Die Montessori-Grundschule im Grünen Weg steht zum Verkauf, gleichfalls die Turnhalle (l.) und das Kinderhaus (hinter der Grundschule). Kauft die Stadt die Liegenschaft, könnte hier die größte Kita im Wetteraukreis mit insgesamt zwölf Gruppen und bis zu 250 Kindern entstehen.
+
Die Montessori-Grundschule im Grünen Weg steht zum Verkauf, gleichfalls die Turnhalle (l.) und das Kinderhaus (hinter der Grundschule). Kauft die Stadt die Liegenschaft, könnte hier die größte Kita im Wetteraukreis mit insgesamt zwölf Gruppen und bis zu 250 Kindern entstehen.

Stadt will Liegenschaft kaufen

Mega-Kita in Friedberg mit 250 Plätzen geplant

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

In Friedberg fehlen Kita-Plätze. Nun zeichnet sich eine Lösung ab: Kita und Grundschule der Montessori-Fördergemeinschaft im Grünen Weg stehen zum Verkauf.

Anfang Februar dieses Jahres stellte die Montessori-Fördergemeinschaft Wetterau Insolvenzantrag, im April wurde das Verfahren eröffnet. Die neu gegründete »Gemeinsam Montessori Leben GbR« übernahm die Geschäfte. Der Vorstand der Schulgemeinde musste die Notbremse ziehen. Altschulden, die der alte Vorstand lange nicht öffentlich gemacht habe, belasteten die Bilanz, hieß es damals. Um die Schulden abzubauen, soll die an den »Grünen Weg« im Gewerbegebiet West angrenzende Liegenschaft verkauft werden, samt Turnhalle, Kinderhaus und Grundschule.

Bis 2016 gab es im Grünen Weg die Kita »Noki« mit zehn Krippenplätzen. Die nächst gelegene Kita war jene in der Wintersteinstraße, die aufgrund von Baumängeln von der evangelischen Kirche aufgegeben werden musste. 65 Plätze fielen weg. Andererseits besteht in Friedberg wie im gesamten Wetteraukreis ein erheblicher Zuzugsdruck. In Friedberg-West wurden laut Stadtverwaltung viele Häuser an junge Familien mit Kindern verkauft, hier finde ein demographischer Wandel statt. Nur Kita-Plätze gibt es keine.

Die Montessori-Kita wird laut Stadt derzeit von 53 Kindern besucht; zur Verfügung stünden freilich 87 Plätze. Von den 53 Kindern wohnen 31 in Friedberg, die übrigen kommen aus der Umgebung.

Der Kauf des Geländes samt Gebäuden könnte die Stadt von einigen Sorgen befreien. Im Magistrat wurde das Thema bereits diskutiert. Zwar würde der Ankauf eine (eher niedrige) Millionensumme kosten. Neubauten kämen aber wohl teurer und stünden auch nicht so schnell zur Verfügung. Auch könnte die Stadt bei einem Kaufabschluss darauf verzichten, Kita-Container aufzustellen.

Neue Kita in Friedberg: Stadt verhandelt mit Träger

Der Magistrat hat sich daher dafür ausgesprochen, Verhandlungen mit dem neuen Träger von Kita und Grundschule aufzunehmen und die Liegenschaft zu kaufen. Im Gebäude des Kinderhauses Montessori könnten kurzfristig vier Krippengruppen à 12 Kinder und im Gebäude der Grundschule nach dreimonatiger Umbauphase acht weitere Kita-Gruppen à 25 Kinder betreut werden. Insgesamt würden somit Plätze für 48 Kinder unter drei Jahren und zwischen 150 und 200 Plätze für Kinder über drei Jahren entstehen. Das wäre eine Mega-Kita, die wohl größte im Kreis.

Am Ende der Taunusstraße in Friedberg-West hat die Stadt ein Ackergrundstück als möglichen Standort einer neuen Kita reserviert. Diese Variante, die keinem Kommunalpolitiker gefällt, könnte beim Erwerb der Liegenschaft am Grünen Weg zu den Akten gelegt werden.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Verkaufsverhandlungen verlaufen, ob es weitere Kaufinteressenten gibt und ob die Stadt zu Zuge kommt. Die Stadtverordneten werden sich in ihrer nächsten Sitzung am 29. Oktober zunächst mit dem Bebauungsplan des Geländes beschäftigen. Es soll eine Veränderungssperre beschlossen werden. Derzeit ist das Gelände »Auf dem Bock« als eingeschränktes Gewerbegebiet festgesetzt. Danach sind dort Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude zulässig. Um die Kita-Plätze langfristig sicherzustellen, soll die Fläche nun die Festsetzung »Fläche für den Gemeinbedarf - Kita« erhalten. Bekommt die Stadt den Zuschlag, könnten die Gebäude bis zum Erwerb nach Genehmigung des Haushalts 2021 übergangsweise angemietet werden.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung wurde die Vorlage kürzlich behandelt, eine größere Diskussion habe sich aber nicht ergeben, sagte Ausschussvorsitzender Patrick Stoll (CDU) der WZ. Es sei aber die Frage aufgeworfen worden, ob so viel Platz benötigt werde. Die Größe der Kita dürfte in der Tat noch für Diskussionen sorgen. Eine Kita mit bis zu 250 Kindern in zwölf Gruppen - das wäre eine Neuerung. Allerdings zeigt sich in der Corona-Krise: Wenn Kitas geplant werden, dann keine zwei- oder dreizügigen Einrichtungen, sondern Kitas mit mindestens sechs Gruppen. Das ist eine Frage der Finanzierbarkeit. Kleine Einrichtungen rentieren sich nicht mehr. Zwölf Kita-Gruppen auf einem Fleck dürften aber machbar sein. Platz für abgetrennte Außenbereiche ist auf dem Montessori-Grundstück vorhanden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare