Lidl-Pläne in Friedberg: Hier erweitern, dort schließen

Friedberg (jw). In Friedberg gilt seit einigen Jahren ein Einkaufskonzept, das auch anderen Städten gut zu Gesichte stände: "Die Märkte kommen zu den Bürgern, nicht umgekehrt", bringt Bürgermeister Michael Keller (SPD) die Sache auf den Punkt.

So hat die Kreisstadt, als der Kaufland-Konzern einen Markt "auf der grünen Wiese" plante, Nein gesagt. Und im Gegenzug innenstadtnahe Lebensmittelmärkte ermöglicht: Im Krämer, in der Anna-Kloos-Straße, in der Fauerbacher Straße etwa. Dort gibt es neben Tegut, Rewe, Aldi und Futterhaus auch einen Lidl-Markt, der auf Wunsch des Konzerns von 700 auf 1200 Quadratmeter erweitert werden soll. Im Gegenzug soll der Lidl-Markt in der Pfingstweide im Industriegebiet Süd geschlossen werden. Nach längerer Diskussion über diese beabsichtigte Schließung stellte der Bauausschuss in seiner Sitzung am Donnerstagabend das Vorhaben zunächst zurück.

Der Lidl-Konzern will sein Warenangebot am Standort in der Fauerbacher Straße, direkt am Bahndamm gelegen, ausweiten und sich in Richtung Vollsortimenter entwickeln. Das Gebäude soll in Richtung Norden und zur Fauerbacher Straße hin vergrößert werden, von 700 auf 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche. An der Straßenfront soll ein gläserner Bau für eine Bäckerei mit "Backvorbereitung" entstehen. Dazu ist eine Änderung des Bebauungsplans nötig, über die nun entschieden werden muss.

Grundsätzlich begrüßen die Stadtverordneten die Erweiterungspläne. Dass dann der Markt in der Pfingstweide geschlossen wird, gefällt aber nicht allen Fraktionen. Der sei sinnvoll, sagte Rosa Maria Bey (CDU). Viele Bruchenbrückener kauften hier ein, viele Angestellte der Firmen und die Bewohner des Asylbewerberheims. Carl Cellarius (Grüne) ergänzte, in fünf oder zehn Jahren gebe es auf dem Kasernegelände Wohnhäuser, dann werde der Markt benötigt. Und da Lidl und Aldi stets gemeinsam an solchen Standorten aufträten, stehe zu befürchten, dass sich auch Aldi aus dem Industriegebiet zurückziehen könnte. Für Michael Klaus (SPD) sind Lebensmittelmärkte in Industriegebieten indes Projekte aus der Vergangenheit. Als die Märkte angesiedelt wurden, habe man das Industriegebiet beleben und bekannt machen wollen. Jetzt gelte es, das ausgegebene Ziel weiter zu verfolgen: Einkaufen in der Stadt, Lebensmittelmärkte ansiedeln und erweitern, die auch zu Fuß erreichbar sind. "Das hat nicht jede Stadt", ergänzte Bürgermeister Keller, der zudem betonte, es sei in erster Linie Sache des Lebensmittelkonzerne und eine wirtschaftliche Entscheidung, wenn sie Standorte aufgeben.

Was kommt in die Innenstadt?

Die Grünen beschäftigt indes die Frage, welche Lebensmittelversorgung auf dem Kasernegelände und in unmittelbarer Nähe entsteht. Solche Märkte würden nur dort angesiedelt, wo die Grundstückspreise niedrig seien, sagte Florian Uebelacker. In der Kaserne sei vor allem Wohnbebauung vorgesehen, die Preise dort seien höher, es gebe noch reichlich Diskussionsbedarf. Nein, entgegnete Keller, die Kaserne sei nicht alleine für Wohnzwecke ausgewiesen. So gebe es entlang der Bahnschienen einen Streifen für Gewerbe, wo keine Baulandpreise verlangt würden. Dort könnten sich dann, wenn es soweit ist, Lebensmittelmärkte ansiedeln. Sybille Wodarz-Frank (CDU) bekräftigte, die Politik müsse auch dafür sorgen, dass es in der Innenstadt wieder einen Vollsortimenter gibt. "Wir haben diesen Wunsch sowohl gegenüber dem Rewe-Konzern als auch gegenüber dem Eigentümer des Joh-Gebäudes deutlich zum Ausdruck gebracht", sagt der Bürgermeister.

Ein weiteres Aspekt in der Diskussion war der Edeka-Neukauf im Gewerbegebiet West. 1300 Quadratmeter hat Edeka dort zur Verfügung, würde gerne erweitern, doch der Regionalverband lehnt dies ab. "Wenn der Marktbetreiber noch einmal mit diesem Wunsch an uns herantritt, werden wir das nocheinmal besprechen. Ich habe aber Zweifel, ob etwas dabei herauskommt", machte Keller deutlich, dass es für diesen Markt, der im Gegensatz zum Standort Fauerbacher Straße im Außenbereich liegt, wohl keine Erweiterungsflächen gibt. Nach einer Sitzungsunterbrechung machte Bürgermeister Keller das Angebot, vor einem Beschluss der Ausschussmitglieder zur Änderung des Bebauungsplans in der Fauerbacher Straße zunächst mit Vertretern von Lidl und Aldi Gespräche zu führen, um die wirtschaftliche Zukunft der beiden Standorte im Industriegebiet Süd zu eruieren.

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