Letzte Chance für Drogenhändler

  • vonOliver Potengowski
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Friedberg/Gießen(sax). Höher als der Antrag der Staatsanwaltschaft ist das Urteil im Verfahren gegen einen 33-jährigen Eritreer aus Friedberg ausgefallen. Die große Strafkammer am Landgericht Gießen hielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die jedoch wie beantragt zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie eine um 500 Euro höhere Geldbuße von 4000 Euro für notwendig, um den "Schuldgehalt" der Tat abzubilden.

Im Gegensatz zum Verteidiger des Angeklagten sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte der Eigentümer der rund 600 Gramm Marihuana war, die bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am 29. Januar letzten Jahres gefunden worden waren. Die Schilderungen der beiden Zeugen, die behauptet hatten, sie hätten die Drogen in Frankfurt gekauft und in der Wohnung des Angeklagten aufgeteilt, seien wegen der vielen Widersprüche zwischen ihren Aussagen, aber auch im Vergleich zu anderen Zeugen unglaubwürdig.

DNA-Spuren an den Tüten

"Letzten Endes ist das ein starkes Indiz, wenn sämtliche Merkmale des Angeklagten sich auf diesen Tüten finden", betonte der Vorsitzende Richter Dr. Dominik Balzer den Beweiswert der DNA-Analyse der beiden Tüten, in denen sich das Marihuana befunden hatte.

"Es ist für Sie erstaunlich knapp gut ausgegangen", bezog er sich in seiner Urteilsbegründung auf das Schlusswort des Angeklagten. Dieser habe "Glück gehabt. Heute ist ein Tag, an dem Sie dem lieben Gott ein ganz, ganz großes Dankeschön aussprechen können", erklärte Balzer, der auch die fragwürdigen Aussagen der Zeugen ansprach. "Dieses Glück haben Sie nicht Ihren sogenannten Freunden zu verdanken. Die ganze Geschichte mit Ihren Freunden hat Ihnen hier in der Kammer keine großen Sympathien gebracht." Vor allem der Antrag der Staatsanwaltschaft habe die Bewährungsstrafe ermöglicht, erläuterte Balzer. "Wenn hier ein Staatsanwalt keinen minderschweren Fall angenommen hätte und einen Strafrahmen von mehr als fünf Jahren beantragt hätte, wäre das nicht ungewöhnlich gewesen."

Für den Angeklagten und die Bewährungsstrafe habe auch gesprochen, dass er nach der Beschlagnahmung der Drogen vier Monate in Untersuchungshaft gesessen habe, "was Ihnen sicherlich eine Lehre ist", zeigte sich Richter Balzer überzeugt.

Das Gericht glaube an den Angeklagten, begründete er, warum er dem 33-Jährigen eine "letzte Chance" gebe, obwohl dieser einschlägig vorbestraft sei. Die Bewährungsauflagen, unter anderem, zwei Jahre keine Drogen konsumieren und keine, auch keine legalen Waffen besitzen, sollen ihm helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben. "Wenn wir Ihnen das richtige Setting geben, werden Sie in Zukunft keine Straftaten mehr begehen."

Der Vorsitzende Richter schloss nach dem offiziellen Ende der Verhandlung mit einem Appell an den Angeklagten. "Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass Sie das Vertrauen, dass wir in Sie setzen, nicht enttäuschen."

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