Die Umsatzzahlen sind laut Lidl-Konzern gut, aber der Platz ist begrenzt: Die Lidl-Filiale in der Pfingstweide wird auf kurz oder lang geschlossen.
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Die Umsatzzahlen sind laut Lidl-Konzern gut, aber der Platz ist begrenzt: Die Lidl-Filiale in der Pfingstweide wird auf kurz oder lang geschlossen.

Ein Lidl-Markt soll schließen, der andere wird größer

Friedberg (jw). Der Lidl-Markt in der Fauerbacher Straße darf erweitert werden. So lautet das Ergebnis der Diskussion im Bauausschuss, das letzte Wort hat das Stadtparlament.

An und für sich keine große Sache – es geht um eine Bebauungsplanänderung, um eine Erweiterung des Marktes von 700 auf 1200 Quadratmeter. Dass das Unternehmen im Gegenzug seine Filiale in der Pfingstweide in absehbarer Zeit schließen wird, gefällt aber nicht allen Parteien. Stephan Luxem, Immobilienleiter des Lidl-Konzerns in Langgöns, erläuterte vor dem Ausschuss die Unternehmensstrategie.

3100 Lidl-Filialen gibt es in Deutschland, 71 werden vom Regionallager in Langgöns beliefert, zwei davon in Friedberg. Und demnächst dann nur noch eine, diese aber größer und repräsentativer als bisher. Das Filialgebäude in der Fauerbacher Straße, in direkter Nachbarschaft zu Märkten von Aldi, Tegut, Rewe und Futterhaus, soll in Richtung Norden und zur Fauerbacher Straße hin vergrößert werden; an der Straßenfront soll ein gläserner Bau für eine Bäckerei mit einer "Backvorbereitung" entstehen.

Ein Passus im Bebauungsplan hat die CDU aufgeschreckt: "Die Firma Lidl hat sich im Vorfeld der Planungen dazu bereit erklärt, die vorhandene Lidl-Filiale in der Pfingstweide 26 ersatzlos zu streichen", heißt es da. Die Stadtverordnete Rosa Maria Bey wollte wissen, von wem die Initiative zur Schließung ausging. Von der Stadt? Nein, antwortete Dr. Christiane Pfeffer, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, am Ende der Diskussion. Die Initiative sei vom Lidl-Konzern ausgegangen.

Lidl-Vertreter Luxem hatte dies zuvor bekräftigt: Zwei Filialen in einer Stadt seien "betriebswirtschaftlich nicht abbildbar", zumal der Konzern in beide Standorte eine siebenstellige Summe investieren müsste. Andere Filialisten hätten zudem vorgemacht, dass der, der zu viele Standorte betreibt, irgendwann die "Grätsche" mache.

Luxem brachte Begriffe wie "Kaufpreismonitor", "gesunder Kaufkraftüberschuss" und die "besser abbildbare Flächenproduktivität" in die Diskussion ein, die CDU indes stört sich eher daran, dass die Bewohner des Flüchtlingsheims, die Mitarbeiter der Firmen und die Kunden aus den Nachbarorten – vor allem aus Wöllstadt und Bruchenbrücken – dann nicht mehr bei Lidl im Industriegebiet Süd einkaufen könnten. Und zwar mit dem Auto, denn der Markt dort ist gut erreichbar. An der Fauerbacher Straße hingegen nehme der Verkehr dann zu, merkte Bey kritisch an.

"Keine Märkte im Industriegebiet

Der rhetorische Höhepunkt der Aussprache war erreicht, als Michael Klaus (SPD) vorschlug, man solle "dem Herrn von Lidl doch mal Fragen stellen, die er auch beantworten kann". Soll heißen: Wenn Lidl den Markt schließen will, ist das die Sache des Unternehmens. Die Politik kann da nicht reinreden. Zumal eine Schließung in der Pfingstweide dem Konzept der Stadt in Sachen Lebensmittelversorgung entgegenkommt. Aus planungsrechtlicher Sicht gehöre der Markt in der Pfingstweide nicht an diesen Standort, unterstrich Amtsleiterin Pfeffer.

In ein Industriegebiet gehört Industrie. Eine Erweiterung des Gebäudes sei daher auch nicht möglich, dies sei lediglich in der Fauerbacher Straße machbar. Bürgermeister Michael Keller dazu: "Der Markt hat Bestandsschutz, aber keine Zukunft."

Wie Klaus konnte Keller die Argumente der CDU nicht nachvollziehen. "100 Autos mehr in der Fauerbacher Straße? Kein Problem. Unser wichtigstes Ziel ist es doch, die Innenstadt lebendig zu halten, mit einer hohen Kundenfrequenz." Also: Keine Lebensmittelmärkte an der Peripherie, "die Märkte kommen zu den Bürgern", nicht umgekehrt. Fast aus dem Ruder geriet die Diskussion dann mit der Bemerkung von Michael Klaus, dies sei offenbar "eine Diskussion mit Ewiggestrigen". Die CDU beschwere sich aus Prinzip. "Geschäfte in der Stadt sind gut für die Stadt", andere Städte wie Bad Nauheim zeigten, wie man es nicht machen dürfe, und die Fauerbacher Straße sei durch die Ansiedlung der Lebensmittelmärkte aufgewertet worden. "Da sieht’s nicht mehr so aus wie früher bei ›Schwarz & Durcheinander"." SPD, Grüne und UWG stimmten für die Änderung des Bebauungsplans, die CDU stimmte dagegen.

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