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»Mein Reich ist nicht von dieser Welt«

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Von: Gerhard Kollmer

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Die drei Kinderchöre der evangelischen Kirchengemeinde haben zwei eindrucksvolle Aufführungen auf die Bühne gebracht. © Gerhard Kollmer

Friedberg (gk). Bereits seit Januar haben sich die drei Kinderchöre der evangelischen Kirchengemeinde unter Leitung von Stadtkantor Ulrich Seeger für die Aufführung des Kindermusicals »Es ist vollbracht« gerüstet. Komponist dieses etwa 90-minütigen Werks ist Thomas Riegler. Das Stück in sieben Szenen mit zwölf Liedern entstand 2004 als Auftragswerk der Förderkreise für Kirchenmusik im evangelischen Dekanat des Wetteraukreises.

Ist es zumutbar, Kinder und Jugendliche die grausame Geschichte von Leiden und Sterben Jesu als Musical auf die Bühne bringen zu lassen? Thomas Riegler bejahte diese selbst gestellte Frage. Dass er damit richtig lag, zeigten die beiden eindrucksvollen Aufführungen am vergangenen Wochenende in der Burgkirche.

24 Akteuren und Akteurinnen - darunter der von Helen Mehr großartig verkörperte Jesus, seine Jünger (u. a. Janna Reinking und Jona Diehl als Petrus und Johannes), der Verräter Judas (Michaela Gaukel), Luisa Twele und Sebastian Knapp als Hoherpriester Kaiphas und römischer Statthalter Pilatus - gelang es, dank großer Empathie und der nötigen Unbefangenheit den schwierigen Stoff zu vergegenwärtigen. Dafür erhielten sie - gemeinsam mit dem achtköpfigen musikalischen Begleitensemble - zu Recht lang anhaltenden begeisterten Applaus.

Bunte Kulisse mit tollen Gewändern

Vor einer bunten Kulisse von Pharisäern, Soldaten, Marktfrauen, Händlern nehmen die Dinge ihren Lauf - beginnend mit Jesu Einzug in Jerusalem auf einem armseligen kleinen Esel. Der Chor begrüßt den Mann, dessen »Reich nicht von dieser Welt« ist, mit Palmwedeln und dem Lied »Hosianna in der Höh!«.

In der folgenden Szene zeigt Helen Mehr als Jesus zum ersten Mal ihr großes sängerisches und darstellerisches Talent bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel und mit dem Vortrag des wunderbaren Lieds »Liebe«. Unmittelbar darauf folgen Kaiphas mit goldener Krone und Judas, der sich von ihm mit 30 Silberlingen zu dem Verrat an Jesus überreden lässt. Grundiert wird diese Szene mit schrillen Klängen der Musiker.

»Nehmt hin und esst!« In der sehr ergreifenden Abendmahlsszene teilt Jesus Brot und Wein an die Jünger aus. Helen Mehr steigert sich von Lied zu Lied, »verschmilzt« immer mehr mit ihrer Rolle. Die Jünger stehen ihr trotzdem nur wenig nach - vorab Petrus und Johannes.

Im Garten Gethsemane bittet Jesus die Jünger, nicht einzuschlafen und die Nacht mit Beten zu verbringen (»Wacht und betet alle Zeit!«) - was sie bekanntlich nicht tun. »Ihr werdet mich verleugnen«: Er weiß um sein schlimmes Ende und fügt sich in sein Schicksal: »Nicht mein Wille geschehe, sondern deiner.«

Was die Aufführung nicht zuletzt so sehenswert macht, sind die Gewänder der Akteure. Sie stehen nicht nur auf der Bühne herum, sondern zeigen ein buntes Treiben, wie man es noch heute aus Palästina kennt.

In der folgenden Szene verteidigt sich Jesus vor dem Hohen Rat, der ihn an den Statthalter Pilatus ausliefert. Währenddessen wirft sich Petrus in einem bewegenden Lied sein Versagen vor (»Was habe ich getan?«). Pilatus, der bekanntlich keine Schuld an Jesus findet, stiehlt sich feige aus der Verantwortung und lässt die wütende Menge über Jesu Schicksal entscheiden (»Jesus oder Barrabas?«). Die Musiker intonieren erneut schrille Klänge.

Vor der Kreuzigung singen die Chöre das alte Kirchenlied »Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?«. Auch die erschütternde Schlussszene meistert Helen Mehr mit Bravour: »Mein Gott, warum hast du mich verlassen?«, singt sie am Kreuz. Am dritten Tag nach seinem schmählichen Tod wird Jesus als Christus und künftiger Welterlöser auferstehen: Mit dem Chorlied »Der Herr wird auferstehen!« findet die großartige Szenenfolge ihr Ende.

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