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Das hört man nicht oft: Das Fagott im kammermusikalischen Rahmen und als Solo-Instrument. Die französische Fagottistin Juliette Bourette (r.) tritt im Livestream des Alten Hallenbads mit ihrer koreanischen Duopartnerin Hwan Hee Lee an der Klarinette auf.

Meisterinnen ihrer Instrumente

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Wenn sich auch der Fachmann nicht wundert, so staunt doch der (musikalische) Laie umso mehr - nämlich bei der Erstbegegnung mit dem Fagott als Solo-Instrument. Sie fand - leider nur virtuell - am Samstagabend statt. Die Veranstalter des dritten Streaming-Konzerts im Theater Altes Hallenbad - und mit ihnen die etwa 90 Hörerinnen und Hörer zu Hause am »Schirm« - konnten sich glücklich schätzen, zwei junge Meisterinnen ihrer Instrumente begrüßen zu dürfen.

Die französische Fagottistin Juliette Bourette ist Absolventin der Paul-Hindemith-Orchesterakademie in Frankfurt und hat bereits reiche Erfahrungen in renommierten Klangkörpern (wie dem Orchestre de Paris) gesammelt.

Ihre koreanische Duopartnerin Hwan Hee Lee an der Klarinette studierte an der Hochschule der Künste in Berlin, wirkte unter anderem beim Schleswig-Holstein-Musikfestival mit und konzertierte im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks.

Der Geist des Rokoko

Beide jungen Damen hatten ein halbes Dutzend anspruchsvoller, zum Teil äußerst schwer zu spielender Titel aus anderthalb Jahrhunderten mitgebracht.

Nach der Begrüßung durch Dr. Wolfgang Sinn (Organisator des Auftritts) eröffneten sie den Reigen mit Ludwig v. Beethovens Duo für Klarinette und Fagott Nr. 1 in C-Dur. Neben seinen beiden anderen Duos atmet auch dieses um 1800 entstandene dreisätzige Werk noch ganz mozartischen Geist. Gleich das heiter-beschwingte Allegro im Eingangssatz nimmt nicht nur denjenigen gefangen, der das Fagott nie zuvor im kammermusikalischen Rahmen gehört hat. Ein kurzer Blick auf seine Geschichte zeigt, wie es sich (im deutschsprachigen Bereich bis ins 18. Jahrhundert »Dulzian« genannt) im Lauf von drei Jahrhunderten aus einfachen Anfängen zum heutigen Fagott mit 24 Klappen und fünf offenen Grifflöchern entwickelt hat. Damit steht es dem Klang- und Tonspektrum anderer Holzblasinstrumente wie zum Beispiel der Klarinette kaum mehr nach. Nach einem feierlich-getragenen Larghetto im zweiten, klingt Beethovens Duo mit einem virtuosen Rondo aus. Beide Musikerinnen agieren auf Augenhöhe. Die ausgewählten Duette geben ihnen im Lauf der nächsten Stunde reiche Gelegenheit, ihr perfektes, nie forciert wirkendes Zusammenspiel vorzuführen.

Mag auch die von Hwan Hee Lee geblasene Klarinette dem Fagott in puncto Spielbarkeit überlegen sein, so fällt dieses auch in den folgenden Duetten, die hier nur summarisch besprochen werden können, nicht zum bloßen »Begleitinstrument« der Klarinette herab.

François Devienne, einer der bedeutenden Tonsetzer der französischen Frühklassik - er lebte von 1759 bis 1803 -, hat, neben fünf Opern, zahlreiche Werke für Holzbläser geschrieben - darunter auch fünf Fagottkonzerte. Er galt als bester Flötenspieler und Fagottist seiner Zeit.

Die beiden Musikerinnen brachten sein Duo für Klarinette und Fagott, op. 21 zu Gehör. Dieses Werk ist gespickt mit virtuosen Passsagen (unter anderem atemraubende Kadenzen für beide Instrumente im Schlusssatz) und atmet noch den Geist des Rokoko.

Francis Poulencs Duo-Sonate aus dem Jahr 1922 ist das koboldhaft-verspielte Werk eines Meisters der Moderne, der die Grenzen musikalischer Stile souverän überschritt. Seine virtuose dreisätzige Sonate war Schluss- und Höhepunkt des Abends.

»Gewürzt« war der Auftritt der beiden Künstlerinnen mit je einem Solo: Juliette Bourette brillierte mit einer Partita für Fagott solo des englischen Tonsetzers Gordon Jacob, während Hwan Hee Lee mit Strawinskys 1919 entstandenen hochkomplexen, alle Möglichkeiten des Instruments auslotenden drei Klarinetten-Soli begeisterte.

Kurz vor 22 Uhr klingt ein wunderbarer Abend im angeregten Gespräch mit den Künstlerinnen aus.

Dr. Wolfgang Sinn begrüßt die Gäste an den Bildschirmen. Er hat dafür gesorgt, dass die beiden Musikerinnen das Konzert in Friedberg spielen.

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