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Mit Transparenten und Sprechchören kämpfen Montessori-Eltern für den Erhalt ihres Campus im Gewerbegebiet West.

Nach Insolvenz droht Schließung von Schule und Kita

Montessori-Campus: Protest vor dem Rathaus verhallt

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Am 31. August ist Schluss: Kommt es bis dahin zu keiner anderweitigen Lösung, müssen Kita und Grundschule der Montessori-Gemeinschaft im Grünen Weg in Friedberg schließen.

Rund 70 Eltern und Kinder des Montessori-Campus haben am vergangenen Mittwoch vor dem Friedberger Rathaus für den Erhalt der Grundschule und der Kita demonstriert. Wie berichtet, meldete die Montessori-Fördergemeinschaft Wetterau im Februar 2020 Insolvenz an. Die Gebäude stehen mittlerweile zum Verkauf. Die Stadt hat ein Gebot abgegeben, möchte dort eine Kita mit elf Gruppen einrichten. Für den Montessori-Campus, zu dem auch eine Sekundarschule gehört, würde dies das Aus in der jetzigen Form bedeuten.

Schon in der Woche zuvor hatten die Eltern auf dem Elvis-Presly-Platz lautstark für den Erhalt des Campus demonstriert. Die zweite Demo fand in der Mainzer-Tor-Anlage vor dem Rathaus statt. Ausgerüstet mit Kinderrasseln und einem Megafon machten Eltern und Kinder rund eineinhalb Stunden lang lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam.

Im Rathaus war der Termin bekannt, ein Vertreter der Stadt sei aber nicht rausgekommen, berichtet Eltern-Vertreterin Marie-Caroline Schulte. »Wir wollten mit der Demo noch einmal verdeutlichen, wie wichtig uns der Erhalt des Campus und der Erhalt der Montessori-Pädagogik in Friedberg ist.« Ein Platz in einer anderen Einrichtung sei kein adäquater Ersatz. 77 Kinderhauskinder und 55 Grundschulkinder bangten um ihren geliebten Lernraum.

Am Freitagnachmittag trafen sich Elternvertreter mit Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) und der Ersten Stadträtin Marion Götz (SPD) im Rathaus. Felix Schulte, der zur fünfköpfigen Elterndelegation zählte, sagte, das Gespräch sei »ergebnislos beendet« worden. Die Vertreter der Stadt hätten klar gemacht, dass sie ein Mandat der Stadtverordnetenversammlung haben, um das Gebäude aus der Insolvenzmasse zu erwerben. Entstünde dort eine Kita mit elf Gruppen, wäre die Stadt Friedberg ihre Kita-Platz-Probleme auf einen Schlag los.

Die Gesprächsatmosphäre sei in Ordnung gewesen, berichtet Schulte. Allerdings habe sich die Stadt auf formaljuristische Sachverhalte zurückgezogen. Kita-Dezernentin Götz habe den Eltern einen von vielen Aktenordnern mit Korrespondenz mitgebracht. Daraus gehe hervor, dass das Leitungsteam der Montessori-Gemeinschaft bis heute keine Zahlen zu bestimmten Berechnungen geliefert habe.

Grundschulplatz in 24 Stunden

Die Stadt habe den Eltern versprochen, dass die Kinder, sollte die Grundschule tatsächlich schließen, binnen 24 Stunden einen neuen Grundschulplatz erhalten. Den Eltern von Kita-Kindern wurde empfohlen, sich frühzeitig für einen Platz in einer städtischen Kita anzumelden. Die Stadt, so erfuhren die Eltern, habe nicht nur die Montessori-Kinder im Blick, sondern auch 200 andere, die auf einen Kita-Platz warteten. Schulte: »Wir sind von der Geschäftsleitung genauso enttäuscht wie von der Stadt. Das Gespräch kommt ein Jahr zu spät.«

Wie Schulte berichtet, hat sich eine Gruppe des Montessori-Campus mit dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Markus Fenske getroffen. Ziel sei es, eine Verlängerung für den Montessori-Campus über den 31. August hinaus zu erhalten, damit sich die Montessori-Gemeinschaft neu aufstellen könne.

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