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Am Haupteingang zeigt Zeitzeuge Claus-Kurt Ilge den Teilnehmern Fotografien aus den späten 50er Jahren.

Mit dem Bus in die Vergangenheit

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Ein Muss für Elvis-Fans sind die alljährlich angebotenen Fahrten mit dem Nostalgie-Bus über das Gelände der ehemaligen US-Kaserne, das sich seit dem Abzug der Amerikaner vor 14 Jahren im Dornröschenschlaf befindet und ansonsten nicht zugänglich ist. Auch in diesem Jahr waren die jeweils 40 Plätze für die beiden Fahrten am Samstagvormittag schnell ausgebucht.

Gestartet wurde erstmals vor dem Rathaus in der Mainzer-Tor-Anlage. Um kurz nach 9 Uhr setzte sich der vom Ockstädter Franz Reimche liebevoll restaurierte Bus der Marke Kässbohrer Setra S 12 aus dem Jahr 1967 in Bewegung.

Eventuell eine der letzten Fahrten

Begleitet wurde der Bus von einem halben Dutzend Militärfahrzeugen, darunter auch der Jeep des Butzbachers Uwe Gniffke, der seit mehr als 20 Jahren Geländewagen sammelt. In dem 1944 gebauten »Willys MB«, den Gniffke erst vor einem Jahr erworben hatte, saß Bürgermeister Dirk Antkowiak, während Elvis-Zeitzeuge Claus-Kurt Ilge als Reiseleiter im Bus fungierte.

Während der Fahrt, die zunächst über die Kaiserstraße, vorbei am Elvis-Presley-Platz führte, herrschte im Bus Maskenpflicht. Ferner mussten alle Teilnehmer genesen, geimpft oder getestet sein. Nach zwei Runden um den Elvis-Kreisel herum ging es auf das Kasernengelände, wo zunächst der frühere Paradeplatz angesteuert wurde.

»Man sieht ja von den Gebäuden nicht mehr viel, da hätte man mal die Heckenschere ansetzen sollen«, sagte der Frankfurter Joakim Steinweden, der alljährlich mit seinem Dodge Waggon Carrier aus dem Jahre 1942 an der Kasernentour teilnimmt.

Auf dem Platz begrüßte Antkowiak die Teilnehmer, darunter Besucher aus der Schweiz und aus Dänemark. Kurz ging der Bürgermeister auf die Geschichte des 1913 als Kavalleriekaserne genutzten 74 Hektar großen Areals ein. »Wir sind dran an der Vermarktung, das könnte eine der letzten Fahrten über das Gelände sein«, sagte Antkowiak, bevor Ilge auf die Zeit von Elvis Presley in Friedberg einging.

»Für uns jungen Leute war die Stationierung von Elvis ein Glücksfall«, erzählte Ilge, der ein ganzes Album voller Fotografien aus der Zeit des King in den Ray Barracks mitgebracht hatte. Eines ist dem gebürtigen Friedberger besonders wichtig: »Ohne seine Stationierung in Friedberg wäre Elvis nie nach Bad Nauheim gekommen.«

Gemeinsam spazierte die Gruppe vom Paradeplatz vorbei an der Kapelle und dem früheren Haupteingang zur Baracke 3707, in der Elvis während seiner Armeezeit in Friedberg gelebt hatte. Für die Elvis-Fans war es schon etwas ganz Besonderes, in die Baracke hineinzugehen. Unzählige Fotos wurden auch vor dem Eingang geschossen. Diesem besonderen Zauber konnte sich auch der Niederländer Arjan Deelen, der seit 20 Jahren in Dänemark lebt, nicht entziehen. »Arjan ist ein Elvis-Kenner, der schon drei Bücher über den King geschrieben hat«, berichtete sein Freund Hannes Storch aus Friedrichsdorf. »Das hier ist keine Touri-Tour, das machen hier alle mit viel Charme. Es ist schön, dies hier so authentisch zu erleben«, lobte Deelen, der zum ersten Mal in der Wetterau zu Gast war.

Große Freude beim Trio aus der Schweiz

Bereits zum vierten Mal waren die Brüder Pius und Benno Ottiger und ihr Freund Peter Schenk aus dem Großraum Zürich gekommen. »Das ist unglaublich toll gewesen und so familiär«, freute sich das Trio aus der Schweiz. »Jetzt haben wir den Spirit von Elvis gespürt«, sagte Benno Ottiger beim Verlassen des Busses nach der gut 90-minütigen Tour, an der als einer der wenigen Einheimischen der Bad Nauheimer Martin van Ooyen teilgenommen hatte. »Für mich sind Friedberg und Bad Nauheim eins. Mich interessiert das Kasernengelände und dessen Zukunft schon mehr als Elvis.« Da war der Bad Nauheimer wohl die große Ausnahme an diesem Vormittag.

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