Als ein großes Dankeschön für die Rettung seiner Ehefrau Hiltrud übergab Bernd Schäfer (r.) 2000 Euro an Oliver Pietsch, Regionalvorstand der Johanniter Unfallhilfe. FOTO: HARALD SCHUCHARDT
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Als ein großes Dankeschön für die Rettung seiner Ehefrau Hiltrud übergab Bernd Schäfer (r.) 2000 Euro an Oliver Pietsch, Regionalvorstand der Johanniter Unfallhilfe. FOTO: HARALD SCHUCHARDT

Besondere Spende

Lebensrettung im letzten Moment

  • vonHarald Schuchardt
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Viele Menschen werden von Rettungsorganisationen wie den Johannitern vor dem Tod gerettet. Nur selten bekommen sie ein Dankeschön. In einem Fall aus der Wetterau jedoch ist vieles anders.

Ein außergewöhnliches Ende nahm kurz vor Weihnachten der Besuch, den Oliver Pietsch, Vorstand des Johanniter-Regionalverbands Rhein-Main, und einige seiner Mitarbeiter der Friedberger Tafel abstatteten. Jedes Jahr beschenkt das Team der Unfallhilfe fünf Tafel-Familien mit all dem, was sie zu Weihnachten benötigen (die WZ berichtete). Nachdem die Familien mit ihren Geschenken den Tafelladen verlassen hatten, ergriff der 2. Tafel-Vorsitzende Bernd Schäfer sichtlich ergriffen das Wort: "Ich möchte den Johannitern auch im Namen meiner Frau Hiltrud für deren Lebensrettung am 28. August letzten Jahres danken."

Sprach’s und übergab Pietsch einen Umschlag, in dem sich 2000 Euro befanden. "Damit soll im kommenden Sommer in Bad Nauheim ein großes Grillfest ausgerichtet werden, an dem vor allem alle beteiligten Helferinnen und Helfer, Notärzte und die Hubschrauberbesatzung teilnehmen sollen", sagte Schäfer, dessen Frau an einem Spätsommertag 2019 völlig überraschend einen schweren Hirnschlag erlitten hatte.

Täglich kleine Fortschritte

Nur durch das schnelle Eingreifen von Sanitätern und Notärzten sowie dem Einsatz des JUH-Rettungshubschraubers überlebte Hiltrud Schäfer. Nach monatelangen Aufenthalten in Klinik und Rehazentrum pflegt Schäfer seine Frau seit Februar dieses Jahres zu Hause. "Sie macht täglich kleine Fortschritte. Sie wollte heute sehr gerne dabei sein, doch die Sicherheit geht in Corona-Zeiten einfach vor", sagte Schäfer, der seit seiner Jugend eine sehr enge Verbindung zu den Johannitern hat.

Schon als 16-Jähriger begann seine ehrenamtliche Johanniter-Tätigkeit. Als deren "Chef" kämpfte er später mit Behörden und Institutionen darum, den Rettungsdienst zu optimieren. Schließlich gelang es ihm und seinen Mitstreitern, einen ersten Notarztwagen (NAW) im Wetteraukreis zu etablieren - gegen anfänglichen Widerstand der Krankenkassen und der Politik. "Dies war nur möglich, weil wir seinerzeit Ärzte und ausgebildete Helfer gefunden hatten, die den NAW im Rendezvous-System zunächst probeweise in Betrieb nahmen und aufrechterhielten, bis Behörden und Kostenträger aufgrund des Erfolgs die Notwendigkeit anerkannten", erläuterte Schäfer. Später war er auch am Aufbau der Johanniter-Hubschrauber-Stationierung in Reichelsheim beteiligt.

"Dass mir das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, war schön und ehrenvoll. Viel wichtiger ist aber: Die Früchte meiner Arbeit haben nun durch den Einsatz dieses Notarztwagens und des Hubschraubers nachweislich das Leben meiner Frau gerettet. Meine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit hat sich ganz konkret bezahlt gemacht", betonte Schäfer.

Von Worten Schäfers, die unter die Haut gingen, sprach Pietsch. Er bedankte sich auch für die sehr persönliche Danksagungs-Mail, die an alle Beteiligten des Einsatzes weitergeleitet worden sei. "Bei uns klingelten sehr schnell alle Johanniter-Glocken, als wir von Hiltruds sehr schweren Erkrankung gehört haben. Du hast immer Energie, Kampfgeist und Willenskraft gezeigt, und jetzt kümmerst du dich aufopferungsvoll um deine Frau", sagte Pietsch.

Viele Ehrenamtliche im Einsatz

Die Johanniter seien als Rettungsorganisation mit vielen Ehrenamtlichen immer für die Menschen da, auch wenn die Unfallhilfe von der Politik oft nur als Dienstleister gesehen werde. Der Einsatz von ehrenamtlichen Helfern unterscheide die Johanniter von vielen kommerziellen Anbietern. Pietsch: "Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt."

Abschließend wurden Schäfer und seine Frau als Ehrengäste zum Grillfest auf dem JUH-Gelände in Bad Nauheim im nächsten Sommer eingeladen. "Es soll ein rauschendes Fest werden, hoffentlich ganz ohne Maskenpflicht", sagte der Johanniter-Vorstand.

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