Stimmgewaltig und spielfreudig im Friedberger Rathauspark: Jessica Born lebt den Blues.
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Stimmgewaltig und spielfreudig im Friedberger Rathauspark: Jessica Born lebt den Blues.

Leben für den Blues

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Als »Un- plugged-Duo« angekündigt waren Sängerin Jessica Born und Gitarrist Georg Crostewitz für ihren Auftritt in der Veranstaltungsreihe »Sommer im Rathauspark«. Doch auf die Bühne kamen am Samstag nicht nur die bestens bekannte Aschaffenburgerin und ihr musikalischer Begleiter aus Ortenberg.

»Wir wollen heute Abend rausholen, was möglich ist«, begründete Born die »Aufstockung« auf vier Personen durch Bassist Marc Inti aus Aschaffenburg und den Frankfurter Matthias Ladewig, der sich - laut Born - »heute die Finger am Cajun wundtrommelt«.

Nach Friedberg kommt Born, die mit 14 erstmals auf der Bühne stand, immer wieder gerne. Schon vor fast 30 Jahren trat sie im Café Kaktus auf, auch bei der großen Woodstock-Revue im Zirkuszelt auf der Seewiese war die stimmgewaltige Sängerin dabei.

Hervorragende Gitarrensoli

Ganz ruhig und geradezu getragen eröffnete das Quartett den Abend mit seiner Version von Toni Mitchells »Woodstock«. »Das war die Einführung. Woodstock war ein gutes Feeling und ihr sollt heute Abend ein gutes Feeling haben«, erklärte Born, um dann mit B.B. Kings »The Trill is gone« »mittendrin im Blues zu stehen«, wie es die leidenschaftliche Sängerin mit dem schier unglaublichen Stimmvolumen bezeichnete. Born singt nicht nur den Blues, sie lebt ihn voll aus, tänzelt bei den hervorragenden Soli von Crostewitz auf der Akustikgitarre über die Bühne und treibt ihre Mitmusiker immer wieder an. Kaum zu glauben, dass die vier in dieser Besetzung das erste Mal überhaupt zusammenspielten, auch wenn sie sich bei dem einen oder andern Songende manchmal nicht ganz einig waren.

»Das haben wir genau so geprobt«, witzelte Born, die seit 2017 mit Crostewitz, langjähriger Dozent an der Musikhochschule Frankfurt, zusammenarbeitet. Das Duo hat die lange Lockdown-Zeit genutzt und die CD »Reset« aufgenommen, die im April Premiere feierte.

Wie es dazu kam, erzählt Born den Besuchern so: »Ich war im Lockdown fertig. hatte nichts zu tun, da meinte Georg, komm her und lass uns doch ein bisschen komponieren«, erzählt Born, die schon auf dem Weg nach Ortenberg, mit »Drivin’ for you« den ersten Titel im Kopf hatte.

Stehende Ovationen

Zehn Eigenkompositionen, die jede für sich eine Geschichte erzählen, sind es schließlich geworden, wozu auch der Titelsong »Reset« gehört. Born: »Wir müssen gerade in dieser Zeit den Resetknopf auf Anfang drücken.« Zu den Eigenkompositionen kommen auf der CD fünf ganz persönliche Interpretationen bekannter Klassiker, wie »Love is a loosing game« von Amy Winehouse oder Bob Dylans »Don’t think twice, It’s allright«. Die Fans im Rathauspark sind gerade von diesen Versionen des Quartetts fasziniert und begeistert zugleich, was immer wieder in spontanem Zwischenapplaus mündet. Fast zu jedem Song erzählt Born eine kleine Geschichte, auch zu ihrem Lieblingssong »I’d rather go blind« von Etta James. »Ich sterbe einfach für den Song«, sagt die »Sängerin mit der schwarzen Stimme«, wie sie einmal genannt wurde.

Das Quartett sprüht geradezu vor Spielfreude und das überträgt sich auf die Besucher, von denen es einige gegen Ende des Konzerts nicht mehr auf den Sitzen hält. Mit dem fetzigen »Rock me Baby« bringen Born und ihre Mitstreiter die Besucher zum Tanzen und sogar Mitsingen. Dazu trägt Marc Init mit einem groovigen Basssolo ebenso bei, wie Ladewig mit furiosem Cajun-Spiel, während Crostewitz nun mit der E-Gitarre abrockt und als Backgroundsänger überzeugt.

Zuvor hatte der Ortenberger die Besucher mit seiner Version des Beat-Klassikers »Sunny Afternoon« von The Kinks überrascht, während sich Born eine kurze Pause gönnte. Nicht enden wollten die stehenden Ovationen nach dem letzten Song, die zu einer ganz besonderen Zugabe führten.

»Wir spielen jetzt ein Lied für alle Menschen: ›Imagine‹«, sagte Born. Die intensive Version des John-Lennon-Klassikers sorgt für Gänsehaut pur und beendet einen Konzertabend, den die Fans sicher so schnell nicht vergessen werden.

Mit seinen intensiven Soli begeistert Georg Crostewitz.

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