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Im Schnitt stöbert Tim dreimal die Woche auf Tinder: "Von 15 Minuten bis eineinhalb Stunden ist alles drin."

Liebe, Sex und Partnerschaft

Liebe auf den ersten Klick? So tindert die Wetterau

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Die Dating-App Tinder soll die Partnersuche erleichtern. Der 25-jährige Tim aus Dorheim nutzt sie seit Ende letzten Jahres. Die große Liebe bleibt bisher aber aus. Er verrät, worauf es ihm beim Tindern ankommt.

Eine hübsche Brünette mit dichten Locken grinst frech in einen Spiegel. Tim sieht sich das Bild auf seinem Smartphone ganz genau an - achtet auf die vielen kleinen Details im Hintergrund. "Ihr Bett ist nicht gemacht", fällt ihm auf. Eine Kosmetiktasche wurde unachtsam auf die Laken geworfen, auf dem Boden liegen Klamotten. "Wäre es ihr wichtig, sich in Szene zu setzten, dann würde das anders aussehen. Dann wäre alles perfekt." Genau das kann Tim aber gar nicht leiden.

Ende 2018 ging seine letzte Beziehung in die Brüche. Eine unschöne Trennung, wie er sagt. Kurz danach installierte der 25-Jährige die Mobile-Dating-App Tinder. Neu war sie ihm nicht. "Ich war schon vor der Beziehung auf Tinder unterwegs, habe es dann aber gelöscht. Das wäre sonst irgendwie unangebracht gewesen", erzählt er. "Matchen. Chatten. Daten." - diesen Erfolgskurs verspricht die App. Tinder zeigt Singles in der näheren Umgebung an, verschiedene Filter begrenzen die Auswahl. Tim werden auf seinen Wunsch hin Nutzerinnen im Alter zwischen 23 und 29 Jahren angezeigt, die in einem Umkreis von 25 Kilometern wohnen.

"Ein 90-60-90-Model gibt es auf Tinder nicht"

Der Dorheimer achtet dann vor allem auf ein sympathisches Lächeln, bevorzugt helle Haare und Nichtraucherinnen. Ansonsten sind seine Ansprüche überschaubar. "Man muss auch realistisch sein. Ein 90-60-90-Model gibt es auf Tinder nicht." Dafür gebe es viele Frauen, die sich stark inszenieren würden. "Fünf Fotos von fünf verschiedenen Kontinenten sind toll, zeigen dass sie gerne reist. Sie sind aber auch nichtssagend." Ob im Bikini am Strand räkelnd oder übertrieben geschminkt mit Schmollmund: Tim hält nichts von gestellten Fotos - er steht auf Authentizität. "Ich vergleiche das immer mit mir. Wie würde ich mich in diesem Moment fotografieren? Genauso?" Die Antwort darauf sei oft auch ausschlaggebend dafür, ob er ein Profil als gut oder schlecht empfindet.

"Wenn man es genau nimmt, ist Tinder schon sehr oberflächlich", gesteht Tim. "Es ist auch wirklich schwer, jemanden nur nach seinem Äußeren zu beurteilen. Und es lässt einen irgendwie anspruchsvoller werden." So sei es durchaus möglich, dass eine Raucherin auf einer Party gute Chancen bei ihm hätte. Auch einen One-Night-Stand hält er dann nicht für ausgeschlossen. Auf Tinder suche er aber nach einer potenziellen Partnerin, darum auch die Argusaugen. "Bei Tinder schöpft man aus dem Vollen. Man kann wählerisch sein, also wird man es."

"Freundinnen oder ehemaligen Mitschülerinnen auf Tinder zu begegnen ist komisch"

Wer bei der Tinder-Suche allerdings zu spezifisch vorgeht, wird mit kleiner Auswahl bestraft. Gleiches kann dem passieren, der eher ländlich lebt. "Mir ist es schon mal passiert, dass sich die Frauen dann wiederholt haben", erzählt der Dorheimer. "Ich habe den Radius dann auf 50 Kilometer hochgeschraubt, das bezieht Frankfurt mit ein." Dort gebe es eine größere Auswahl an unbekannten Single-Frauen. "Na, wieder bei Tinder? Wieder Single?": Auch das hat Tim schon in der Friedberger Innenstadt gehört. "Es ist schon etwas komisch, Freundinnen oder ehemaligen Mitschülerinnen auf Tinder zu begegnen", sagt er. Gar ein sogenanntes Match mit ihnen zu haben, wäre seltsam. Erst kürzlich beendete Tim einige davon, weil erhoffte Antworten ausblieben. Warum das so ist, kann er sich nicht erklären.

"Vielleicht bin ich zu nett", scherzt er. Schon seit längerer Zeit hat Tinder den Ruf, die App zur Verabredung für unverbindlichen Sex zu sein. "Ich bin aber der nette Kerl von nebenan. Der fragt, wie das Wochenende war und immer einen schönen Abend wünscht." Wenn dann nichts zurückkommt, sei das sehr frustrierend. "Die Sympathie war ja da. Ich verstehe nicht, was sich dann geändert haben soll."

Noch gibt er nicht auf, sei auch nicht aktiv auf der Suche und Tinder bisher lediglich ein netter Zeitvertreib. Die Fotos der lockigen Brünetten sagen dem Dorheimer auf jeden Fall zu. Die Entscheidung steht: Tim drückt auf den grünen Hacken. Macht sie das gleiche mit seinem Profil, entsteht das Match, und die beiden können Nachrichten austauschen und sich verabreden: "Wenn sich was ergibt, ist das schön. Wenn nicht, ist es auch kein Drama."

Tinder-Sprache

Durch Tinder "wischt" man. Das kommt von dem englischen "to swipe" für streifen oder durchziehen. Gefällt einem das Profil einer Person, dann "liked" man es. Liken sich zwei Personen gegenseitig, entsteht ein "match", ein Treffer. Dann können die Personen Nachrichten, "Direct Messages" ("DMs") austauschen. Tinder ist in seiner Grundfunktion kostenlos, es gibt aber auch Versionen mit erweiterten Funktionen gegen eine Gebühr.

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