Projektkoordinatorin Dorothee Schätzle (l.) und Cora Alexandra Monceyron (Standort Büdingen) freuen sich auf den Start des Grundbildungszentrums Wetterau.	FOTO: GBZ
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Projektkoordinatorin Dorothee Schätzle (l.) und Cora Alexandra Monceyron (Standort Büdingen) freuen sich auf den Start des Grundbildungszentrums Wetterau. FOTO: GBZ

Lernen, wie man liest und schreibt

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Wetteraukreis (pm). »Als ich 2015 begonnen habe, Integrationskurse für Flüchtlinge zu geben, kam ich bald in Berührung mit dem Thema Alphabetisierung«, erzählt Dorothee Schätzle. Nachdem sie sich eingearbeitet hatte, stellte sie fest, dass dies auch ein Thema für die einheimische Bevölkerung ist. Denn 6,2 Millionen deutschsprachige Erwachsene, die hierzulande leben, haben eine geringe Literalität, sprich: Sie können nicht ausreichend lesen und schreiben. Das war das Resultat der zweiten LEO-Studie 2018.

Schätzle ist Projektkoordinatorin des neuen Grundbildungszentrums Wetterau (GBZ) mit Sitz in Friedberg und weiteren Standorten in Büdingen und Butzbach. Träger ist der Internationale Bund Südwest gGmbH in der Wetterau. Erst jüngst formierte sich das GBZ, das durch Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Hessen für drei Jahre gefördert wird. Ziel des GBZ ist es, auch über den Förderzeitraum hinaus, Betroffenen zu helfen, die alltagsnotwendigen Kompetenzen des Lesens und Schreibens zu erwerben.

Betroffene verbergen Problem

Bei einer Online-Konferenz schloss das GBZ nun ein Bündnis mit regionalen Netzwerkpartnern. Mit im Boot sind bis jetzt die Agentur für Arbeit Wetterau, das Jobcenter Wetterau, die VHS Wetterau, das Mütter- und Familienzentrum Bad Nauheim und das Internationale Zentrum Friedberg.

»Ich habe meine Lesebrille nicht dabei« oder »Ich nehme das Schriftstück mit und kläre es noch mal ab«: Betroffene verbergen ihr Problem in der Regel, weiß Schätzle. Kommen solche und ähnliche Sätze in Beratungsgesprächen gehäuft vor, könne dies auf geringe Literalität hindeuten. »Sie haben Kenntnisse über Buchstaben, Silben und Wörter, können auch kleine Texte lesen - aber nicht sinnerfassend«, erläutert sie. Der Begriff Analphabetismus werde nicht mehr gern verwendet, da er ein Defizit in den Vordergrund stelle.

Cora Alexandra Monceyron ist im Einsatz am Standort Büdingen, am dritten Standort Butzbach ist Jenny Kühn aktiv.

Um Menschen mit geringer Literalität erreichbar zu machen und ein Netzwerk zu stärken, sind laut Projektkoordinatorin Schätzle unterschiedliche Schwerpunkte zu bedienen. Neben der Gründung des GBZ und der Schaffung eines Angebots zur Grundbildung seien dies die Beratung und Information von Multiplikatoren und anderen Interessierten. Um Lernende zu unterstützen und zu begleiten, sind niederschwellige Gruppenangebote, Einzel-Coaching durch Lernpaten sowie Lern-Cafés vorgesehen: Angebote, die das derzeitig noch alleinstehende Lerntraining des Müfaz für Eltern mit Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen ergänzen sollen. »Spezifisch für das GBZ Wetterau kommt noch die Qualifizierung von Lehrkräften sowie die Gewinnung und Qualifizierung von Lernpaten hinzu«, erklärt Schätzle. Die Termine waren für Juni angedacht, was sich wegen der Corona-Krise möglicherweise aber verschiebe. Das GBZ erwäge daher, Workshops für Multiplikatoren und Netzwerkpartner zunächst online auf die Beine zu stellen. Prominenter Botschafter ist der Turner Fabian Hambüchen, der beim Weltalphabetisierungstag am Dienstag, 8. September durch die drei neuen GBZ tourt, darunter Friedberg.

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