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»Hier bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen«: Dorheims Ortsvorsteher Dr. Klaus-Dieter Rack an der Treppe zur alten Schule. Wenn’s um seinen Heimatort geht, legt er sich gerne mal mit dem Bürgermeister oder der Verwaltung an.

Porträt: Dorheims Ortsvorsteher Dr. Klaus-Dieter Rack

Motto des Ortsvorstehers: Nicht nur reden, auch handeln

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Als Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) das Hoftor öffnet, rufen die Kinder der Kita »Rappelkiste«: »Oh, der Bürgermeister!« Der Dorheimer Ortsvorsteher muss grinsen. Seine Macht ist begrenzt. Oder?

Bei den letzten drei Kommunalwahlen holte Klaus Rack in Dorheim mit Abstand die meisten Stimmen. Zwar meldete die CDU diesmal Ansprüche an, aber Rack wurde im Amt bestätigt. Er hat noch jede Menge Projekte im Auge, die er mit dem Ortsbeirat angehen will. »Wir haben begrenzte Möglichkeiten, das stimmt. Aber wenn es um die Verbesserung der Lebensbedingungen geht, lege ich mich gerne mit dem Bürgermeister und der Verwaltung an.«

Wer die Kommunalpolitik in Friedberg verfolgt, weiß, dass das alles, nur keine leeren Worte sind. Rack ist ein Kämpfer. Bei der Bürgermeisterwahl 2017 unterlag er Dirk Antkowiak von der CDU, ausgerechnet einem Dorheimer. Als Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament ist er der starke Mann der SPD in Friedberg, kümmert sich auch abseits der Parlamentsdebatten um Projekte wie etwa das Kaufhaus Joh.

Sein Motto: Nicht nur reden, auch handeln! Am liebsten in Dorheim. »Ich bin ein echter Doremer Bub, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen.« Stolz sei er auf die gute Infrakstruktur im Ort. Gut, Gaststätten, eine von zwei Bäckereien und die Apotheke sind zwar geschlossen. »Aber wir haben zwei Kitas, Lebensmittel- und Getränkemarkt und immerhin Bahn- und Busanschluss.« Letzteres bereitet ihm freilich Sorgen. »Vormittags um halb Zehn fährt der einzige Bus nach Friedberg. Das ist zu wenig.« Der Bahnanschluss sei prima. Aber im Bahnhof Friedberg könnten ältere Menschen die Treppen nicht bewältigen. Rack kämpft daher für mehr Linienbusse.

Kurve ist kein Unfallschwerpunkt

Ein anderes Problem ist die Kurve am Friedhof. Rack fordert zumindest neue Markierungen. Laut Polizei sei dies kein Unfallschwerpunkt. Rack: »Die täglichen Beinahe-Unfälle stehen nicht in der Statistik.«

Rack will nicht locker lassen. Genauso wie beim Schulweg in der südlichen Wetteraustraße. »Im Schulwegeplan ist ein Zebrastreifen vorgesehen. Laut Verwaltung ist die Straße dafür nicht breit genug. Dann muss man eben ein paar Parkbuchten wegnehmen.«

Es gehe darum, den Dorheimer ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Beispiel Müllabfuhr: Vier Abholtermine habe die beauftragte Firma neulich nicht eingehalten, die Biotonnen müffelten übers Wochenende vor sich hin. Rack fordert ein besseres Info-System für die Bürger, außerdem müsse der Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises darauf dringen, dass die Firma ihren Vertrag einhält. »Ansonsten müssen eben Vertragsstrafen ausgesprochen werden.«

Es sind die kleinen, aber dennoch wichtigen Dinge, mit denen sich ein Ortsvorsteher beschäftigt. Zum Beispiel mit Kleingärten, deren Nutzer die Wege im Gartengelände befahren und falsch parken. Oder es werden Dinge verbrannt, die dort nicht verbrannt werden dürfen. Dann beschweren sich die Nachbarn über Geruchsbelästigung oder Lärm von Feierwütigen, die den Kleingarten weniger für Gemüsezucht und mehr in der Freizeit nutzen.

Problem: Parkende Autos im Ortskern

Oder die engen Gassen im Ortskern, die ständig zugeparkt werden, während private Garagen zu Werkstätten umfunktioniert wurden. Hat eine dreiköpfige Familie vier Autos, wird’s eng. Im Notfall kommt kein Rettungsfahrzeug durch. Rack schlägt eine Ortsbegehung vort. Dabei könne man mit den Leuten reden.

»Als Ortsvorsteher ist man nah dran an den Leuten. Mein Doktortitel interessiert hier niemanden«, sagt Rack. Schon sein Vater war Bürgermeister in Dorheim und viele Jahre lang Vorsitzender des FSV. Bei den Fußballern ist Rack Ehrenmitglied, hat in der Jugend selbst gekickt. Er ist Mitglied in zig Vereinen, die im Vereinsring organisiert sind. »Der Vereinsring arbeitet sehr gut.« Rack engagiert sich im Naturschutz, betreut mit seiner Frau seit Jahren Flüchtlinge.

Bis 2019 war der 67-Jährige Archivdirektor beim Staatsarchiv Darmstadt. Seit zwei Jahren hat er keine historische Recherche mehr betrieben. »Ich will wieder etwas schreiben«, sagt er. »Über die NS-Zeit. Da ist noch viel aufzuarbeiten.« Vor allem aber schaut er in die Zukunft: »2025 feiert Dorheim die 1250-Jahrfeier. Ab nächstem Jahr steigen wir in die Vorbereitungen ein.« Der »Stehende Festzug« in Ossenheim 2007 habe ihm imponiert. Rack freut sich auf das Jubiläum. Er weiß, dass es in Dorheim viele helfende Hände gibt, mit denen man einiges auf die Beine stellen kann.

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