Blumen und Glückwünsche: Die neue Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) wird von Parteifreunden umringt. Ihre Wahl war aber keine Frage des Parteibuchs.	(Foto: Nici Merz)
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Blumen und Glückwünsche: Die neue Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) wird von Parteifreunden umringt. Ihre Wahl war aber keine Frage des Parteibuchs. (Foto: Nici Merz)

Stadtratswahl in Friedberg

Marion Götz: Strahlende Siegerin und »Arbeitsmaschine«

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Mit Marion Götz (SPD) hat das Friedberger Stadtparlament nicht nur eine Expertin in Sachen Verwaltung zur Ersten Stadträtin gewählt. Sie sei auch eine »Arbeitsmaschine«, sagt ihr bisheriger Chef.

Kaum hatte der Vorvorgänger von der Tribüne gewunken, machte ein Gag die Runde – über den sich auch der Angesprochene amüsierte: »Egal wer heute antritt, gewählt wird Peter Ziebarth.« Der zählte neben Alt-Bürgermeister Michael Keller, dessen Nachfolger Dirk Antkowiak, dem Magistrat, den Stadtverordneten und vielen Gästen zur Gratulantenschar: Die SPD-Fraktionsvorsitzende Marion Götz strahlte in die Runde, es war geschafft. Mit 28 Stimmen wurde die 52-jährige Hauptamtsleiterin von Raunheim zur Ersten Stadträtin von Friedberg gewählt. Auf Markus Fenske (Grüne) entfielen 15 Stimmen. Es gab eine Nein-Stimme, ein CDU-Parlamentarier fehlte.

CDU-Fraktion hatte sich nicht festgelegt

Ein so deutliches Ergebnis hatte niemand erwartet. Offenbar standen neben der eigenen Partei auch UWG und FDP geschlossen hinter Götz. Möglich wurde deren Wahl, da die CDU-Fraktion keine Festlegung treffen wollte. Letztlich dürften zwei Drittel der Fraktion für Götz gestimmt haben. »Die Person hat über der Parteizugehörigkeit gestanden«, kommentierte Michael Keller. Achim Güssgen-Ackva (FDP) sah das ähnlich: »Ich bin hocherfreut. Herr Fenske wird persönlich von uns geschätzt, in der Abwägung hatte Marion Götz aber den klaren Vorzug.« Auch die UWG-Mitglieder blicken entspannt in die Runde, und Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) kommentierte: »Das ist ein sehr guter Tag für Friedberg.«

Von sechs Bewerbern zwei dem Parlament vorgeschlagen

Sechs Bewerber gab es, berichtete Olaf Beisel (CDU) als Vorsitzender des Wahlausschusses. Zwei wurden dem Parlament vorgeschlagen, ohne eine Empfehlung auszusprechen. Die vornehme Zurückhaltung setzte sich fort, als es vor dem Wahlgang keine Wortmeldungen aus den Fraktionen gab. »Das hätte keinen Sinn gemacht«, sagte Florian Uebelacker (Grüne). »Die beiden sind bekannt.« Man wollte wohl auch Missstimmungen im Stadtparlament vermeiden. Götz wird die Kämmerei, die Stadtkasse, das Ordnungsamt samt Straßenverkehrsbehörde, die Stabsstelle Flüchtlingsbetreuung, die Kitas und die Vertretung der Stadt für das Usa-Wellenbad übernehmen. Die zweite hauptamtliche Stelle in der Rathausspitze ist seit Jahresbeginn verwaist, Bürgermeister Antkowiak hat Unterstützung nötig. In der Zwischenzeit hatte er Fenske, dem dienstältestens ehrenamtlichen Stadtrat, die Kita-Verwaltung übertragen. Für seinen Einsatz bekam der Grüne viel Lob.

Der Konkurrent atmet durch

Enttäuscht vom Wahlausgang war Fenske nicht. Man hatte eher den Eindruck, eine Last sei von ihm abgefallen – nach über zwei Jahren Dauerwahlkampf. »Ich bin zufrieden, dass es vorbei ist.« Zweimal spielte er ehrenamtlich den »Lückenfüller« im Rathaus. Eine enorme Arbeitsbelastung neben dem Beruf als Rechtsanwalt. Freizeit blieb da keine mehr. »Fragen Sie mal meine Familie.«

»Im Kreis Groß-Gerau genießt Marion Götz eine Partei-übergreifende Wertschätzung«, sagte Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe. »Jeder sieht, wie perfekt sie arbeitet. Alle sind traurig, dass sie geht.« »Ich bin Teamplayerin«, sagte Götz. Ihr oberstes Ziel sei es, Arbeitsstrukturen zu schaffen, bei denen alle Mitarbeiter ihre Ideen einbringen können. »Ich setze auf Schwarmintelligenz.« Ihren neuen Posten will sie nicht als »Parteiamt« verstehen. Das schulde schon alleine die breite Unterstützung des Parlaments.

Kommentar

Anstrengung lohnt sich

Marion Götz kann anstrengend sein. Weil sie akribisch arbeitet, die Kommunalverwaltung in- und auswendig kennt und andere mit ihrem Elan anstecken will: zu besseren Leistungen, ausgeglichenen Haushalten, mehr Service für die Bürger. Für ihre Projekte zur interkommunalen Zusammenarbeit im Kreis Groß-Gerau erntete sie viel Lob. Die Liste der Fortbildungen und der von ihr angestoßenen Projekte füllt mehr als ein Dutzend DIN-A4-Seiten. Für Bürgermeister Antkowiak wird Götz mehr sein als nur ein starkes »Back-up«. Sie wird Akzente setzen. Friedberg kann das nur guttun, im Rathaus wie im Stadtparlament, wo auch (oder gerade) ohne Koalition das Miteinander stärker ist als das Gegeneinander. Auch das ist übrigens mit ein Verdienst der langjährigen SPD-Fraktionsvorsitzenden. Von Jürgen Wagner

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