Die Szenen werden bereits im Alten Hallenbad eingeübt, allerdings noch nicht in den passenden Kostümen. Das 18-köpfige Ensemble des "Helden"-Theaters hat Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame", das 1956 in Zürich uraufgeführt wurde, in die Neuzeit projiziert. 	FOTOS: PV
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Die Szenen werden bereits im Alten Hallenbad eingeübt, allerdings noch nicht in den passenden Kostümen. Das 18-köpfige Ensemble des »Helden«-Theaters hat Dürrenmatts »Der Besuch der alten Dame«, das 1956 in Zürich uraufgeführt wurde, in die Neuzeit projiziert. FOTOS: PV

Von menschlichen Abgründen

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Friedberg (pm). Das »Helden«-Theater befindet sich mitten in den Proben. Ab April wird ihre Inszenierung von Friedrich Dürrenmatts »Der Besuch der alten Dame« zu sehen sein. Die Premiere ist am Samstag, 25. April, im Theater Altes Hallenbad.

»Das Stück um die heruntergewirtschaftete Gemeinde Güllen ist vor allem deshalb herausfordernd für das Ensemble«, sagt Regisseur und Vereinsvorsitzender Burkhard Struve, »weil jede Figur deutliche Wandlungen in ihr Gegenteil mitmacht und das mit viel Energie auf der Bühne gelebt werden muss.« Dürrenmatts fiktives schweizerisches Örtchen ist finanziell am Ende. Ein Leben von der Sozialhilfe ist das Los der meisten, und den Zügen hinterherzuschauen, die einzige Beschäftigung. Doch dann keimt Hoffnung auf: Claire Zachanassian (Ingrid Hamer), einst ein Kind Güllens, kündigt ihren Besuch an. Inzwischen ist sie Multimilliardärin und scheinbar die Rettung für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger.

Der beliebte Krämer Alfred Ill (Ralf Reitze), ihr Liebhaber in Jugendzeiten, glaubt, sein »Wildkätzchen« schon im »Sack« zu haben, und der Bürgermeister (Andreas Arnold), dessen Stadthaus gerade gepfändet wird, hofft: »Millionen wird er aus ihr schöpfen!« Bei Ankunft der vermeintlichen Retterin kommt alles völlig anders. Die Vergangenheit holt Ill ein, und ein unmoralisches Angebot fördert menschliche Abgründe unerbittlich zutage.

Der Wert eines Lebens

Dürrenmatts Stück, das 1956 in Zürich uraufgeführt wurde, brachte ihm Welterfolg und die finanzielle Unabhängigkeit. Das »Helden«-Theater hat die Tragödie um Korruption, Gier und die Frage nach dem Wert eines Menschenlebens von den 60er Jahren in die Neuzeit portiert. »Es ist zeitlos«, sagt Co-Regisseur Andreas Arnold. »Und stellt die entscheidende Frage: Welche moralischen Prinzipien sind wir bereit zu opfern, wenn wir reicher werden können als je zuvor?«

Von der Kulisse über die Kostümierung bis hin zur Auswahl der Requisiten ist die Inszenierung eine Gemeinschaftsarbeit aller Mitglieder des »Helden«-Theaters. In Requisiten- und Kulissenworkshops wurden die Bedarfe gemeinsam erhoben und aufeinander abgestimmt.

Die Regievorgaben für die farblich abgestimmte Kostümierung blieben auf Grundsätzliches reduziert, um den Spielenden möglichst viel kreativen Spielraum zu belassen. Mit viel Liebe und Theatererfahrung hat das Regie-Duo seinen Heldinnen und Helden den nötigen Freiraum geboten, um ihre Rollen zu entwickeln.

Herausgekommen ist eine emotionale und intensive Inszenierung, ein »Helden«-Stück, dem Dirk Mensak als technischer Regisseur mit abgestimmter Licht- und Tontechnik die letzten Ecken herausgefeilt hat.

Neu im 18-köpfigen Ensemble ist Ingrid Hamer. Wie viele unter den Auftretenden spielt auch sie noch in einem anderen Theaterverein. Sie kam von der Volksbühne Bad Homburg zu den »Helden«. »Ich finde es großartig, mit wie viel Herzblut die Darsteller, die ein breites Altersspektrum aufweisen, ihre Rollen interpretieren.« Das findet auch die zehnjährige Zoé Römer und sagt, das Stück sei »total cool«.

Wer bei der Premiere am 25. April um 19.30 Uhr im Theater Altes Hallenbad keine Zeit hat, den »Besuch der alten Dame« zu sehen, hat noch drei weitere Gelegenheiten: Am 26. April um 15.30 Uhr, am 20. Juni um 19.30 Uhr und am 21. Juni um 15.30 Uhr am gleichen Ort. Karten sind erhältlich in der Buchhandlung Bindernagel und im Ulenspiegel. Infos zum »Helden«-Theater gibt es unter www.heldentheater.de.

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