+

Obline-Unterricht an der Grundschule Fauerbach

Lernen mit Abstand ist gar nicht so schwer, aber es fehlt etwas

  • vonPetra Ihm-Fahle
    schließen

Wie funktioniert Schulunterricht im Lockdown? Die WZ hat die Grundschule in Friedberg-Fauerbach besucht, wo Kinder sowohl »auf Distanz« als auch in Präsenzform unterrichtet werden.

Danke! Dieses Wort steht auf einem Plakat, das Elternbeiratsvorsitzender Oliver Freitag dabei hat, um es Rektorin Lisa Weidner und Konrektorin Claudia Henkel zu überreichen. Treffpunkt ist die Grundschule in Friedberg-Fauerbach. Wie die Aufschrift zeigen soll, sind die Mütter und Väter mit der schulischen Betreuung ihrer Kinder während der Pandemie sehr zufrieden. Heim-Unterricht ist momentan für den Großteil der Schülerinnen und Schüler in Fauerbach angesagt, aber es gibt auch 26 Kinder aus den Klassen 1 bis 3, die den Präsenzunterricht besuchen, weil die Eltern sie aus beruflichen Gründen zu Hause nicht betreuen können.

Jede Lehrerin geht beim Unterrichten anders vor. »Es gibt ganz viele Möglichkeiten, was man machen kann. Entweder stellt die Lehrkraft ein Aufgabenpaket, das die Kinder montags abholen und freitags wieder abgeben. Dann gibt es Lehrerinnen, die qualifizierte Lernvideos bei YouTube raussuchen und sie verteilen«, erläutert Freitag im Gespräch mit der WZ. Andere organisieren Video-Konferenzen mit der Online-Plattform »Teams«, so wie Konrektorin Henkel, Klassenlehrerin der »4a«. Das sei ein sicheres Programm, bei dem es - anders als jüngst in Florstadt - nicht möglich sei, dass sich ein Fremder unbefugt zuschaltet: Es sei denn, er stehle die persönlichen Zugangsdaten eines Schülers.

Oliver Freitag hat seinen Sohn Tim mitgebracht, der Henkels »4a« besucht und nun erzählt, wie der Unterricht für ihn momentan abläuft. »Um 8.45 Uhr geht es mit der Videokonferenz los. Da machen wir bis 9.15 Uhr eine kleine Besprechung, und dann gehen wir raus und machen Aufgaben. Anschließend werden die Aufgaben besprochen, dann kommt das nächste Fach.« Wie Tim erklärt, findet er diese Art des Unterrichts im Grunde gut, auch wenn der Kontakt in der Schule direkter sei. »Aber so geht es auch«, sagt der Neunjährige. Eine »Klopapier-Challenge« fand er kürzlich lustig. »Wir bekamen einen Link geschickt. Man musste sich hinlegen und das Klopapier mit den Füßen in einen Korb werfen.«

Wie Rektorin Weidner schildert, sei der Unterricht für die Lehrerinnen derzeit ein Spagat. »Die Klassenlehrerinnen der vierten Jahrgangsstufe organisieren ihren Unterricht komplett online und über Material. Sie fahren ihre Mappen aus, bringen sie zu den Kindern nach Hause oder die Kinder holen es hier ab«, sagt die 41-Jährige. Besonders schwierig sei es für Lehrerinnen der Klassen 1 bis 3, die einige Kinder im Präsenzunterricht und den Rest zu Hause haben. Kollegin Henkel fügt hinzu, dass nicht alle Lehrkräfte die gleichen technischen Voraussetzungen haben. »Wir haben nur zwei Laptops und zwei Whiteboards an der Schule, nicht alle Lehrerinnen haben einen Laptop. Manche machen es vom Handy aus.«

Das Land habe im April versprochen, jedem Lehrer im Rahmen der Digitalisierung ein Notebook oder einen Laptop zur Verfügung zu stellen. »Doch es ist nichts passiert«, stellt die 47-Jährige fest. Die Kinder hätten ebenfalls nicht alle ein Gerät zu Hause, auch wenn der Wetteraukreis acht Leihgeräte zur Verfügung gestellt habe. Für die Schule bedeutet dies, je nach den Voraussetzungen individuell zu arbeiten. Laut Weidner ist der Anspruch, der an die Lehrkräfte gestellt wird, sehr hoch. »Und das setzen alle Kolleginnen großartig um. Es ist wichtig, dass die Kinder das Gefühl haben, weiterhin zu Schule zu gehen.«

Gleichwohl versäume der Nachwuchs etwas, wie Elternbeiratsvorsitzender Freitag anmerkt: »Das Miteinander, das Soziale, sie brauchen das Toben, das Kabbeln.« Auch was den Unterrichtsstoff betrifft, versäumten die Kinder durch die Pandemie ein bisschen was, wie der 43-Jährige denkt: »Und vermutlich am meisten die Schwächeren, die die Förderung ihrer Lehrer am meisten brauchen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare