Anrufen, vorbeikommen und abholen: Geschäftsinhaberin Claudia Horlacher (l.) und Kundin Josefa Schnorr vor der Ladentür.
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Anrufen, vorbeikommen und abholen: Geschäftsinhaberin Claudia Horlacher (l.) und Kundin Josefa Schnorr vor der Ladentür.

Pandemie-Folgen

Corona-Lockdown: Modegeschäfte in Bad Nauheim und Friedberg hart getroffen - Kreative Lösungen

  • vonHarald Schuchardt
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Der erneute vollständige Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft traf die Modegeschäfte und den gesamten Textilbereich besonders hart. Wie sieht es in Bad Nauheim und Friedberg aus?

  • Der zweite Lockdown trifft Modegeschäfte in Bad Nauheim und Friedberg hart.
  • Die umsatzstärksten Wochen vor und nach Weihnachten sind diese Saison ausgefallen.
  • Dabei finden die Geschäftsinhaber durchaus kreative Lösungen, wie sie trotz Lockdown verkaufen können.

Trotz des Lockdowns sind Jochen und Roman Ruths täglich in ihrem Modehaus auf der Kaiserstraße in Friedberg. »Unsere 40 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die Verwaltung arbeitet noch«, sagt Jochen Ruths, der auch Präsident des Hessischen Einzelhandelsverbandes ist.

Friedberg: Umsatz im Modehaus zur Zeit bei fünf Prozent

Die Brüder Ruths sind froh, dass in Hessen Online-Bestellungen von Waren erlaubt sind, die geliefert oder abgeholt werden können. »Viele Kunden haben angerufen, bestellten oft Gutscheine«, erzählt Jochen Ruths. »Bis zum Lockdown lief das Weihnachtsgeschäft so gut wie im Vorjahr. Jetzt liegt unser Umsatz bei knapp fünf Prozent.« Zum »Servicecharakter« gehört auch der Umtausch nach Weihnachten. »Drei Viertel aller Kontakte drehten sich da um Umtausch oder das Einlösen von Gutscheinen«, sagt Roman Ruths.

Hilfen hat das Unternehmen noch nicht beantragt. »Das ist alles sehr komplex, der Teufel steckt im Detail«, sagt Jochen Ruths, der darauf hofft, »möglichst bald wieder relativ normal öffnen zu können. Irgendwann wird es für uns und viele Kollegen eng.« Derzeit versucht er, auf großen Internet-Marktplätzen Ware zu verkaufen. Schnäppchen wird es nach der Wiedereröffnung sicher geben, denn »wir müssen all das ›rausprügeln‹, was wir nächstes Jahr nicht mehr verkaufen können«.

Friedberg: Umsatzstärkste Wochen sind durch Lockdown weggefallen

Ähnlich sieht das Nicole Riepe, die mit Ehemann Andreas Weckler das Mode- und Lederwarengeschäft »Campus und Lederladen« auf der Friedberger Kaiserstraße führt. »Uns sind die beiden umsatzstärksten Wochen im Jahr weggefallen. Viel Ware ist noch da, wir werden sicher reduzieren«, sagt Riepe. »Wir als selbstständige kleine Einzelhändler im Bekleidungs- und Lederwarenbereich sind vom Lockdown am stärksten betroffen.« Nahezu täglich ist sie mit ihrem Mann im Geschäft, doch ihr Angebot, per Telefon oder über Videotelefonie etwas zu bestellen, abzuholen oder liefern zu lassen, wird kaum genutzt. »Einige Stammkunden habe ich per Videotelefon beraten«, erzählt Riepe. »Mit jedem Tag Schließung steigen die Bedenken

Bad Nauheim: Kreative Lösungen während des Lockdowns

»Normalerweise hätten wir jetzt Winterschlussverkauf«, sagt Marc Spahr vom gleichnamigen Schuhgeschäft in der Bad Nauheimer Parkstraße. Mit Schaufenster-Aktionen versucht er, Waren zu verkaufen. Die Angestellten befinden sich in Kurzarbeit, staatliche Hilfen fließen nicht. Vor Weihnachten gab es noch Interesse an Hausschuhen, auch sollten Prozente die Kunden locken. Zwei oder drei Kunden am Tag reichen da aber nicht aus, um gleich vier Geschäfte in Bad Nauheim und Oberursel weiterführen zu können. Das Sortiment im Fenster wird weiterhin regelmäßig gewechselt, damit die Kunden etwas Neues sehen und das Interesse am Kauf geweckt wird. Alle Schuhe im Schaufenster sind mit Nummern versehen, per Anruf oder Whatsapp können Interessenten Kontakt zu Marc Spahr aufnehmen, der dann alles für den Verkauf mit den Kunden abklärt.

Weiter erreichbar ist auch Claudia Horlacher von »Lucky Man & Woman« in der Stresemannstraße - via Social Media und Telefon. Auf Anfrage stellt sie eine Warenauswahl zusammen, zu Hause können die Kunden die Produkte anprobieren. »Wir liefern auch bei Neukunden«, sagt Horlacher, die zu Marktzeiten oder nach Terminabsprachen anzutreffen ist.

»Als am 13. Dezember klar war, dass erstmal Schluss ist, haben wir die letzten zwei Tage noch viel Unterstützung erhalten.« Kunden haben noch eine Jeans oder etwas anderes gekauft, um ihre Solidarität zu bekunden - stressfrei und auf Abstand. »Uns hat das gezeigt, dass die Bad Nauheimer treu zu ihrer Stadt stehen, dafür ein ganz großes Dankeschön.« Bis zur Schließung habe sie noch einen »Winter Sale« angeboten, sagt Horlacher. Auch konnte die Geschäftsinhaberin einen Teil der Herrenmode noch vor Weihnachten stornieren.

Bad Nauheim: Einzelhandel kann nicht „aus dem Vollen schöpfen“

Die Situation sei für alle sehr schwierig, sagt sie. »Wir können ja nicht aus dem Vollen schöpfen.« Hinter den Einzelhändlern in der Stadt lägen keine »fetten Jahre«, wie sie erklärt. Sanierung der Fußgängerzone, Lockdown im Frühjahr und die Schließung der Gastronomie im November hätten bereits den Umsatz im Einzelhandel negativ beeinflusst. Eine staatliche Unterstützung habe sie nicht erhalten.

Damit der Neustart nach dem Lockdown möglich wird, bittet Horlacher die Bürger, sich an die Einschränkungen von Kontakten zu halten. Vielleicht kann der Einzelhandel im Februar dann wieder öffnen.

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