1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Lehman-Opfer müssen voll entschädigt werden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Friedberg/Gießen (si). 14 Monate nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat das Gießener Landgericht einem geschädigten Ehepaar in vollem Umfang Schadensersatz zugesprochen. Im ersten Verfahren dieser Art in der Region verurteilte die 3. Zivilkammer gestern die Sparkasse Oberhessen, alle Lehman-Zertifikate, die sie den zwei Kunden Anfang 2007 verkauft hatte, zurückzunehmen und ihnen die Anlagesumme in Höhe von 35 000 Euro nebst Zinsen zu erstatten. Die Bank muss außerdem die Gerichtskosten der Kläger übernehmen. Die Urteilsbegründung steht noch aus. Der Vorsitzende Richter Jürgen Schrader ging nicht auf die Beweggründe der Kammer ein.

Friedberg/Gießen (si). 14 Monate nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat das Gießener Landgericht einem geschädigten Ehepaar in vollem Umfang Schadensersatz zugesprochen. Im ersten Verfahren dieser Art in der Region verurteilte die 3. Zivilkammer gestern die Sparkasse Oberhessen, alle Lehman-Zertifikate, die sie den zwei Kunden Anfang 2007 verkauft hatte, zurückzunehmen und ihnen die Anlagesumme in Höhe von 35 000 Euro nebst Zinsen zu erstatten. Die Bank muss außerdem die Gerichtskosten der Kläger übernehmen. Die Urteilsbegründung steht noch aus. Der Vorsitzende Richter Jürgen Schrader ging nicht auf die Beweggründe der Kammer ein.

Die Eheleute, zwei gut verdienende Freiberufler aus Nidda, waren beim Kauf der Zertifikate schon seit über 20 Jahren Kunde bei der Sparkasse - sie seien immer »konservative Anleger« gewesen, so die Frau beim ersten Verhandlungstermin vor zwei Monaten. Ihren Berater kannten sie schon seit mehreren Jahren. Es gab regelmäßige Beratungsgespräche, bei denen der Sparkassenmitarbeiter auch zu ihnen ins Haus kam. Nach Angaben der Ehefrau fand der Verkauf der Lehman-Papiere in der Filiale in Nidda statt. Damals habe sie erstmals von der amerikanischen Investmentbank gehört - »eine Bank mit bester Bonität, hinter der der Staat steht«, habe ihr der Bankmitarbeiter gesagt.

Die Zertifikate habe er mit dem Hinweis empfohlen, dass sie »sehr sicher« seien. Im schlimmsten Fall würden die 35 000 Euro am Ende der Laufzeit (2011) ohne Wertzuwachs wieder ausgezahlt.

Tatsächlich war die Lehman-Einlage Anfang 2008 schon nur noch rund 20 000 Euro wert. Sie habe damals mehrfach mit dem Berater über die »katastrophale« Wertentwicklung gesprochen, sagte die Frau. »Nicht verkaufen«, habe der empfohlen. Schriftliche Informationen hatte sie nach eigenen Angaben weder beim Verkaufsgespräch noch irgendwann später erhalten. Zudem sei ihr nicht gesagt worden, dass die Sparkasse über den Verkauf eine Provision von 4,5 Prozent bekommen werde - viel mehr als bei sonstigen Anlagen. »Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich noch vorsichtiger gewesen«, sagte sie vor Gericht. Der Bankmitarbeiter, den die Kammer ebenfalls als Zeugen gehört hatte, konnte sich an das konkrete Verkaufsgespräch nicht mehr erinnern - wusste aber ganz sicher, dass er keine Kapitalgarantie (»wird mindestens zu 100 Prozent zurückgezahlt«) gegeben habe. Seinen Angaben zufolge hatte er der Frau das Zertifkat (»Lehman Bros Treasury Co. B.V. AL.

E.17.02.11«) empfohlen, weil sie mit dem Ertrag ihres Depots unzufrieden gewesen war. Darin hätten sich überwiegend risikoarme und deshalb zinsschwache Rentenpapiere befunden. Das Lehman-Papier hatte eine Rendite von bis zu 10 Prozent pro Prozent abwerfen sollen, und zwar steuerfrei.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Sparkasse Oberhessen ließ gestern offen, ob sie dagegen Berufung einlegen wird. »Wir warten auf die schriftliche Urteilsbegründung«, sagte Sprecher Bernd Kunzelmann der WZ. Nach Vorstandsangaben liegt die Bank in Sachen »Lehman« noch mit zwei weiteren Kunden im Rechtsstreit.

Auch interessant

Kommentare