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Sehnsuchtsort Strand: Auch hier ist es möglich, Abstand zu halten.

Urlaub und Bürokratie

Meerurlaub mit Mehraufwand: Ehepaar aus Friedberg reist in Niedrig-Inzidenz-Kreis

  • vonHarald Schuchardt
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Schleswig-Holstein testet bis Mitte Mai in vier Modellregionen, wie Urlaub unter Pandemie-Bedingungen möglich ist. Loni und Harald Schuchardt aus Friedberg nutzten das, besuchten ihr Enkelchen.

Friedberg – Im Oktober kam unser Enkel zur Welt. Am letzten Oktoberwochenende - unmittelbar vor dem Lockdown - besuchten wir die junge Familie in Flensburg. Seitdem bekamen wir nur mittels Videos und Bilder mit, wie sich unser erster Enkelsohn entwickelt. Unser Sohn machte uns als Erster darauf aufmerksam, dass die Schlei-Region, die zwischen 20 und 50 Kilometer von Flensburg entfernt ist, zu den vier Modellregionen gehört, in denen ab dem 19. April Urlaub unter Pandemiebedingungen getestet werde.

Wir schwankten zunächst, ob wir dieses Wagnis eingehen sollten. Doch die Sehnsucht nach unserem Enkel war größer, und so begannen wir am vorletzten Aprilwochenende mit der Suche nach einer Ferienwohnung, möglichst nah an Flensburg. Doch das entpuppte sich als schwierig. Über das erste Mai-Wochenende war nahezu alles ausgebucht.

Nach mehreren Stunden am PC wurden wir in Rabel, einem kleinen Ort fünf Kilometer vor Kappeln und 35 Kilometer von Flensburg entfernt, fündig. Allerdings war die Wohnung nur noch bis zum 29. April frei. Kurzerhand zogen wir unseren geplanten Termin vor. Für unsere Vermieter war es die erste Vermietung seit einem halben Jahr, wobei sie verschiedene Kriterien erfüllen mussten. Dazu gehörte ein dreiseitiges Hygienekonzept für die Ferienwohnung und die Installation der Luca-App.

Auch wir hatten einige Bedingungen zu erfüllen. So mussten wir bei Ankunft einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein durfte. Den machten wir am Mittwochabend im Friedberger Covid-Testzentrum auf der Kaiserstraße.

Friedberger berichten von Urlaubsreise: Dem Vermieter Test vorlegen

Drei Tage nach Ankunft und dann jeden vierten Tag müssen sich die Urlauber an der Schlei testen lassen und den Test ihrem Vermieter vorlegen. Testzentren schießen in der Region derzeit wie Pilze aus dem Boden. Meist sind es Wohnwagen, in denen zwei Studentinnen den Test abnehmen. Betrieben werden diese »Zentren« oft von Ärzten. Wir machten unsere beiden Antigen-Tests in Gelting, einem größeren Ort, der auf dem Weg nach Flensburg liegt. Dort hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit einer Firma in einem einstigen Besucherbus von Airbus ein »Zentrum« eingerichtet. Getestet wurde vor dem Bus, und nach gut zehn Minuten gab es die Negativ-Bescheinigung. Die kurze Wartezeit nahmen wir gerne in Kauf.

Für den Urlaub musste jeder einzeln eine Verpflichtungserklärung unterschreiben und unseren Gastgebern aushändigen. »Einwilligung des Gastes zur Teilnahme an dem Modellprojekt und zur Verarbeitung der Daten« lautet der Titel des Vordrucks. Zunächst heißt es: »Der oben aufgeführte Gast nimmt am Modellprojekt teil.« Eigentlich logisch. Weiter verpflichtet sich der Gast, die Luca-App zu nutzen, die Tests durchzuführen und bei einem positiven Test »umgehend die Heimreise im eigenen Fahrzeug anzutreten«. Im Notfall sei auch »Quarantäne im Ferienquartier oder einem anderen Quartier« möglich.

Urlaub in Corona-Zeiten: Abends essen in Außenbereichen

Das war bis zu unserer Abreise wohl kaum der Fall, so waren bei bis dahin 3000 Tests nur sechs positiv, und dabei handelte es sich laut »Schlei Bote« »überwiegend um Einheimische«.

Das Ein- und Auschecken in der Ferienwohnung und in den geöffneten Außenbereichen der am Projekt beteiligten Restaurants ist ein Kinderspiel. Wir freuen uns, dass die Luca-App nun auch im Wetteraukreis eingesetzt werden soll. Trotz der Formalitäten, der Tests und der Hygienemaßnahmen hatten wir einen tollen Urlaub. Vor allem das abendliche Essen in den geöffneten Außenbereichen der Restaurants oder das Kaffeetrinken unterwegs haben wir genossen. Auch spontanes Einkaufen ohne Anmeldung war wieder mal schön.

Und natürlich die Woche mit unserem Enkel und dessen Eltern. Nun hoffen wir, dass das Modellprojekt gelingt und sich alle weiter - wie wir erfreut festgestellt haben - an die Regeln halten. Dann könnte Urlaub bald überall wieder möglich werden - wenn die Inzidenzwerte es zulassen.

Niedrige Inzidenz in Schleswig-Holstein

Das Land Schleswig-Holstein hat seit Pandemie-Ausbruch nahezu immer die niedrigsten Inzidenzwerte aller Bundesländer. Nur drei Kreise im Dunstkreis Hamburgs hatten bis Ende April 2021 eine Inzidenz von über 100, sie liegen inzwischen aber wieder deutlich darunter. Ganz im Norden sieht es noch viel besser aus. So lag der Wert im Landkreis Flensburg-Schleswig, zu dem auch die Schlei-Region gehört, im April bei maximal 46,2. In den letzten Tagen sank der Wert nahezu täglich auf 29,8 am Freitag, 7. Mai. Ähnlich ist die Lage in der kreisfreien Stadt Flensburg selbst: Nach den hohen Werten im Januar, die durch einen Lockdown mit strengen Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperre gesenkt wurden, lag der aktuelle Inzidenzwert am Freitag bei 38,8.

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