Wer nicht die Fachwerkhäuser der Kaiserstraße in den Blick nimmt, sondern nach unten schaut, sieht keine schönen Dinge. Viele Baumscheiben sind verschmutzt und von Zigarettenkippen übersät.
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Wer nicht die Fachwerkhäuser der Kaiserstraße in den Blick nimmt, sondern nach unten schaut, sieht keine schönen Dinge. Viele Baumscheiben sind verschmutzt und von Zigarettenkippen übersät.

Auf die Sanierung warten?

Müll, Schimmel und kaputte Gehwege: Friedberger Ortsbeirat fordert Aufwertung der Kaiserstraße

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Der Ortsbeirat der Kernstadt Friedberg fordert eine neue Möblierung der Kaiserstraße. Dort liegt so manches im Argen, von verschmutzten Mülleimern bis fehlenden Bänken.

Die Friedberger Kaiserstraße ist eine der schönsten Einkaufsstraßen weit und breit. Herrliche Fachwerkhäuser reihen sich aneinander, es gibt lang eingesessene Familienbetriebe, Cafés und Imbissbuden. Nur sollte, wer dort flaniert, beim Mobiliar nicht so genau hinschauen. Mülleimer, Bänke und die Absperrgitter der Baumscheiben sind arg in die Jahre gekommen. Die Baumscheiben selbst sind teils übersät von Zigarettenkippen, daneben liegt Müll.

Ist das Schimmel, der sich an Parkscheinautomaten und Briefkästen breit macht? Im Falle der beklebten und verschmierten Mülleimer machen sich manche Zeitgenossen den Spaß und öffnen die Eimer mit einem Schlüssel. Dann landet der Inhalt auf dem Gehweg, der - nächste Baustelle - an einigen Stellen Risse und Löcher aufweist.

Die Kaiserstraße muss und soll saniert werden. Doch die Baumaßnahme, von der bislang nur der ersten Abschnitt - der Elvis-Presley-Platz - abgeschlossen ist, wird von Jahr zu Jahr verschoben bzw. erst gar nicht angepackt. Die städtischen Kassen sind leer.

Kaiserstraße Friedberg: Mülleimer in die auch Pizzakartons passen

Wann wird die Sanierung der Kaiserstraße fortgesetzt? Bernd Fleck (CDU) ging in der Ortsbeiratssitzung von »drei bis vier Jahren« aus. »Dafür fehlt mir, gerade nach Corona, die Zuversicht«, sagte Rudi Mewes (Grüne). Die Grünen hatten mehrere Anträge zur Pflege des Stadtbildes gestellt. Defekte und verschmutzte Mülleimer müssten ausgetauscht werden. Carl Cellarius forderte im Namen aller älteren Friedberger mehr Sitzbänke, vor allem im Abschnitt zwischen Wolfen- und Apothekergasse.

Timo Haizmann (UWG) forderte die Anschaffung von größeren Mülleimern, in die auch Pizzakartons passen. Die lägen derzeit neben oder unter den Mülleimern. »Stellen wir größere Mülltonnen auf, sind auch die randvoll«, sagte Peter Junker (CDU). »Nur die Couch passt in keinen Mülleimer. Deshalb steht sie daneben.«

Auch Kommunalpolitikern schwillt schon mal der Kamm, wenn keine Maßnahme fruchtet. Die weggeworfenen Zigarettenkippen seien eine Frage der Disziplin, sagte Fleck. Die Bürger selbst seien für den Schmutz verantwortlich.

Kaiserstraße Friedberg: Leere Baumscheiben in der Ludwigstraße

Helge Müller (FDP) sagte, man könne nicht auf die Sanierung warten. Würden neue Sitzbänke aufgestellt und die Mülleimer ausgetauscht, sei das ein Signal an die Bürger, dass sich etwas in der Stadt tut. Der Ortsbeirat hat nur eine beratende Funktion. Der Antrag geht als Empfehlung an den Magistrat. Dass nicht alles, was beschlossen wird, auch von der Verwaltung umgesetzt wird, wurde bei einem anderem Tagesordnungspunkt deutlich.

Vor sieben Jahren errichtete die Ovag in der Ludwigstraße eine Bürogebäude. Bei Bauarbeiten wurden zwei Bäume beschädigt, mussten gefällt werden. 2015 führte die Stadt Gespräche mit der Ovag, die Baumscheiben sind aber immer noch leer. Das gleiche gilt für den oberen Abschnitt der Ludwigstraße. Die Grünen fordern, die dortigen 22 Baumscheiben wieder zu bepflanzen. Die Auswahl der Bäume solle der »Grüne Tisch« im Grünamt treffen.

Kaiserstraße Friedberg: Schallschutzwände wie in Bad Nauheim 

Und noch ein Grünen-Antrag: Der Aufbau der Schallschutzwände ist fast abgeschlossen, letzte Arbeiten werden am Lückenschluss an der Kleinen Unterführung erledigt. Doch wie geht die Stadt mit den Wänden um? Soll es, diese Frage wurde mehrfach gestellt, soweit kommen wie in Bad Nauheim? Wo die Schallschutzwand in Höhe von Schwalheim wenig einladend wirke? Die Grünen drängen darauf, die Schallschutzwände überall, wo es möglich ist, zu begrünen. An allen anderen Stellen sollten sie künstlerisch aufgewertet werden. Soll heißen: Bevor illegale Sprayer ans Werk gehen, sollen Profis ins Bott geholt werden. Das Junity, das bei der Ausgestaltung des Fußgängertunnels zum Kühlen Grund den Kontakt zu Sprayern herstellte, solle eingebunden werden. Beschlüsse und Anträge zu diesem Thema gab es bereits, geschehen sei nichts, sagte Cellarius.

Aber um an solche Versäumnisse zu erinnern, dafür gibt es ja den Ortsbeirat, der auch familiäre Züge hat. Ortsvorsteher Norbert Simmer las zu Beginn der Sitzung ein Schreiben von Evelyn Weiß vor. Als Stadträtin musste sie aus dem Ortsbeirat ausscheiden und bedankte sich bei den Kollegen für die gute Zusammenarbeit mit Pralinen.

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