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Mit den jungen Preisträgerinnen und Preisträgern freuen sich die Ovag-Vertreter Andreas Matlé (l.), Joachim Arnold, (2. v. r.) und Laudator Dr. Alf Mentzel (r.).

"Literarische Edelsteine"

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Schreiben macht Spaß, mit Gleichgesinnten darüber zu diskutieren sowieso. Die Krönung ist dann, wenn Autoren ihr eigenes Buch in den Händen halten. Ein Traum, der für die jungen Teilnehmer des 16. Ovag-Jugendliteratur-Wettbewerbs wahr geworden ist.

Gespannt sitzen die Preisträgerinnen und Preisträger im Saal des Ovag-Hauptgebäudes in Friedberg, wo sie gleich ihr Buch "Gesammelte Werke" erhalten werden. Den Weg zu diesem aufregenden Moment im 16. Jugendliteratur-Wettbewerb bereitet zunächst ein unterhaltsames Programm.

"Heute ist ein Festtag für jene, die die Texte verfasst haben, wie auch für jene, die geholfen haben, aus literarischen Schmuckstücken Edelsteine zu machen", sagt Ovag-Vorstandsmitglied Joachim Arnold. Geschehen sei dies im Workshop in Bad Kissingen, wo die jungen Autorinnen und Autoren auf sechs etablierte Kollegen gestoßen seien. "Wie kann das funktionieren?", fragt Arnold. Ein Verhältnis wie zwischen Schüler und Lehrer sei es nicht gewesen, sondern eher so, wie es der Schriftsteller Feridun Zaimoglu ausdrückt: "Ein Verhältnis auf Augenhöhe". Die Profis hätten den Nachwuchs ernst genommen, die Jugendlichen seien offen mit dem konstruktiven Feedback umgegangen. Schriftsteller Gerhard Henschel habe dabei festgestellt: "Auf diese Offenheit trifft man nur selten bei erwachsenen Autoren."

Die Laudatio hält Dr. Al Mentzer. "Wir brauchen Menschen wie euch, die sich mit dem, was ist, nicht zufriedengeben", sagt der Leiter der Literatur-Redaktion bei HR 2. In seiner Rede geht er der Frage nach, welchen Platz Schriftsteller in der Gesellschaft haben. "Die Antwort habt ihr alle mit euren Texten gegeben", konstatiert er. Sie hätten in der Gesellschaft genau den Raum, den sie sich schaffen würden, indem sie sich nicht der "Diktatur des Faktischen" beugten, sondern Alternativen herstellten. Ohne diese wäre laut Mentzel keine Entwicklung möglich, auf welcher Ebene auch immer. "Ihr könnt stolz darauf sein, mit eurer Fantasie genau jene Freiräume zu schaffen, ohne die eine Gesellschaft gar nicht existieren kann", unterstreicht er.

Wenn der Zoo ein Tier vermisst

Die Zuhörer lauschen nun drei Beiträgen aus dem Buch "Gesammelte Werke", darunter der Geschichte "Zuhause" der Erstplatzierten Laura Nold aus Grünberg. Eine junge Frau fährt an einem Adventssonntag zu ihren Eltern und erlebt dort Tristesse pur. Der Vater schneidet sich auf dem Sofa die Fußnägel, die Mutter kocht gereizt das Essen und giftet die Oma an. Die Altvorderen ertränken die Stimmung in Alkohol, worauf die Ich-Erzählerin eine Entscheidung trifft.

"Mein Nachbar links neben mir" stammt von Vanessa Schweitzer aus Friedrichsdorf. Ihre Protagonistin beschreibt flüchtige Kontakte zu ihrem Nachbarn Rainer. Da die Wände dünn sind, kennt sie seinen Musikgeschmack, sie nimmt seine Pakete an. Sie macht sich Gedanken um ihn, andererseits hält sie Distanz. Rainer ist nah und fern zugleich.

Turbulent geht es in "Ein Alpaka namens Günther" von Laura Schöning aus Rockenberg zu. Eine junge Frau wacht morgens auf und findet zu ihrem Entsetzen ein Alpaka in ihrem Zuhause vor. Als sie die Zeitung liest, stellt sie fest, dass der Frankfurter Zoo dieses Tier vermisst. Nun ist guter Rat teuer, denn sie hat keine Ahnung, wie "Günther" zu ihr gekommen ist.

Mit der Musik des Nashi Young Cho Jazz Trio wird die Stimmung vollends perfekt. Das Publikum applaudiert viel für die gelungenen Beiträge - und nun ist es so weit: Strahlend nehmen die jungen Leute ihr Buch entgegen.

194 Seiten stark

"Gesammelte Werke - Jugendliteraturpreis 2019" der Ovag enthält Geschichten von 23 Jungautorinnen und -autoren aus der Region. Das Buch basiert auf dem nunmehr 16. Jugendliteraturpreis. Es ist 194 Seiten stark, die Herausgeber sind Joachim Arnold und Oswin Veith. Erhältlich ist das Buch bei der Ovag in Friedberg (Telefonnummer 0 60 31/68 48 11 13. Es kostet zwölf Euro.

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