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Den heimischen Unternehmen fehlt in diesem Jahr eine Werbeplattform (v. l.): Hans Dietrich Kathari, Michael Hausner und Andreas Ruhrig vom Gewerbeverein Region Friedberg erläutern das Aus für die Messe Wetterau in 2021.

2021 keine Messe auf der Friedberger Seewiese

Messe Wetterau: Verantwortliche hoffen jetzt auf 2023

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Alle zwei Jahre lockt die Messe Wetterau tausende Besucher auf die Friedberger Seewiese. 2021 fällt die Leistungsschau der Wetterauer Betriebe coronabedingt aus. Und 2023?

Keine Messe Wetterau in 2021: Was bedeutet das für die Unternehmen?

Michael Hausner: Kein Kundenkontakt. Die Messe Wetterau soll Unternehmen ein Forum bieten, damit sie Kontakt zu Kunden aufnehmen können. Für unser Betriebe ist Face-to-Face-Beratung sinnvoller als Online-Geschäfte. Die Unternehmen haben jetzt einen Werbeplatz weniger.

Die Pandemie begann im Frühjahr 2020. Haben Sie überhaupt mit den Planungen der Messe begonnen?

Hans Dietrich Kathari: Wir benötigen gut zwölf Monate Vorlauf. Nach intensiven Gesprächen im Vorstand haben wir 2020 frühzeitig das Aus beschlossen. Die Organisation einer Messe ist mit erheblichen Kosten verbunden.

Lässt sich der wirtschaftliche Verlust für die Firmen beziffern?

Andreas Ruhrig: Höchstens bei jenen Firmen, die Direktverkauf im Messezelt machen. Wir Handwerker nehmen da nichts groß mit. Wir knüfen Kontakte. Wenn’s gut läuft, kommen die Kunden nachher. Direkte Umsatzzahlen an der Messe kann ich nicht nennen.

Hausner: So eine Messe hat eine Wirkung auf rund eineinhalb Jahre. Sie ist dazu da, um bekannt zu werden und seine Produkte zu positionieren.

Ruhrig: Man muss das als Informationsmesse sehen. Dass dort Direktverkauf stattfindet, ist keine Frage. Aber das ist nicht der Schwerpunkt.

Und welche Kosten hat die Absage für den Gewerbeverein verursacht?

Hausner: Dadurch, dass wir rechtzeitig abgesagt haben, nur sehr geringe Kosten. Das ist nicht nennenswert.

Wie waren die Reaktionen der Firmen, als sie von der Absage erfuhren?

Kathari: Das Verständnis war sehr groß. Es weiß heute niemand, wie es weitergeht mit Ausstellungen und Messen. Deshalb war es keine Frage: Wir lassen das einmal ausfallen. Wir nehmen uns jetzt 2023 vor, dann müssen wir nächstes Jahr mit der Planung anfangen. Ich gehe davon aus, dass es durch das Impfen eine Lösung geben wird. Wir müssen irgendwann in ein normales Arbeitsleben zurück.

Wäre eine Verlegung in den Herbst machbar?

Hausner: Nein. Wir hatten anfangs überlegt, die Messe alle anderthalb Jahre zu veranstalten, im Frühjahr und im Herbst. Nur müssten wir im Herbst die Zelte heizen. Das würde 15 000 Euro Ölkosten verursachen und steht in keiner Relation zum Klimaschutz.

Die Krise hat bei vielen Unternehmen finanzielle Löcher hinterlassen.

Ruhrig: Wir Handwerker spüren von der Krise nichts, wir haben Hochkonjunktur.

Hausner: Das betrifft eher den Einzelhandel. Ich als IT-Dienstleister habe genug zu tun.

Kathari: Aber wir als handwerkliche Dienstleister spüren das richtig. Reinigungen sind abhängig von Bürokaufleuten, von Hotelerie und Gastronomie. Letzteres fällt zur Zeit komplett aus, wir haben momentan nicht einmal die Hälfte des normalen Umsatzes.

Große Messen werden derzeit digital veranstaltet. Haben Sie an diese Alternative gedacht?

Hausner: Nein. Ich habe das eingangs schon erwähnt: Wir wollen über die Messe Kundenkontakt herstellen. Das kriegen Sie online nicht hin. Der persönliche Kontakt ist wichtig. Nehmen wir die Produkte von Herrn Ruhrig, ein Schreinermeister: Da macht man online ein Foto, aber die Produkte den Kunden zu erklären, funktioniert im persönlichen Gespräch besser.

