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Marvin Dorfler Big Band ist auf den Spuren des Soul

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Soul-Musik lebt von Emotionen: Sängerin Ria Hamilton heizt bei der Probe der Marvin Dorfler Big Band die Stimmung an.
Soul-Musik lebt von Emotionen: Sängerin Ria Hamilton heizt bei der Probe der Marvin Dorfler Big Band die Stimmung an. © Jürgen Wagner

Friedberg (jw). »Uh! Ah! Yeah!« Und plötzlich bebt der Keller des Burggymnasiums. Der Drummer treibt die Truppe an, die Gitarre ächzt auf, die Blechbläser liefern spitze harmonische Einwürfe und Bandleader Hans Eckhardt kann sich zurücklehnen, denn jetzt gibt Ria Hamilton den Ton an.

Die Soulsängerin, die gerade noch erzählt hat, sie sei ein wenig erkältet, wirbelt zwischen Notenständern, Mikrofonkabeln und Musikern umher, feuert Saxofonist Heinzi Lang bei seinem von Wiener Schmäh und Motown-Sound durchtränkten Solo an und rollt mit den Augen wie Whoopi Goldberg als singende Nonne in der Kinokomödie »Sister Act«. Dabei geht es in dem Song, den die Marvin Dorfler Big Band gerade probt, weniger himmlisch, dafür aber sehr irdisch zu: »Put your hand on your hips, yeah. Let your backbone slip. Do the Watusi, like my little Lucy.« Von Wilson Pickett stammt der Soul-Hit »Land of 1000 Dances«. Den Text muss man nicht verstehen, man muss ihn nur spüren, und darum geht’s ja auch beim Soul: um Emotionen, um Dramatik im Ausdruck und starke Kontraste bei Lautstärke und Instrumentierung.

»History of Soul« ist das Konzert überschrieben, das die Friedberger Big Band bei ihrem 16. Pfingstmusikfestival am 8. Juni ab 20 Uhr im Central Studio präsentiert. Frühere Programme waren Swing, Funk-Jazz oder Salsa gewidmet, diesmal geht es um die Musik jener Afroamerikaner, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts Samstag und Sonntag auf einen Tag fallen ließen, die Rhythm and Blues und anderes Teufelszeug mit Gospel vermischten, religiöses mit profanem und die in ihren Texten Liebe zu Gott mit der Liebe zu einem Mann oder einer Frau vertauschten. Oder, wie Peter Kristen sagt, über Frauenrechte (»Respect« von Aretha Franklin) und Rollenbildern von Männern (»Papa was a rolling stone«, The Temptations) sangen.

Kristen, Pfarrer und Schulseelsorger am Büdinger Wolfgang-Ernst-Gymnasium und den Radiohörern durch den frühmorgendlichen »hr1-Zuspruch« bekannt, wird durch den Abend führen. »Nicht belehrend, sondern unterhaltsam.« Die beschriebenen Gegensätze interessieren ihn am Soul. Die emanzipatorischen Gedanken der Bürgerrechtsbewegung, die darin zum Tragen kommen ebenso und die Frage, was einem die Songs heute noch sagen.

Zumal Soul kein Exponat aus dem Museum ist. »Der Soul lebt fort in den Songs von Amy Winehouse und Adele.« Deren Bond-Song »Skyfall« steht auf dem Programm, mit ungemein einnehmenden Charme von der Burgschülerin Kimberley James gesungen. Klassiker wie »Son of a preacher man« (Dusty Springfield), »Soul Man« (Sam & Dave), »I feel good« (James Brown) oder ein Blues-Brothers-Medly werden zu hören sein, Songs von Tina Turner, Ray Charles und Otis Redding.

Auf dem Weg zu »Voice of Germany«

Soulstücke spielt die Marvin Dorfler Big Band schon seit ihrer Gründung vor 22 Jahren. Ein ganzes Programm diesem Genre zu widmen ist etwas anderes. »Den Salsa-Sound draufzubekommen, war schwierig. Soul ist im Radio noch immer präsent, der Zugang ist einfacher«, sagt Bandleader Hans Eckhardt in einer Probenpause. Alle seien mit hoher Konzentration und noch größerem Spaß bei der Sache. Dass man Ria Hamilton eine Profisängerin mit großer Ausstrahlung und umwerfender Stimme gewinnen konnte, sei ein echter Glücksfall.

Außerdem ist beim Pfingstmusikfestival eine weitere Sängerin zu hören, die man nicht verpassen sollte: Elif Özcelik, Schülerin im 12er-Jahrgang des Burggymnasiums, hat gerade die ersten beiden Castings für die TV-Sendung »Voice of Germany« überstanden und probt mit Gesangslehrerin Renate Ganz-Bopp für die Vorauswahl in Berlin. Gut möglich, dass sie bald bundesweit für Furore sorgt.

Eine Besonderheit des Pfingstmusikfestivals ist diesmal, dass Eckhardt und seine Musiker (neben der Marvin Dorfler Big Band und Gaststar Ria Hamilton weitere Sängerinnen, ein Background-Chor sowie zu später Stunde die Band Stubenrocker) Konkurrenz bekommen haben. Zeitgleich geht auf dem benachbarten Stadtkirchenplatz das »COPA KABA NOGA«-Festival in seine letzten Runde. Deshalb ist auch im Central Studio der Eintritt frei, was wiederum heißt, dass sich alle, die richtig gute, groovende und mitreißende Soul-Musik voller Emotionen hören wollen, rechtzeitig einen Sitzplatz sichern sollten. Auch wenn es sie vermutlich nicht auf den Sitzen hält.

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