Wohnraum für kleinen Geldbeutel

Mieterbund kritisiert Angebot als "Katastrophe"

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Kritik an der Wohnungssituation und an der Kommunalpolitik in Friedberg und Bad Nauheim ist in der Jahreshauptversammlung des Mieterbundes Friedberg und Wetteraukreis laut geworden.

Vorsitzender Michael Klaus begrüßte zur Jahreshauptversammlung des Mieterbundes Friedberg und Wetteraukreis viele der rund 3000 Mitglieder im Spiegelsaal des Bad Nauheimer Hotels "Dolce". Als Ehrengast war Wolfang Hessenauer erschienen, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen und Vizepräsident des Deutschen Mieterbundes.

Hessenauer und Klaus gingen auf die Wohnungsnachfrage im Ballungsraum Frankfurt ein, wozu auch Bad Vilbel, Friedberg und Bad Nauheim gehören. Hessenauer erläuterte, dass früher, als es etwa die Bundesbahnwohnungen gegeben habe, die Mitarbeiter aufgrund ihrer beschränkten Einkommen Anspruch auf eine sozialadäquate Wohnung aus dem Bestand des Arbeitgebers gehabt hätten, die auch wirtschaftlich tragbar gewesen seien. "Heute ist es ein finanzielles Desaster für einen Polizeibeamten, wenn er nach Frankfurt versetzt wird, weil er dann damit rechnen muss, für eine gleichwertige Wohnung die Hälfte seines Einkommens auf dem freien Markt aufbringen zu müssen", beklagte Hessenauer. Deshalb sei "die Wiederbelebung des sozial geförderten Wohnungsbaus unvermeidlich und notwendig".

Teilweise 420 Euro pro Quadratmeter Baugrund

Klaus machte deutlich, dass es nicht nur die "große Politik" sei, die die notwendige Schaffung von Mietwohnraum nur unzureichend fördere, sondern man könne auch im Kleinen und insbesondere am Beispiel von Bad Nauheim massive Versäumnisse erkennen. Die Ausweisung des Baugebiets Bad Nauheim Süd, für das teilweise 420 Euro pro Quadratmeter Baugrund verlangt werden, sei unter wohnungspolitischen Gesichtspunkten eine einzige Katastrophe, wenn man dann noch erfahre, dass die Interessenten für Grundstücke zu solchen Preisen zu 80 Prozent nicht aus Bad Nauheim, sondern von außerhalb kämen. "Mit einer solchen Politik wird der Mietmarkt Bad Nauheims nicht entlastet", sagte Klaus. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll gewesen, Investoren mit städtebaulichen Verträgen anzuhalten, eine Mischung aus allen Wohnformen mit einem gewissen Anteil preisgünstiger Wohnungen zu errichten.

Bad Nauheim mit 600 Mitgliedern ganz vorne

Nachdem Bad Nauheim auch die Absenkung der Kappungsgrenze zur Mieterhöhung von 20 auf 15 Prozent abgelehnt habe und insoweit nicht den Beispielen Bad Vilbels und Friedbergs gefolgt sei, handele es sich um einen weiteren schweren Schlag gegen die Interessen der Mieter in Bad Nauheim. Der Wohnungsmarkt dort sei stark angespannt. Auch das erkläre, warum Bad Nauheim mit fast 800 Mitgliedern die meisten Mitglieder des Mieterbundes stelle – vor Friedberg mit etwa 600 Mitgliedern.

Kritik an Tempo bei Friedberger Ex-Kaserne 

Auch Friedberg bleibe aktuell weit hinter den Erfordernissen zurück, heißt es in einer Pressemitteilung des Mieterbundes. Vor längerer Zeit sei die Housing Area neu bebaut worden, was der Mieterbund begrüßt habe. Auf dem 74 Hektar großen Kasernengelände indessen geschehe nichts. Im Jahr 2004 sei der Abzug der US-Amerikaner angekündigt und 2008 vollzogen worden. Seitdem verhandle der Friedberger Magistrat mit der BIMA als Eigentümerin des Geländes über die Verwertung, "seit etwa zwei Jahren angeblich über den sogenannten Erstzugriff der Stadt Friedberg, freilich ohne sichtbaren Erfolg oder ein Verhandlungsergebnis".

Im weiteren Verlauf der Jahreshauptversammlung zeichneten Hessenauer und Klaus verdiente Mitglieder aus: Für 25 Jahre Mitgliedschaft im Mieterbund Friedberg und Wetteraukreis wurden die Eheleute Giesela und Willi Osswald aus Friedberg, Monika Lesch aus Bad Nauheim, Petra Zernial aus Karben und Jutta Kaiser aus Bad Nauheim geehrt. Hessenauer ehrte Klaus, der ebenfalls seit 25 Jahren dabei ist und seit 22 Jahren als Vorsitzender fungiert,

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