ist, singt sie doch den Klassiker der Kultband mit viel Leidenschaft.

Das ist bei den weiteren Liedern nicht anders, wobei die Zusammenstellung schon die ein oder andere Überraschung parat hat. Dem Chanson »Für mich solls rote Rosen regnen, den Hildegard Knef 1968 sang, folgt mit »All Dressed Up« von der schottischen Sängerin Siobhan Wilson ein Ausflug in den Folk-Bereich.

Den Song hatte Nicky erstmals auf einem Folk-Festival in Schottland gehört. »Ich wäre so gerne Liedermacherin geworden, stattdessen bin ich jetzt Liedersammlerin«, sagte die Sängerin, die zu jedem Song eine Story parat hat, so auch zum Vicky-Leandros-Klassiker »Ich liebe das Leben«. »Das ist ein lebensbejahendes Lied, das die Senioren, mit denen ich auf Arbeit zusammen singe genauso lieben wie ich.«

Zu dem 70er-Jahre-Schlager hat Alwin Moser einen ganz anderen Bezug, wie er vor dem Konzert erzählte. Er sollte Vicky Leandros auf deren Tournee im letzten Jahr begleiten und hat mit ihr mehrere Videos gedreht. Doch die Tour fiel der Corona-Pandemie zum Opfer.

Nicky singt nicht nur Klassiker, auch Pophits, wie »Wish you were a Gay« von Billie Eilish oder den »Schmachtfetzen« (Nicky) »Wedding Song« von Julia Stone gehören zu deren Favoriten. Dass sich die Hanauerin vor allem im Folk- und Liedermacherbereich wohl fühlt, zeigte sie mit ihrer Version vom Hannes-Wader-Klassiker »Schon so lang« und der von Werner Lämmerhirt geschriebenen deutschen Version der Bob-Dylan-Komposition »Don’t think twice« in einem groovig-jazzigen Arrangement von Alwin Moser, der am Klavier brillierte.

»Ihr wollt doch sicher eine Zugabe?«, fragte Nicky schließlich in den leeren Raum und stellte fest: »Die Techniker zeigen den Daumen nach oben«. Zunächst dankte Nicky Andreas Lürding und allen, die am Gelingen des Konzertes beteiligt waren, um danach mit »Thank you for the Music« von ihrer Lieblingsband ABBA das Konzert zu beenden. So schloss sich der musikalische Kreis des Auftritts, bei dem die Bezeichnung »Cross-over« für eine Mischung unterschiedlicher Musikgenre geradezu ideal ist.

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