Mit Bibel zugeschlagen

  • VonConstantin Hoppe
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Friedberg/Gießen (con). Rassistische Beleidigungen und Angriffe in der Gießener Bahnhofshalle und im Zug zwischen Friedberg und Frankfurt: Wegen drei Fällen von Körperverletzung sowie Beleidigung steht seit Mittwoch ein 54-jähriger wohnsitzloser Mann vor Gericht. In dem Verfahren vor der 7. Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts steht eine Sicherungsverwahrung für den psychisch kranken Mann im Raum.

Laut Staatsanwaltschaft attackierte der Beschuldigte am 1. September 2019 ohne ersichtlichen Grund eine Passantin in der Gießener Bahnhofshalle. Er schlug unvermittelt auf die Frau ein. Als ein weiterer Mann der Frau zur Hilfe eilen wollte, verpasste er diesem einen Kopfstoß und es kam zu einem Gerangel zwischen den beiden Männern.

Einige Monate später kam es dann zu einem weiteren Vorfall: In der Regionalbahn 30 zwischen Friedberg und Frankfurt schlug der 54-Jährige unvermittelt und ohne Grund mit einer Bibel auf eine Muslima ein. Dabei soll er die damals 25-jährige Frau als »muslimische Hure« beschimpft haben. Zudem soll er geäußert haben, dass sie das verdient habe, da »die Ausländer Deutschland einnehmen« wollten. Auch forderte er die Frau auf, »die Bibel zu lesen«. Die Frau erlitt bei der Attacke Prellungen im Gesicht. In Frankfurt klickten dann die Handschellen - die Bundespolizei nahm den Mann fest.

Mit Zügen quer durchs Land

Fest steht bereits: Der 54-Jährige war zur Tatzeit schuldunfähig: Er leidet an einer paranoiden Schizophrenie, die ihn zu den Taten veranlasst hat. Selbst gibt er an, keine Erinnerungen mehr an den Tatzeitraum zu haben. Seine Erkrankung wurde auch beim Prozessauftakt offenbar: Manche der Dinge, die er erzählte, waren nur schwer greifbar. So lebte der Mann vor seiner Verhaftung in Wohnheimen in Berlin. »Aber da konnte ich nie lange bleiben - immer wieder sind meine Unterlagen weggekommen«, berichtete der 54-Jährige. »Und ich habe immer wieder solche Stimmen gehört, dass die anderen Personen in den Wohnheimen mich umbringen wollten.« Er fühlte sich dort nicht sicher und begann, mit Zügen kreuz und quer durch Deutschland zu fahren - dies war ihm möglich, da er aufgrund seines Behinderungsgrades eine Wertmarke besitzt, mit der er kostenlos Zugfahrten antreten kann. »Meist bin ich die Route Berlin - Frankfurt gefahren. Da kann man gut schlafen.« Bei anderen Gelegenheiten wirkte der Beschuldigte im Saal verwirrt. So auch, als die Sprache auf ein Telefonat mit seiner Verteidigerin kam: »Das haben wir nicht geführt, davon weiß ich nichts. Da hat sich bestimmt wieder einer reingehackt.«

Wegen der Erkrankung steht eine Verurteilung für die Taten außer Frage - jedoch könnte das Gericht eine Sicherheitsverwahrung in einer psychiatrischen Einrichtung anordnen. Seit dem 14. November 2020 befindet sich der Beschuldigte in Haft: Zuerst in Berlin, seit dem 3. März 2021 ist er in einer Klinik in Haina untergebracht.

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