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Mögliche Platz-Umbenennung: »Elvis-Fans sind schockiert«

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Beim »Elvis-Weekend« zeigt Marcel Reisco (USA) in Friedberg seine Roy-Orbison-Show.
Beim »Elvis-Weekend« zeigt Marcel Reisco (USA) in Friedberg seine Roy-Orbison-Show. © pv

Friedberg (jw). Den Elvis-Presley-Platz umbenennen? Für die Fans des »King of Rock’n’Roll« ein handfester Skandal. »Mein Telefon steht nicht mehr still«, sagt Jürgen Muth, Präsident des Elvis-Presley-Vereins (EPV) Bad Nauheim/Friedberg.

»Die Fans sind schockiert und die Bad Nauheimer machen sich über die Friedberger lustig.« Muth stellt sich auch die Frage, ob das überhaupt möglich ist, einen Platz, der nach einer berühmten Persönlichkeit benannt wurde, einfach umzubenennen. Wie Cornelia Becker, Hauptamtsleiterin bei der Stadt, sagt, ist dies möglich: »Wenn das gewollt wird, liegt die Entscheidung bei den Stadtverordneten.«

Die WZ-Berichte über die Initiative, dem Elvis-Presley-Platz einen neuen Namen zu geben, haben die Elvis-Fans auf den Plan gerufen. Das zeigt allein die WZ-Umfrage auf der Homepage, wo die Variante »Weiterhin Elvis-Presley-Platz« gestern Mittag mit über 40 Prozent klar an der Spitze des Rankings lag. Die Facebook-Gruppe »Ideen für Friedberg« sammelt Vorschläge für einen neuen Namen, stellt aber auch den bisherigen Namen zur Abstimmung. Wie Initiator Mark Bansemer der WZ sagte, sollen im Gegensatz zu 1995, als das Stadtparlament in einer turbulenten Sitzung den Namen mit knapper Mehrheit beschloss, die Bürger an der Namensgebung beteiligt werden. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Zweifel daran geäußert, ob der zentrale Platz in Friedberg nach dem Sänger benannt sein soll.

Für Jürgen Muth und viele andere Elvis-Fans ist die Initiative ein Ding der Unmöglichkeit. »Wenn das beschlossen wird, geht das durch die Weltpresse«, glaubt Muth. »Dann wird das ein Eigentor.« Schließlich kämen Fans aus der ganzen Welt nach Friedberg, um zu sehen, wo Elvis bei der US-Army stationiert war. Muth: »Deutschland ist mit Friedberg und Bad Nauheim das einzige Land außer der USA, wo Elvis gelebt hat. Seine Bedeutung für die Rockmusik darf nicht unterschätzt werden. Ohne Elvis gäbe es keine Beatles und keine Rolling Stones.«

Muth weiß, dass sich beide Nachbarstädte in der Vergangenheit schwer getan haben und noch immer schwer tun, die Erinnerung an den Aufenthalt von Elvis in der Wetterau gebührend zu bewahren. Als Beispiel nennt er das Projekt Elvis-Museum, das leider nicht realisiert worden sei. Die Umbenennung des Elvis-Presley-Platzes würde dem die Krone aufsetzen. Muth: »Vielleicht ist das Antiamerikanismus.« Man dürfe aber nicht ein ganzes Volk für die Spionage der NSA verantwortlich machen.

Der EVP-Präsident glaubt, dass die Stadt den Platz ohnehin nicht so ohne weiteres umbenennen kann. »Elvis ist doch kein Nazi oder ein Verbrecher, dem man diese Ehrung nachträglich wieder entzieht.« Mit dieser Einschätzung liegt Muth allerdings falsch. »Die Stadtverordnetenversammlung kann einen Platz, dem sie einen Namen gegeben hat, auch wieder umbenennen. Das liegt in ihrer Hoheit«, sagt Hauptamtsleiterin Cornelia Becker. »Die Stadtverordneten könnten ja auch einen anderen Platz nach Elvis Presley benennen.« Einen aktuellen Anlass für eine Umbenennung liefere die Umgestaltung des Areals. Becker: »Aber im Moment ist das noch keine Sache der städtischen Gremien.« Es seien Privatleute, die dies diskutierten.

Das Thema dürfte auch für Gesprächsstoff sorgen, wenn vom 14. bis 17. August in Friedberg das siebte vom EVP organisierte »Elvis-Weekend« über die Bühne geht – mit einer Ausstellung im Wetterau-Museum, mit Bustouren sowie Konzerten von »Rio the Voice of Elvis« und vielen weiteren Interpreten. Außerdem wird es Shows mit der Musik von Jerry Lee Lewis, Roy Orbison sowie Johnny Cash und June Carter geben, die wie Elvis bei der Plattenfirma »Sun Records« unter Vertrag waren.

Der Elvis-Presley-Platz als Treffpunkt für Fans fällt in diesem Jahr aus. Er wird umgebaut.

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