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Erinnerungen festhalten: Autorin Susie Vrobel hat in ihrem neuen Buch »Burggeschichten« viele persönliche Erinnerungen und zeitgeschichtliche Fotos ehemaliger Burgschüler zusammengetragen.

Neues Buch von Susie Vrobel

Liebeserklärung Ehemaliger an die Burg

  • Sabine Bornemann
    VonSabine Bornemann
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Das größte Glück war ein Brötchen mit Wurst - eine der vielen Erinnerungen ehemaliger Burgschüler, die Autorin Susie Vrobel in ihrem neuen Buch festgehalten hat: »Burggeschichten«.

Kurze Hose, Sandalen und Eis essen auf der Kaiserstraße: Verboten - zumindest für die Schüler des Burggymnasiums Anfang der 50er-Jahre. So wollte der Direktor »seine« Schüler nicht in Friedberg herumlaufen sehen, das gehörte sich seiner Meinung nach nicht, und deshalb hat er damals extra ein Benimmheftchen herausgegeben und all das zusammengestellt, was sich für einen Burgschüler gehörte - oder eben nicht. Wer sich nicht an die Regeln gehalten hat, musste mit teilweise drakonischen Strafen rechnen.

Daran erinnern sich Friedberger, die »die Burg« damals besuchten. »Diese und andere Erinnerungen sollen nicht verloren gehen«, dachte sich Autorin Susie Vrobel und hat ein Buch dazu geschrieben. In den »Burggeschichten« erzählen in 20 Kapiteln Ehemalige von ihren ganz persönlichen Erlebnissen am Friedberger Gymnasium.

Dokumentierte lokale Zeitgeschichte

Ehemalige »Schillergänse«, Internats- und Fahrschüler des Aufbaugymnasiums und Burggymnasiasten kommen zu Wort, angefangen mit Eindrücken aus 1949. Die »Jüngsten«, die sich erinnern, haben 2008 an der Burg Abitur gemacht.

Die Interviews wurden zwischen 2016 und 2021 von der Autorin geführt und zusammengeschrieben. Die Idee hatte Vrobel, als sie nach ihrem Buch »Wetterauer Geschichten« mit ihrer Mutter über deren Zeit 1949 an der Schillerschule sprach. Hinzu kam ein Aufruf in der Wetterauer Zeitung, sich an dem geplanten Buchprojekt zu beteiligen. Das haben einige Leser getan.

Nun sind alle Interviews geführt, Fotos zusammengestellt und die Kapitel verfasst. Das Buch ist fertig und ein Stück dokumentierte, lokale Zeitgeschichte entstanden: »Eine Liebeserklärung an die Burg«, sagt die Autorin, die selber Schülerin der Augustinerschule war.

Glück kommt mit Wurstbrötchen

Das Buch »Burggeschichten« ist keine Publikation des Burggymnasiums, betont die Autorin, sondern eine lokalhistorische Sammlung von Erinnerungen, zusammengetragen und geschrieben von Susie Vrobel.

Es sind Erinnerungen an strenge Regeln, derbe Streiche, originelle Lehrerinnen und Lehrer, Klassenfahrten, Bekanntschaften mit dem anderen Geschlecht. Es geht auch um längst abgerissene oder auch noch genutzte Gebäude, Schulwege in der Nachkriegszeit, politisches Erwachen und Prüfungen, Rebellion und das Beatfieber.

»Die Ehemaligen erzählen als Zeitzeugen von kleine Fluchten, großer Inspiration und von ganz individuellen Lebensumständen aus sieben Jahrzehnten«, sagt sie Autorin. So wird Zeitgeschichte lebendig: Für die Schüler der Nachkriegszeit beispielsweise war der Weg bis Friedberg oft sehr beschwerlich, geprägt von Verzicht oder Hunger, wie im Kapitel »Brötchen mit Butter und Wurst« beschrieben wird. Ein geschenktes Wurstbrötchen wurde zum größten Glück. »Oft kamen die Schüler nach weiten Wegen mit nassen Füßen an, waren aber so froh, wieder in einer Schule zu sein«; sagt Vrobel.

Dann kam endlich die Freiheit

War es in den 50er/60er-Jahren noch recht streng, gab es mehr und mehr Freiheiten für die Schüler in den 1970er-Jahren. Zunehmend engagierten sich Jugendliche wurden politisch, stellten kritische Fragen. Thematisiert wird die Entwicklung der Schülerzeitungen oder der Einfluss des sogenannten »Radikalenerlasses« in den 70er-Jahren. All das wird durch persönliche Erfahrungen beschrieben.

Gutes Benehmen und ein elegantes Auftreten zog sich in den 60er-Jahren in Sachen Mädchen und Tanzschule durch das Burggymnasium. Es gab die »Parade der Schillergänse«: Die Mädchen liefen am Burgtor und dem Bindernagel’schen Bau vorbei zur Schillerschule und wurden von den Herren der Schöpfung beäugt.

Auf Tuchfühlung ging man jedoch meist erst in der Tanzstunde im Hotel Trapp, wo so etwas wie eine Kontaktbörse entstand. Hier erschien man - übrigens auch zu Beatveranstaltungen - in Schlips und Kragen. Ganz so wie es sich für die damaligen Burgschüler gehörte.

Das Buch »Burggeschichten« umfasst 200 Seiten mit 80 Abbildungen und kann ab sofort über den Buchhandel bezogen werden.

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