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Das Alte Rathaus von Friedberg, seit vielen Jahren Sitz der Musikschule, verfügt über ein großes Dach. Das Regenwasser aufzufangen, um damit Bäume zu bewässern, ist laut Rathaus aber nicht möglich. Es fehlt an Platz für eine Zisterne.

ISEK-Ideen werden umgesetzt

Umgestaltung der Altstadt Friedberg: So sollen „Angsträume“ aufgelöst werden

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Die SPD-Fraktion hat Ideen aus dem ISEK-Prozess zur Umgestaltung der Altstadt aufgegriffen und fordert, die Stadt solle sich an einem Landesförderprogramm beteiligen.

Friedberg – Im Februar 2021 wurde das »Integrierte Stadtentwicklungskonzept« (ISEK) formell abgeschlossen, den Stadtverordneten wurde ein umfangreicher Bericht vorgelegt. Zu den Ideen, die in den Arbeitsgruppen entwickelt wurden, zählte die Umnutzung von Leerständen als Arbeitsräume für THM-Studenten; Kunstausstellungen oder Pop-Up-Stores (»Kurzzeitläden«) sind weitere Nutzungsmöglichkeiten leerer Läden. Außerdem wurde angeregt, »Angsträume« in der Altstadt durch mehr Licht und mehr Grün zu reduzieren.

Die SPD hat vorgeschlagen, die Stadt solle einen Projektbeitrag zur Teilnahme am Landesprogramm »Zukunft Innenstadt« erstellen und sich beim Land für eine Förderung in der zweiten Antragsrunde bewerben. Sie habe beim zuständigen Ministerium in Wiesbaden nachgefragt, ob eine Teilnahme an der zweiten Runde möglich sei, nachdem die Stadt bereits beim ersten Durchlauf (Projekt »Friedberg macht Urlaub«) zum Zuge gekommen war, sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Berivan Colak-Loens. Dagegen spreche nichts.

Friedberg: Förderung bis zu 90 Prozent der Kosten möglich

Das Förderprogramm sei eine Möglichkeit, die Vorschläge aus dem ISEK-Prozess umzusetzen, sagte Colak-Loens. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) pflichtete ihr bei, verwies aber darauf, dass dies »normales Verwaltungshandeln« sei, sprich: Man wisse von dem Wettbewerb. »Und wenn wir da mitmachen können, machen wir das auch.« Die Förderung der Maßnahmen kann bis zu 90 Prozent der Kosten betragen. Der SPD-Antrag wurde einstimmig beschlossen.

In einem weiteren Antrag, der ebenfalls einstimmig beschlossen wurde, fordert die SPD die Anschaffung von Sammelbehältnissen für Regenwasser. Außerdem sollen, so eine Ergänzung der Grünen, alle Möglichkeiten der Versickerung von Regenwasser überprüft werden.

Hintergrund ist die Notwendigkeit, Trinkwasser zu sparen. Die Wasserampel der Ovag steht aktuell immer noch auf »Gelb«. Die Stadt solle das Regenwasser von den Dächern öffentlicher Gebäude auffangen und damit die Stadtbäume gießen, erläuterte Heike Strack (SPD) den Antrag. Die Trauerhallen auf den Friedhöfen eigneten sich beispielsweise hierfür. Im vergangenen Jahr beschloss das Stadtpartlament, dass Bürger Patenschaften zur Pflege öffentlicher Bäume und Grünflächen übernehmen können. Damals wurde gefragt, wie die Bewässerung gelöst werden kann. Strack: »Zisternen wären eine Lösung.«

Im Augenblick, so Bürgermeister Antkowiak, werde hierfür Trinkwasser verwendet. Für Friedhöfe seien Regenwassersammelstellen eine gute Lösung. Ob das auch an anderen städtischen Gebäuden wie dem Alten Rathaus klappt? Stephan Ewald (CDU) bezweifelte das, stimmte dem Antrag aber grundsätzlich zu: »Das ist eine gute Sache.« Die Stadtverwaltung will nun alle Möglichkeiten eruieren und die Kosten ermitteln.

Friedberg: Die Kaserne soll zur »Schwammstadt« umgebaut werden

In der Diskussion um Sammelbehältnisse für Regenwasser brachte Dr. Andreas Stepansky, der neue Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen, einen interessanten Vorschlag ein. Für das Kasernengelände werde ein Brauchwasserkonzept entwickelt. Angepeilt werde das Konzept einer »Schwammstadt«. Dabei wird durch viel Grün, wenig Versiegelung, offene Wasserflächen und unterirdische Zisternen das Regenwasser aufgefangen und verbleibt vollständig vor Ort erhalten. Das Regenwasser fließt also nicht in die Kanalisation ab, sondern wird für Toilettenspülungen, die Waschmaschine oder die Bewässerung des Gartens verwendet. Man sei gespannt, welchen konkreten Vorschläge die Investoren hierzu machen, sagte Stepansky. Diese Ideen könnten dann auch andernorts in der Stadt umgesetzt werden. Wird die Kaiserstraße saniert, soll dort versickerungsfähiges Pflaster verlegt werden.

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