Kathari: Für Normalbesucher ist die Messe ein wiederkehrendes Ereignis. Man geht hin, isst etwas, trifft Bekannte, schaut sich Neuheiten an oder informiert sich ganz gezielt.

Es gibt Stimmen, die sagen, große Messehallen seien bald ein Relikt der Vergangenheit.

Hausner. Nehmen Sie die Gießener Baumesse: Wie wollen Sie so etwas im Netz stattfinden lassen? Man kann heute vieles im Netz vorführen, unsere Unternehmen aber leben vom persönlichen Kontakt.

Kathari: Wir sind noch in einer Generation aufgewachsen, wo man sich gerne die Hand gibt und sich in die Augen schaut. Bei den Kindern und Enkeln mag das anders sein.

Die nächste Messe soll 2023 stattfinden. Gibt es schon konkrete Pläne?

Hausner: Aktuell noch nicht. Wir warten bis September, Oktober. Die Vorlaufzeit von 12 bis 15 Monaten benötigen wir für die Akquise. Wir müssen Zelte bestellen, da reden wir über Kosten im Vorlauf um die 60 000 Euro. Wir würden uns schon freuen, wenn wir wieder einmal eine richtige Vorstandssitzung machen könnten. Diese Online-Geschichten kann man machen, aber ich habe im Job genug damit zu tun. Vielleicht kriegen wir im September eine Vorstandssitzung hin, wenn 60 Prozent geimpft und die Grünen an der Macht sind (lacht).

Kathari: Es gibt einen großen Unterschied zu professionellen Messeveranstaltern. Wir organisieren die Messe als Verein. Und wir fahren, wenn alles gut läuft, am Ende eine Nullnummer ein. Weil wir kostengünstig sein wollen, weil wir versuchen wollen, so viele regionale Aussteller wie möglich auf die Messe zu holen.

Wie sah die Mitgliederentwicklung 2020 aus?

Ruhrig: Eine Neumeldung, eine altersbedingte Abmeldung.

Hausner: Wir haben rund 100 Mitglieder. Für 2020 haben wir keine Beiträge eingezogen. 2021 werden wir sie einziehen.

Der Gewerbeverein Region Friedberg - der Name sagt es - will regionale Gewerbetreibende zusammenführen. Klappt das?

Hausner: Wir wollten 2020 mit kleineren Gewerbevereinen Kontakt aufnehmen, um sie bei der Messe mit ins Boot zu nehmen, durch vergünstigte Angebote: Der Gewerbeverein mietet soundsoviel Quadtratmeter zum vergünstigten Preis und gibt das an seine Mitglieder weiter.

Kathari: Wir wollen die örtlichen Gewerbevereine keinesfalls übernehmen. Das wäre völlig falsch. Die Sondierungsgespräche auf der letzten Messe mit den Gewerbevereinen aus Echzell und Florstadt haben gezeigt, dass Interesse besteht. Es gibt immer mehr überregionale Firmen, die auf die Messe Friedberg wollen. Wir aber wollen gerne regional bleiben und die Kleinen ins Boot holen. Durch Corona sind die Gespräche eingeschlafen, weil es derzeit ganz andere Probleme gibt.

Hausner: Sobald man sich wieder richtig treffen kann, werden wir auf die Gewerbevereine zugehen, um zu sehen, wie wir gemeinsam so eine Messe aufstellen können.

Kathari: Es gibt, nur ein Beispiel, ein kleines Nähgeschäft in der Hanauer Straße. Das kennen viele Leute gar nicht. Solche Geschäfte müssten auf der Messe vertreten sein.

Hausner: So kämen wir aus dieser Internet-Kaufwut raus.

Die Gesprächspartner

Was der Ausfall der Messe Wetterau für die heimischen Unternehmen und den Veranstalter zu bedeuten hat, darüber sprachen wir mit dem Vorsitzenden des Gewerbevereins Region Friedberg, Michael Hausner, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Quantco aus Bad Nauheim, seinem Vize Hans Dietrich Kathari, Inhaber der Kathari Textilpflege GmbH in Friedberg, und Andreas Ruhrig, Schreinermeister aus Bruchenbrücken.

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