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Der Jungbaum wächst noch, die Urnengräber für die Baumbestattungen sind angelegt: (v. l.): Gärtner Thomas Mayer, Landschaftsarchitektin Mandy-Baumgart-Fischer und Bürgermeister Dirk Antkowiak auf dem Hauptfriedhof.

Baumbestattungen in Friedberg

Letzte Ruhe unter der Hopfenbuche: Gräberfelder wurden angelegt

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Seit dem 1. Mai sind in Friedberg Baumbestattungen möglich. Am Montag drauf konnte das Rathaus bereits die erste Buchung entgegennehmen. Bürgermeister Antkowiak stellt das Projekt vor.

Friedwälder und Baumbestattungen liegen im Trend. »Die Menschen sind heutzutage mobiler als früher. Sie bleiben weniger am gleichen Ort, ziehen weg«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). »Die Gräber der verstorbenen Angehörigen verwildern dann.« Diese Entwicklung lässt sich auf vielen Friedhöfen beobachten. Als Alternative steigen viele Menschen auf besagte Friedwälder um. Sie sind für die Angehörigen pflegeleichter, kommen sie doch ganz ohne Grabschmuck aus.

Vor einigen Jahren wurde in Friedberg die Idee geboren, auf dem weitläufigen Gelände des Hauptfriedhofs an der Fauerbacher Straße einen Bestattungswald anzulegen. 90 Bäume sollten dafür gepflanzt werden. Der Vorteil: Dieser Friedwald liegt in der Stadt, ist gut zu erreichen, und die Wege sind auch schon ausgebaut. Aufgrund des Kostenaufwands wurde diese Idee wieder ad acta gelegt. Die Friedhofssatzung wurde umgearbeitet, mit dem Ergebnis, dass nun neben der Baumbestattung eine ganze Palette an Bestattungsmöglichkeiten geboten wird.

Und: Die Baumbestattungen sind nicht nur in der Kernstadt, sondern auf allen städtischen Friedhöfen möglich, auch in den Stadtteilen. Während die dortigen Angebote für Baumbestattungen noch hergerichtet werden müssen, wurden auf dem Hauptfriedhof bereits die ersten Gräberfelder rund um einen Baum gruppiert.

Bäume mit farbigem Blütenstand

Jeweils acht Urnenfelder (60 mal 60 Zentimeter groß) gruppieren sich im Traufbereich um einen Jungbaum. Der Rahmen besteht aus anthrazitfarbenem Klinkerpflaster, darin eingelegt wird eine Grantiplatte (40 mal 40 Zentimeter). Das Arrangement wirkt schlicht, aber pietätvoll. Auf einem der Urnenfelder liegen Kieselsteine, dieser Platz ist bereits belegt. Wird ein Familiengrab gewünscht, können zwei Urnen übereinander in einer Urnen-Erdröhre aus Edelstahl bestattet werden. Die äußere Gestalt ist identisch zum Einzelgrab. Bei anonymen Bestattungen entfällt die Natursteinplatte als optischer Rahmen.

Bei den Baumarten wurde auf einen attraktiven Blütenstand oder eine besondere Herbstfärbung geachtet. Gepflanzt wurden: Blauglockenbaum (hellrosa, violett- bis blauviolette und auch weiße Blüten), Trompetenbaum (weiße Blüten), Blumen-Esche (sommergrüner Baum), Gold-Blasenbaum (sonnengelb), Hopfenbuche (blassgrüne Blätter mit rotbrauner Spitze), Ess-Kastanie, Scharlach-Kirsche (hellrosa Blüten, dunkelrote Blätter im Herbst), Gingko (Blätter hellgrün bis goldgelb), Rot-Buche und Schmalkroniger Rot-Ahorn.

Wie Landschaftsarchitektin Mandy Baumgart-Fischer vom städtischen Bauamt sagte, wird es auf jedem Ortsteilfriedhof einen Jungbaum für Urneneinzelgräber, einen für Familiengräber und einen für anonyme Urnenbestattungen geben. Auf dem Hauptfriedhof wurden acht Bäume für diese neue Bestattungsform gepflanzt. In Zukunft seien auch Urnengräber unter ausgewählten Altbäumen möglich. Auf einen Vorteil wies Baumgart-Fischer hin: Wie beim geplanten, aber verworfenen Friedwald-Projekt auf dem Hauptfriedhof sind auch die unter Bäumen gruppierten Urnenfelder problemlos mit dem Bus zu erreichen. »Wir machen auf den Friedhöfen vielfältige Angebote, von Bestattungen für ›Sternenkinder‹ bis zum muslimischen Gräberfeld«, zeigte sich Bürgermeister Antkowiak stolz über die kleinen »Friedwälder in der Stadt«.

Wer Fragen rund um die Bestattungsformen auf den Friedberger Friedhöfen hat, kann sich an die Friedhofsverwaltung im Rathaus wenden (Fr. Wörner, Tel. 0 60 31/88-201).

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