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Lost Places III: Durch die Friedberger Kaserne

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Von: Jürgen Wagner

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jw_kaserne13_121022_4c © Nicole Merz

Beim Gang durch die ehemalige Friedberger Kaserne hat diese Zeitung spannende Einblicke in längst vergangene Zeiten bekommen.

Lost Places zum dritten und letzten. Was beim Gang durchs Hospital in der ehemaligen Friedberger Kaserne auffällt: Die US-Armee war bei ihrem Abzug im Jahr 2007 angehalten, sämtliche Dokumente auf dem Gelände zu vernichten. Damit sind nicht nur Dokumente in Papierform gemeint, auch beschriftete und bemalte Wände zählten offenbar dazu. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte der Feind die Bilder an der Wand eines Krankenzimmers entdeckt: Panzerfahrzeuge in verschiedensten Ausführungen. Um die Abwehrbereitschaft der US-Armee dauerhaft zu erhalten, wurden die Panzer mit schwarzer Sprayfarbe unkenntlich gemacht; aber so, dass man die Umrisse noch genau erkennen kann.

Verlassene Orte wecken Erinnerungen. Am Paradeplatz damals der Aufmarsch der Soldaten zu einem Abschied, es war wohl der Golfkrieg. Weiter unten die Elvis-Baracke, für Fans des King of Rock’n’Roll ein Highlight - obwohl die Hütte architektonisch wenig bis gar nichts hergibt. Aber hier hat er genächtigt - bevor er erst in Hotels und dann in ein Privathaus ins noble Bad Nauheim umzog. In der Elvis-Baracke hätte der Sänger beim ersten Rendezvous mit Priscilla wohl kaum Eindruck schinden können.

Unvergessen auch der schießwütige »Tatort« mit Ulrich Tukur, Peter Kurth und Christina Große, die sich in der zum Polizeirevier umgestalteten Panzer-Werkstatt der US-Armee verschanzten, während über ihren Köpfen die Geschosse einschlugen. Der Tatort »Der Angriff« zeigte apokalyptische Zustände, die aber längst mit Schaufel und Besen beseitigt wurden.

Wildtiere tummeln sich dort

Der »echte« Häuserkampf wurde noch weiter hinten auf dem Gelände geübt. Davon zeugen noch Mauern und Rohbauten, die einst als Verstecke dienten. Diese Funktion haben sie in gewisserweise immer noch; die Rehe und andere Wildtiere tummeln sich hier hinten in der südöstlichen Ecke des Kasernengeländes, wo einmal der städtische Bauhof entstehen soll.

Wie lange die Friedberger Kaserne noch im Dornröschenschlaf schlummert, kann derzeit niemand sagen. Ein Teil der Kaserne wird genutzt, das Land Hessen und der Wetteraukreis haben hier Flüchtlingsunterkünfte errichtet. Da das Gelände riesig ist und bis zur Bebauung noch ein paar Jahre ins Land gehen, dürfte dies die Planungen für das neue Stadtviertel nicht beeinträchtigen. Die Friedberger können diese Entwicklung bis auf Weiteres nur als Zaungäste beobachten. Doch auch dies lohnt sich. Wer frühmorgens in den Straßen »Am Warthfeld« und »Görbelheimer Hohl« Ausschau hält und Glück hat, kann die Rehe beobachten oder wird, wie der Autor dieser Zeilen, vom Anblick einer durchs hohe Gras schnürenden Füchsin überrascht.

Weitere Fotos vom Gang durch die ehemalige Kaserne gibt es in der Print-Ausgabe oder im E-Paper der Wetterauer Zeitung vom 14. Oktober 2022.

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