urnnewsmldpacom200901012_4c_2
+
Symbolfoto

Überlastete Lehrer

Lehrer-Gewerkschaft in der Wetterau: »Die Hilferufe häufen sich«

  • vonRedaktion
    schließen

Die Pandemie macht Kindern und ihren Eltern zu schaffe - ein Stichwort: Homeschooling. Doch auch die Lehrer seien am Limit, auch in der Wetterau, sagt die Gewerkschaft GEW.

»An vielen Schulen im Schulamtsbezirk Hochtaunuskreis und Wetteraukreis sind die Lehrkräfte deutlich überlastet«, schreiben die Verbände Friedberg, Büdingen und Hochtaunus der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in einer gemeinsamen Pressemitteilung.. Gerade an den Grundschulen erhöhe sich der Druck von Woche zu Woche, da die Lehrer sowohl in Präsenz, als auch in Distanz unterrichteten. Dies bedeute einen sehr viel höheren Zeitaufwand, da viele Lehrer, die am Vormittag die Kinder in der Schule unterrichteten, sich nachmittags um die Kinder kümmern müssten, die zu Hause bleiben.

Ähnliche Auswirkungen, wenn auch aus anderen Gründen und nicht in dieser Häufigkeit (Präsenzunterricht in den Abschlussklassen, oft in zwei Räumen, zusätzlicher Distanzunterricht) zeigen sich nach Ansicht der GEW für die Lehrer der weiterführenden Schulen.

Am Beispiel der Grundschullehrer verdeutlichen die GEW-Verbände die Mehrbelastung: »Arbeitsmaterialien müssen sowohl für die Präsenz, als auch digital aufbereitet werden.« Der Kontakt zu den Schülern in der Distanz und deren Eltern müsse aufrechterhalten werden. Besondere Aufmerksamkeit gelte den Schülern, die wegen ihrer häuslichen Situation (kein Computer, wenig Unterstützung durch die Eltern etc.) deutlich benachteiligt seien.

»Die digitale Beschulung wird immer noch vom häuslichen Schreibtisch aus mit privaten Endgeräten durchgeführt; eine Unterstützung der Lehrkräfte durch das Land Hessen fehlt, auch werden selten dienstliche Geräte bereitgestellt.« Die digitale Ausstattung der meisten Schulen sei mangelhaft.

Trotz der Möglichkeit der Testung für Lehrer sei die Angst vor Ansteckung bei vielen groß. Gerade in Grund- und Förderschulen sei der Abstand nicht zu gewährleisten, und eine Maskenpflicht im Unterricht fehle ebenfalls für die Schüler, »wenn auch aus gutem Grund«.

Wechselmodell stößt auf Skepsis

Die GEW schreibt weiter, dass »trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen, der hohen zusätzlichen Arbeitsbelastung und der Gesundheitsgefährdung« viele Lehrer und sozialpädagogische Fachkräfte im Schuldienst weiterhin zu diesem Kraftakt im Interesse der Kinder bereit seien. »Aber die Hilferufe häufen sich.«

Mit Aufnahme des Unterrichts für die Klassen 1 bis 6 im Wechselmodell werde sich diese Situation nicht weiter entspannen, sondern eher verschärfen. Ziel sei es laut Ministerschreiben vom 8. Februar, möglichst viele Schüler im Präsenzunterricht beschulen zu können. »Gleichwohl müssen aber durch Teilung von Klassen und Aussparung einzelner Fächer die Lerngruppen möglichst klein gehalten werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Auch Gelder für zusätzliche Kräfte stehen hierfür zur Verfügung«, gibt die GEW zu bedenken und fügt hinzu: »Wie aber angesichts fehlender Fachkräfte, verursacht durch eine langfristig fehlgesteuerte und unterfinanzierte Personalpolitik im Bildungswesen, zusätzliche qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewonnen werden sollen, ist völlig unklar.« Angesichts der hohen Arbeitsbelastung in allen Schulsystemen scheine auch die Möglichkeit, den zusätzlichen Bedarf durch bezahlte Überstunden abzudecken, wenig erfolgversprechend.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare