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Thomas Sander (am Klavier) hat schon früher Crashkurse in Sachen Opern angeboten. Ganz so nah wie auf diesem Bild werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuell aber nicht kommen dürfen.

Man mag Opern - oder eben nicht

  • vonHanna von Prosch
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Friedberg (hms). Opern sind Gesamtkunstwerke. Man mag sie oder nicht. Meistens weiß man aber viel zu wenig über diese Hauptkunstform der westlichen Welt. Um Neugier zu wecken oder tiefer in die Materie einzusteigen bietet die Musikschule Friedberg an sechs Abenden fundierte und unterhaltsame Aufklärung mit Thomas Sander an. Los gehen soll es am 9. März als Hybridveranstaltung.

Der Wetzlarer Musikschulleiter hat schon einige dieser Opernworkshops durchgeführt, und sein Publikum war stets begeistert. Nie gehen ihm die Themen aus, und den Teilnehmenden nie die Fragen. Denn er nimmt sie mit auf eine spannende Reise durch 400 Jahre Operngeschichte. Sie beginnt just am 336. Geburtstag von Georg Friedrich Händel, am 9. März. Händel komponierte brillante Barockopern aus antiken Stoffen. »Damals waren die Orchester klein, bei Wagner riesengroß. Was hat das für den Gesang bedeutet? Welche Rolle spielt die jeweilige Mode im musikalischen Stil, in der Inszenierung, im Libretto, im gesamten Umfeld? Solche Themen stellt Sander lebendig vor«, verspricht Bert Jonas, Musikschulleiter in Friedberg.

Debussy soll gesagt haben, die Oper sei eine hübsche Unterhaltung, die noch besser wäre, wenn nicht dabei gesungen würde.

Das mag mancher von langatmigen Wagneropern denken, andere verehren sie geradezu. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Was keiner bestreitet: Opern ziehen das Publikum in ihren Bann. Denn sie leben vom Menschlichen in allen Gesellschaftsschichten.

Hörhilfen am Klavier

Sehnsucht und Hoffnung, List und Trug, Liebe und Leidenschaft, Mord und Totschlag. Der Crashkurs beschäftigt sich auch mit den musikdramatischen Konzeptionen, dem Verhältnis von Text und Musik. Sander gibt Hörhilfen direkt am Klavier oder zeigt Ausschnitte von Aufführungen auf DVD.

Am Ende soll ein gemeinsamer Opernbesuch stehen, wenn das wieder möglich ist.

»In jedem Kurs gibt die Diskussion über das Thema Inszenierung«, weiß Sander. »Wie geschmacklos oder sensibel sind sie, sollen sie modern oder im historischen Sinn sein, verwirren sie oder helfen sie gar zum Verständnis.« Sehr interessant sei auch, die Komponisten selbst zu betrachten: Bei Verdi erwarte man zwangsläufig viele Tote. Aber gerade Verdi habe kurz vor seinem Ende mit Falstaff eine Komödie geschrieben. Oder Mozart: Warum sind seine Opern damals wie heute beliebt?

Für Jonas ist die Beschäftigung mit der Oper ein ganzheitliches Erleben: »Hier finden wir alles, Darstellung, Tanz, Gesang, Orchestermusik, Requisite, Bühnenbild, Kostüm. Dazu die Faszination, dass die Stimme ohne Mikrofon auskommen und trotzdem verständlich sein muss. Das ist höchste Gesangskunst.« Wird in der klassischen Opernmanier italienisch gesungen, blendet man heute Untertitel zum Verstehen ein und es gibt erhellende Einführungen. Es sei immer gut, sich vorher mit der Handlung zu beschäftigen, meint Jonas. »Der Crashkurs soll auch dazu dienen, dass man sich in ein Opernsujet hineindenken kann, dass man Zusammenhänge an vielen Beispielen erkennt.« Für die einen soll er Einstieg, für die anderen Intensivierung des Wissensstandes sein. Jeder solle einen Zugang finden, vielleicht auch seine Perlen entdecken oder zumindest neugierig werden, wünschen sich die Veranstalter.

Eingeladen sind alle Interessierten ab 16 Jahre. Der Kurs wird wegen der Corona-Beschränkungen im Hybridverfahren stattfinden. Also einige Teilnehmende können ihn in Präsenz im Saal der Musikschule verfolgen oder man wählt die digitale Form per Konferenzschaltung.

Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht nötig. »Wir erweitern damit das klassische Kerngeschäft der Musikschule. Nicht jeder möchte ein Instrument lernen, hat aber Freude an Musik generell. Damit erreichen wir einen größeren Interessentenkreis. Außerdem können mit diesem und den anderen Workshops unsere Lehrkräfte auch andere Seiten ihres Wissens vermitteln«, freut sich Jonas und hofft auf zahlreiche Anmeldungen.

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