In ihrem Schneidergeschäft verkauft Katharina Wolz handgefertigte Schutzmasken. Aufgrund der großen Nachfrage sind Vorbestellungen derzeit nicht möglich.
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In ihrem Schneidergeschäft verkauft Katharina Wolz handgefertigte Schutzmasken. Aufgrund der großen Nachfrage sind Vorbestellungen derzeit nicht möglich.

Riesige Nachfrage

Mundschutz in Handarbeit: Wetterauer Schneiderin kann sich vor Bestellungen kaum retten

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Es fehlen Mundschutzmasken, meldete das Robert-Koch-Institut. »Dann nähe ich jetzt welche«, dachte sich die Friedberger Schneidemeisterin Katharina Wolz. Die Nachfrage ist riesig.

Die Corona-Krise hinterlässt Spuren: Die meisten Geschäfte auf der Kaiserstraße sind geschlossen. Zwischen 11 und 13 Uhr aber herrscht vor dem Stoff- und Design-Laden »Katharina« auf der Kaiserstraße 123 Andrang. Mit Abstand, versteht sich, denn darum geht es: Die Kunden haben Stoffmasken bestellt, handgefertigt von Katharina Wolz.

»Ich komme mit der Arbeit kaum nach. Die Nachfrage ist enorm«, sagt Wolz am Telefon. Die Idee kam der 51-Jährigen, nachdem sie ein Newsletter des Robert-Koch-Instituts gelesen hatte: Es fehlen Mundschutzmasken. »Dann mache ich eben welche.« Wobei Wolz nicht »Mundschutzmaske« sagt; der Begriff ist geprüften Medizinprodukten vorbehalten. Wolz sagt Stoffmaske. »Jeder sollte die Gelegenheit haben, sich und andere zu schützen.« Wie viele Masken sie schon genäht hat, kann Wolz nicht sagen: »Ich zähle nicht mehr.« Schon vor fünf Tagen habe sie auf ihrer Internetseite bekannt gegeben, dass sie momentan keine Bestellungen mehr annimmt. »Ich komme mit der Arbeit nicht nach. Die Masken entstehen in Handarbeit, nicht am Fließband. Das ist ein enormer Aufwand.«

Mundschutz Wetterau: Baumwollpreise sind gestiegen

Anfangs habe sie noch Farbwünsche der Kunden berücksichtigt. »Momentan bieten wir die Modelle männlich und weiblich sowie hell und dunkel an. Das hängt auch davon ab, welchen Stoff ich bekomme. Es muss 100 Prozent Baumwolle sein.« Die Preise für Baumwolle sind gestiegen, deshalb musste Wolz den Preis für die Masken ebenfalls erhöhen. Der liegt derzeit zwischen 7 und 8 Euro. »Ich werde damit nicht reich«, sagt Wolz. »Ich versuche lediglich, meine Existenz aufrechtzuerhalten.« Sie hat Glück, als Handwerksbetrieb darf sie ihrem Gewerbe weiter nachgehen. »Ich will aber auch etwas für die Gesellschaft tun, habe eine soziale Ader«, sagt Wolz. Im Internet würden für Masken Preise ab 10 Euro und aufwärts aufgerufen.

Wolz Stoffmasken sind waschbar. »Einfach abends in einem Topf mit Waschpulver kochen, ausspülen und über Nacht trocknen lassen.« Wolz hat eine lange Liste an Bestellungen abzuarbeiten. Festangestellte Mitarbeiter hat sie keine. »Meine Tochter hilft, sie muss ja nicht in die Schule, auch die Nichte und der Neffe helfen fleißig mit.« Seit 29 Jahren führt Wolz ihr Schneider-Geschäft. »Ob ich das 30-jährige Bestehen noch erlebe? Ach was, das Leben geht weiter«, sagt sie. Und freut sich, wenn sie positives Feedback der Kunden oder auch mal ein kleines Geschenk erhält.

Aber nicht nur Schneider wie Katharina Wolz aus Friedberg oder Omar aus Nidderau nähen Schutzmasken selbst. Viele Wetterauer Hobbynäher haben sich in den vergangenen Tagen zusammengetan und nähen Schutzmasken selbst. So etwa in Gedern, Florstadt, Niddatal, Rosbach und Wöllstadt. Auch die Nachbarschaftshilfe Bad Nauheim möchte helfen und sucht Mundschutz-Näher.

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