Die Beraterinnen des Frauen-Notrufs Wetterau sind Ansprechpartner für Frauen, die von Gewalt betroffen sind.	FOTO: PM
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Die Beraterinnen des Frauen-Notrufs Wetterau sind Ansprechpartner für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. FOTO: PM

273 Mädchen und Frauen suchen Hilfe

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Wetteraukreis (pm). Der Jahresbericht des Vereins Frauen-Notrufs Wetterau liegt vor. Er umfasst 30 Seiten und hält viele Informationen bereit. Zum besseren Verständnis ist er in vereinfachter Sprache verfasst.

Ein wichtiges Thema ist die Bedeutung der Istanbul-Konvention für den Gewaltschutzbereich und deren konsequente Umsetzung auch in der Wetterau. Die Istanbul-Konvention ist das »Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt«. Das Abkommen umfasst alle Formen von Gewalt, definiert den Begriff Diskriminierung der Frau und legt einen Schwerpunkt auf häusliche Gewalt. Mit der Unterzeichnung im Februar 2018 hat sich Deutschland verpflichtet, ein Gesamtkonzept zu Schutz, Bekämpfung, Prävention und effektiver Strafverfolgung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu erstellen und auf allen Ebenen umzusetzen. Bisher seien die Vorgaben nur unzureichend erfüllt worden.

Jede zweite bis dritte Frau wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt. Unterschiedliche Formen sexueller Belästigung erlebt jede zweite Frau in Deutschland. Mädchen und Frauen mit Behinderung sind doppelt so häufig von Gewalt und sexualisierter Gewalt betroffen. Sie nehmen jedoch viel seltener die Unterstützungsangebote aus dem Gewaltschutzbereich in Anspruch. Um diese Situation zu verbessern, wurde 2015 vom Frauen-Notruf Wetterau das Netzwerk »Suse - sicher und selbstbestimmt. Frauen und Mädchen mit Behinderung stärken« gegründet. 2019 hat sich das Suse-Netzwerk um eine Arbeitsgruppe erweitert, die in leichter Sprache arbeitet. Zusätzlich wurde das inklusive Projekt »Gemeinsam gegen Gewalt« erarbeitet.

2019 nutzten 273 Mädchen und Frauen mit und ohne Behinderung die Unterstützung des Frauen-Notrufs Wetterau, überwiegend mehrmals. Teilweise konnte der Kontakt durch das Pro Aktive Vorgehen, in Zusammenarbeit mit der Polizei, hergestellt werden. Beim Pro Aktiven Ansatz informiert die Polizei von Gewalt betroffene Frauen, Mädchen und Trans über das Beratungsangebot des Frauen-Notrufs und bietet die Übermittlung der Kontaktdaten zur Terminabsprache an. Auch Angehörige und Menschen, die beruflich oder privat mit Häuslicher Gewalt, Stalking oder sexualisierter Gewalt in Berührung kamen, wurden beraten. Für Beratungsgespräche mit Rollstuhl-Fahrerinnen und Geh-Eingeschränkten konnte auf das Karl-Dietz Haus ausgewichen werden. Zunehmend wurde auch die anonyme Online-Beratung genutzt.

Zur Unterstützung der Fachkräfte im Wetteraukreis wurde die Broschüre »Häusliche Gewalt« aktualisiert. Die Broschüre dient Fachkräften dazu, sich über einen angemessenen Umgang mit dem Verdacht auf Häusliche Gewalt zu informieren und zeigt die abgestimmte Arbeitsweise verschiedener Institutionen auf. Der Frauen-Notruf wirkte dabei im Rahmen des fachübergreifenden Arbeitskreises »Runder Tisch gegen häusliche Gewalt« mit.

2019 sei ein arbeitsreiches Jahr gewesen. Ohne die Finanzierung durch Land, Kreis, Kommunen und weitere Unterstützer wäre die Arbeit nicht möglich, betonen Vorstand und Mitarbeiterinnen.

Der Jahresbericht kann heruntergeladen werden: www.frauennotruf-wetterau.de und ist im Frauen-Notruf erhältlich. Die Beratungsstelle befindet sich in Nidda, Hinter dem Brauhaus 9, und ist täglich von 9 bis 13 Uhr sowie mittwochs von 15 bis 19 Uhr erreichbar: Telefon 0 60 43/44 71, E-Mail info@ frauennotruf-wetterau.de oder über die Online- Beratung www.frauennotruf- wetterau.de

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