Setzen auf den Bestand des Montessori-Campus (v. l.): Tina Stolpp und Nadia Krümmel (Kinderhaus), Daniela Hildebrand (Leiterin der Grundschule), Philipp Seidenberger (Geschäftsführer) und Maren Kirch (Verwaltung). FOTO: JÜRGEN WAGNER
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Setzen auf den Bestand des Montessori-Campus (v. l.): Tina Stolpp und Nadia Krümmel (Kinderhaus), Daniela Hildebrand (Leiterin der Grundschule), Philipp Seidenberger (Geschäftsführer) und Maren Kirch (Verwaltung). FOTO: JÜRGEN WAGNER

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Montessori-Gemeinschaft will Campus erhalten

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Stadt Friedberg will die Liegenschaft der Montessori-Gemeinschaft erwerben und die Grundschule zur Kita umbauen. Diese Pläne würden dem Montessori-Konzept zuwiderlaufen.

Der Vorstand der "Gemeinsam Montessori Leben GbR" ist vorsichtig optimistisch. "Wir wollen das Kinderhaus und die Grundschule weiter betreiben", sagt Geschäftsführer Philipp Seidenberger. Der Montessori-Campus im Friedberger Gewerbegebiet West solle weiterhin Kindern zur Verfügung stehen.

Nichts anderes hat auch die Stadt Friedberg im Sinn. Nachdem das Insolvenzverfahren im April eröffnet wurde, hat die Stadt ihre Interesse an einem Kauf des Geländes bekundet. Um dann neben der bestehenden Kita weitere Plätze für die Kinderbetreuung zu schaffen. Bis zu 250 Kindern könnten sich hier einmal tummeln.

Diese Pläne würden aber bedeuten, dass die Grundschule geschlossen werden müsste. Das wäre eine mögliche Konsequenz aus der finanziellen Schieflage, die unter der alten Vereinsführung entstand.

Und jetzt? Die Montessori-Vertreter wollen eines nicht: Öl ins Feuer gießen. "Wir hoffen auf einen Runden Tisch mit dem Rathaus, um eine gemeinsame Lösung zu finden." Man verstehe die Notlage der Stadt, die dringend neue Kita-Plätze schaffen muss. "Aber wir sind ein Teil der Gesamtlösung", sagt Grundschulleiterin Daniele Hildebrand. "Wir wollen keine Schlammschlacht."

Vorsichtig optimistisch ist der Vorstand der "Gemeinsam Montessori Leben GbR", weil es nach Auskunft von Seidenberger auch andere Interessenten gebe, die die Liegenschaft kaufen und an die Montessori-Gemeinschaft vermieten wollten. Nur habe man keinen Einfluss auf den Insolvenzverwalter und das laufende Verfahren. Das ist im Insolvenzrecht so geregelt.

Das Verhältnis zwischen Stadt und Montessori-Gemeinschaft ist, nach allem, was man hört, nicht das allerbeste. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wie hoch der Betriebskostenzuschuss ausfallen muss, den die Stadt an die Kita zahlt. Eine andere strittige Frage betrifft die Zuschüsse für die Betreuung von Kindern aus anderen Kommunen. Auch hier gibt es keine Einigung. "Wir wollen das gemeinsam mit der Stadt klären", sagt Seidenberger. "Wir schlagen vor, bei einem Arbeitstreffen mit der Kita-Dezernentin Marion Götz Klarheit zu schaffen."

Es geht um mehr als nur um ein Gebäude

Den Montessori-Vertretern geht es um mehr als nur um ein Gebäude. Es geht um die Idee, die hinter der Montessori-Pädagogik steckt, die nicht nach vier Jahren Kindergarten aufhört, wie Schulleiterin Hildebrand sagt. Die Montessori-Pädagogik erziehe Kinder zur Selbständigkeit. Das Motto "Hilf mir, es selbst zu tun" stehe nicht nur auf dem Papier, es werde auch gelebt. Die Grundschulkinder werden in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet, die zwei oder drei Lehrkräfte pro Klasse gehen individuell auf jedes Kind ein.

"Wir arbeiten in Kleingruppen, es gibt keinen Fronttalunterricht", sagt Verwaltungsmitarbeiterin Maren Kirch. Im Mittelpunkt stehe die "Freude am Lernen". Kirch: "Kinder wollen lernen." Man müsse sie nur lassen. In der Montessori-Pädagogik wird mit vielen Materialien gearbeitet, die Kinder sollen etwas in der Hand haben und selbst gestalten. Seidenberger: "Die Materialien sind Werkzeuge des Lernens." Es gebe keinen Unterrichtausfall, Zensuren würden erst in der 4. Klasse vergeben; bis dahin besteht das Zeugnis der Kinder aus einer Beurteilung durch die Lehrkräfte.

Auch Hausaufgaben gibt es keine. "Für manche Eltern ist das eine Zumutung", sagt Kirch. "Sie müssen ihrem Kind vertrauen." Ein wichtiger Aspekt der Montessori-Pädagogik sei die Kontinuität in der Erziehung, und die wäre gefährdet, würde die Grundschule in eine Kita umgewidmet. Hildebrand: "Das Montessori-Konzept beginnt zu Hause und setzt sich über die Kita bis ins Erwachsenenalter fort." Dies sei in Friedberg durch die Sekundarstufe gewährleistet. Seidenberger: "Einen Montessori-Campus mit Kinderhaus, Grundschule und Sekundarstufe gibt es nicht so oft in Hessen. Für die Bildungsstadt Friedberg ist das ein Alleinstellungsmerkmal."

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