»Leider immer noch sehr aktuell«

  • vonRedaktion
    schließen

Friedberg/Rosbach (pm). Fast 30 Jahre ist es her, dass die Rosbacher Fotografin Karin Günther-Thoma unter dem Motto »Gesicht zeigen und Stellung nehmen« mit ihren Freundbildern ein Gegengewicht zu den Bildern der Brandanschläge von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen zu schaffen, die in fataler Weise an Fotos der brennenden Synagogen vom November 1938 erinnerten.

»Die Aktion sollte keine weiteren Polarisierungen schaffen«, sagt die Fotografin. Daraus habe sich eine Bildkomposition ergeben: freundliche, offen in die Kamera schauende Gesichter, sodass für den späteren Betrachter der Eindruck direkten Blickkontaktes entsteht. Wesentliches Element ist das weiße Schild mit der Meinungsäußerung. Die Reminiszenz an jene Schilder, mit denen die SA seinerzeit missliebige Menschen an den Pranger gestellt hatte, sei durchaus gewollt. Ausgrenzung war die Absicht, »Zwang, Vereinzelung und öffentliche Demütigung dienten als Mittel«, erklärt Günther-Thoma weiter.

Ins Positive

Die »Freundbilder« sehen eine Wendung ins Positive vor: Freiwilligkeit statt Zwang, Stellungnahme statt Bloßstellung, Vielzahl statt Vereinzelung. Aus Anlass der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die noch bis zum 28. März laufen, sind einige dieser Fotos wieder zu sehen: Und zwar in Friedberg im Schauraum des Theaters Altes Hallenbad sowie im Ulenspiegel, in Rosbach in der Fuhrstraße und in Frankfurt rund um die Brotfabrik.

»Leider haben die Bilder in drei Jahrzehnten nichts an Aktualität eingebüßt, wie die gerade ein Jahr zurückliegenden Morde von Hanau gezeigt haben«, fasst Günther-Thoma zusammen.

Am Ulenspiegl in Friedberg sind die Werke der Künstlerin ebenfalls zu sehen. Die Reminiszenz an jene Schilder, mit denen die SA missliebige Menschen an den Pranger gestellt hatte, sei durchaus gewollt.

Rubriklistenbild: © pv

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare