Mit diesem Konzept, das Musikschulleiter Bert Jonas vorstellt, gehen die Kooperationslehrer in die Friedberger Grundschulen, um in der ersten Klasse eine musikalische Grundförderung anzubieten.
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Mit diesem Konzept, das Musikschulleiter Bert Jonas vorstellt, gehen die Kooperationslehrer in die Friedberger Grundschulen, um in der ersten Klasse eine musikalische Grundförderung anzubieten.

Zusatzangebot

Mehr Musikunterricht in Friedberger Grundschulen

  • vonHanna von Prosch
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Nur eine Wochenstunde Musik, und die fällt dank Corona womöglich aus: Darüber klagen Eltern und Lehrer. Musikschulleiter Bert Jonas will das Defizit in Friedberger Grundschulen ausgleichen.

Friedberg liege deutlich über dem Landesdurchschnitt, was die Zahl der Musikfachkräfte betreffe, sagt Musikschulleiter Bert Jonas. Doch das bedeute nicht, dass überall alle Kinder erreicht würden. Derzeit ist die Musikschule in fünf Grundschulen mit unterschiedlichen Angeboten ab der zweiten Klasse vertreten. Etliche Projekte werden von Bund und Land gefördert, deshalb entstehen für Eltern nur sehr geringe Kosten. »Ich möchte, dass jedes Kind die Chance bekommt, Musik kennenzulernen und zu erlernen. Musikalische Erfahrung ist prägend für ein ganzes Leben, egal ob man später aktiv Musik macht oder nicht«, sagt Jonas.

Grundbildung für Eltern kostenfrei

Mit Beginn des neuen Schuljahrs werden daher Kooperationslehrer an der Musterschule mit der Außenstelle Ossenheim, Philipp-Dieffenbach-Schule, Adolf-Reichwein-Schule sowie den Grundschulen Ockstadt und Fauerbach die »Musikalische Grundbildung in der ersten Klasse« vorstellen. Dieses Angebot wird im Regelunterricht unterbreitet, ist kostenfrei und wird mit 20 000 Euro von der öffentlichen Hand gefördert. Im Tandem-Verfahren unterrichten je eine Musikschulkraft und ein Schulmusiker zusammen. Im Sommer können die Klassen getrennt werden. Der eine Teil kann zum Beispiel draußen singen. Im Winter müsse man unter Corona-Bedingungen andere Möglichkeiten finden. »Ich denke daran, statt des Orff’schen Schulwerks Bodypercussion einzusetzen. Das macht den Kindern sehr viel Spaß«, schlägt Jonas vor.

In der zweiten Klasse gibt es dann die zum Teil schon bestehenden Angebote der instrumentalen Orientierung und Tandem-Unterricht in kleinen Gruppen. So können Talente entdeckt und die Eltern entsprechend beraten werden. Ein kostengünstiger Instrumentalunterricht wird ab der dritten Klasse angeboten. In manchen Schulen existieren Ensembles und Bands. Ein Chor läuft oft über mehrere Jahrgänge. »Wir wollen die Schulen nicht in ihrer Kompetenz einschränken, sondern die Unterrichtseffizienz erhöhen. Viele Pädagogen würden gerne mehr machen, wenn sie könnten. Da ergänzen wir uns und können voneinander lernen«, sieht Jonas einen Vorteile für die Musikschule. Dazu kommt die Chance, später mehr Musikschüler zu gewinnen. Vorteile für die Eltern und Erstklässler: intensiver Unterricht vor Ort zu den Schulzeiten und nicht nur an Schulen mit Musikschwerpunkt sowie Kostenfreiheit. Auch die Musikschullehrerinnen und -lehrer profitieren. Die meisten sind Honorarkräfte, die dadurch Zusatzstunden an für den Musikschulunterricht schlecht nutzbaren Vormittagen bekommen. Für alle gemeinsam ist die Vernetzung - etwa bei größeren Veranstaltungen und öffentlichen Auftritten - und der Kompetenzaustausch wichtig.

Deutlich mehr Lehrkräfte benötigt

Für die Musikschule Friedberg heißt die Erweiterung der Kooperation aber, dass sie statt jetzt sechs Lehrkräften mit 20 Wochenstunden künftig 20 Personen mit rund 60 Wochenstunden beschäftigt. Doch es sei nicht einfach, gerade im Elementarbereich Fachleute zu bekommen, betont Jonas. In Frankfurt bilde lediglich Hochs Konservatorium diesen Zweig in einer kleinen Gruppe aus. Übrigens auch ein Grund, warum die Musikschule Bad Nauheim außer der seit Langem bestehenden Kooperation mit der Stadtschule derzeit nicht in Schulen expandieren kann. Zudem hätten manche Pädagogen die Musikschule als Sprungbrett in den Schuldienst genutzt.

Langfristig würde Jonas das Angebot gerne auf die Dörfer ausdehnen: »Dafür sollten natürlich auch die Fördermaßnahmen ausreichend und langfristig gesichert sein.«

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