Dauerzustand: Seit vielen Jahren belegen Marktstände die Behindertenparkplätze. Manchmal greift das Rathaus ein, und dann ist wieder alles beim Alten.
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Dauerzustand: Seit vielen Jahren belegen Marktstände die Behindertenparkplätze. Manchmal greift das Rathaus ein, und dann ist wieder alles beim Alten.

Marktstände auf Behindertenparkplätzen: Ärger

Friedberg (jw). »Meine Geduld ist am Ende«, sagt Rima Savazian. »Die Stadt ignoriert meine Belange und die Belange aller anderen gehbehinderten Menschen.« Der Ärger, der sich in der 42-jährigen Gesangslehrerin aus Friedberg aufgestaut hat, rührt von zwei Behindertenparkplätzen her.

Die liegen zentral in der Kaiserstraße vor der Marktapotheke. Doch nicht immer können gehbehinderte Autofahrer dort parken. An Markttagen wird dort Wurst verkauft.

»Wir haben eine Genehmigung von der Stadt«, sagt die Frau hinterm Tresen des Kleinbusses. Alles hat seine Ordnung, der Stand mit den Schwälmer Wurstspezialitäten, von denen einige gerade auf dem Grill brutzeln, steht legal auf den zwei Behindertenparkplätzen. Ein Schild bestätigt das: Mittwochs und samstags, wenn die Marktbeschicker kommen, gilt von 6 bis 15 Uhr für den Straßenverkehr (und also auch für Behinderte) absolutes Halteverbot.

Wie kann das sein? Das fragt sich Rima Savazian seit bestimmt 20 Jahren, seitdem sie aufgrund einer Erkrankung auf Rollstuhl und Gehstöcke angewiesen ist. »Es ist echt blöd für schwer gehbehinderte Menschen, wenn sie samstags keinen Parkplatz in der Stadt finden«, sagt die Mutter eines Schulkindes. Immer wieder hat sie die Stadt auf das Problem aufmerksam gemacht. Manchmal fand sie Gehör und die Parkplätze waren für kurze Zeit wieder frei. Doch dann war alles wieder wie vorher.

Parken auf Kopfsteinpflaster?

Was sie besonders wundert: Selbst nach Jahren hat sich das Problem im Rathaus offenbar nicht herumgesprochen. Ende 2012 sei der Marktstand mehrere Wochen nach ihrer telefonischen Beschwerde verlegt worden, »aber nur für drei bis vier Monate«. Sie schrieb Mails an die Stadt, wies erneut auf das Problem hin, die Parkplätze waren wieder eine Zeit lang frei, bis ein anderer Kleinbus dort stand. So wie am letzten Samstag und auch wie am kommenden Samstag, ganz legal, mit Genehmigung der Stadt.

»Die Marktbeschicker sagen, ich könne ja hinter ihrem Wagen parken«, schildert Savazian. »Aber dort ist Kopfsteinpflaster. Wie soll ein Rollstuhlfahrer da aussteigen? Nicht umsonst sind Behindertenparkplätze anders gepflastert, und vor allem kommt man von diesen Parkplätzen direkt und ohne Bordsteinkanten auf den Bürgersteig.« Wer dagegen seinen Rollstuhl auf der Straße aus dem Kofferraum holt, müsse befürchten, von einem anderen Auto angefahren zu werden.

»Wir werden die beiden Behindertenparkplätze künftig freihalten«, verspricht Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf. »Wir hatten die Plätze immer mal wieder mit Marktbeschickern belegt, es gab Beschwerden, deshalb haben wir das abgestellt.« Mittwochs, wenn weniger Beschicker ihre Marktstände aufbauen, sind sie derzeit tatsächlich frei. Warum aber sind sie samstags belegt? Das Problem ist offenbar, dass der Marktmeister seit längerer Zeit ausfällt und sich die vom Amt ausgegebene Regelung bei seinen Vertretern nicht herumgesprochen hat.

»Wir sehen die berechtigten Belange der Behinderten, wollen aber auch die Marktbeschicker nicht vergraulen«, sagt Schlerf. Der Markt ist schließlich ein Anziehungspunkt für Besucher der Stadt. Andere Plätze stehen derzeit für Marktstände nicht zur Verfügung. »Im Moment habe ich keine Lösung, aber wir suchen danach und wir werden eine Lösung finden.« Schlerf will sich die Sache am Samstag selbst ansehen und mit den Ordnungspolizisten eine Alternative suchen.

Möglicherweise hat sich das Problem schon bald von selbst gelöst. Der Elvis-Presley-Platz wird am Freitag eingeweiht – mit dem Friedberger Weihnachtsmarkt, mit viel Musik, Tanz, Lesungen, einer »Lebenden Krippe« und Glühweinbuden. Wie der Platz danach mit Leben gefüllt wird, steht noch nicht fest. Der Wochenmarkt bietet sich an, dann fielen mittwochs und samstags auf der Kaiserstraße keine Parkplätze weg. »Wir prüfen derzeit, ob der Markt auf den Elvis-Presley-Platz umzieht«, sagt Schlerf. Die Marktbeschicker wurden angeschrieben, sie sollen Auskunft darüber geben, ob sie dies befürworten und welchen Platz sie benötigen. Die Behindertenparkplätze vor der Marktapotheke wären dann frei. Das sollen sie künftig aber so oder so sein. Schlerf: »Wir müssen gewährleisten, dass es in der Innenstadt Behindertenparkplätze gibt.«

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