Volksbühne Friedberg

Marion Kracht: Ende des Vereins wäre "skandalös"

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Wird die Volksbühne Friedberg am Ende des Jahres "beerdigt"? Die Schauspielerin Marion Kracht hat an alle Akteure appelliert, die Volksbühne nicht sterben zu lassen.

Ende des Jahres wird die Volksbühne Friedberg ihren Spielbetrieb einstellen – es sei denn, es findet sich ein neues Vorstandsteam. Interessenten gibt es, es gab auch schon Gespräche mit dem aktuellen Vorstand. Doch offenbar ist man sich nicht einig geworden.

Die Schauspielerin Marion Kracht hat in über 100 Fernseh-, Bühnen- und Kinorollen ihre darstellerische Klasse unter Beweis gestellt. Sie war die heranwachsende "Tony" in der TV-Verfilmung von Thomas Manns "Buddenbrooks", der Durchbruch gelang ihr 1985 mit der Rolle der resolut auftretenden Tochter "Tina" in der Familienserie "Diese Drombusch". Als die 56-jährige Trägerin der "Goldenen Kamera" durch einen WZ-Bericht auf die drohende Vereinsauflösung der Volksbühne Friedberg aufmerksam gemacht wurde, platzte ihr die Hutschnur. "Das ist skandalös", sagte sie bei einem Telefonat. Kracht hat mehrfach in der Stadthalle Friedberg auf der Bühne gestanden, viele Zuschauer erinnern sich noch an ihre Rolle als gehörlose "Sarah" in dem Stück "Gottes vergessene Kinder".

Theater als "soziales Event"

"Ich toure oft durch Deutschland und sehe das Theatersterben mit großem Schrecken", sagte Kracht, die ab kommender Woche wieder am Schiller-Theater in Berlin in dem Stück "Willkommen bei den Hartmanns" auf der Bühne steht. "Die Politik muss endlich den Hintern hochkriegen und begreifen, was Kultur bedeutet. Theater ist bewegend, löst Emotionen aus, bildet und ist enorm wichtig. Das ist ein soziales Event", sagt die Schauspielerin. Gerade für kleinere Städte, in denen es keine festen Theaterhäuser gebe, seien solche Angebote sehr wichtig.

Die Politik müsse mehr für die Kultur tun. "Statt neue Straßen zu bauen, sollten die Politiker mehr Geld in Kultur und Theater investieren und vielleicht selber mal hingehen", sagt Kracht. Die Sache macht sie wütend. "Deshalb rufe ich Sie auch extra an."

In Berlin und anderen Großstädten sei das Publikum oft gesättigt. "In kleineren Städten aber freuen sich die Leute wie Bolle, dass die Schauspieler kommen und in ihrer Stadt auftreten." Immer wieder habe sie die große Begeisterung des Publikums erlebt, das seien Zeichen von Dankbarkeit. Dabei seien ernste Stücke genauso wichtig wie Komödien. "Es muss doch Alternativen geben zu Computerspielen und Glotze. Live-Theater ist etwas komplett anderes. Das berührt die Menschen auf besondere Weise, das spüre ich auf Tourneen immer wieder."

Gespräche stocken

Ob ihr Appell Früchte trägt? Die Politik ist im Falle der Friedberger Volksbühne nur insoweit im Spiel, als der Verein einen städtische Zuschuss erhält. Das Programm zu übernehmen und über das städtische Kulturamt zu organisieren, hatte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) abgelehnt; hierfür fehle das Personal. Antkowiak schlug stattdessen vor, das Team des Alten Hallenbades könne vielleicht einspringen und die Veranstaltungen in der Stadthalle managen.

Ein kleine Gruppe engagierter Friedberger hat ihr grundsätzliches Interesse an der Weiterführung des Vereins bekundet. Es gab bereits Gespräche mit dem Vereinsvorsitzenden Michael Keller und der Geschäftsführerin Susanne Keller. Doch offenbar stocken die Verhandlungen. Kommt es zu keiner Einigung, wird der Volksbühnenverein bis Ende des Jahres aufgelöst. Wann dann wieder große Schauspieler auf der Bühne der Friedberger Stadthalle stehen, ist ungewiss.

Info

Noch drei Vorstellungen

Volksbühnen ermöglichen den Mitgliedern, aber auch allen anderen Zuschauern Theaterbesuche zu sozialverträglichen Preisen. "So wollte man früher größeren Volkskreisen den Zugang zu guten Theaterstücken möglich machen", heißt es in Wikipedia. "Der Ursprung der Volksbühnen-Bewegung liegt in Berlin im ausgehenden 19. Jahrhundert." Dort wurde 1890 die Freie Volksbühne mit dem Ziel gegründet, "überwiegend Arbeitern Theaterbesuche zu ermöglichen und so das bis dahin vom Bürgertum gehaltene Bildungsmonopol zu durchbrechen". Die Volksbühne Friedberg besteht seit 60 Jahren. Drei Vorstellungen sind noch geplant: Am Dienstag, 12. März, das Drama "Das Boot" nach dem Roman von Lothar-Günther Buchheim und am Dienstag, 2. April, das Drama "Oskar Schindlers Liste". Zum Abschied ist für den Dezember eine Musikrevue geplant. (jw)

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