Lautlos durch die Stadt

Wetteraukreis (hau). "Dieses Auto ist grün" und "Unser Treibstoff ist Umweltbewusstsein" steht in großen Lettern auf den weißen Wagen. Einträchtig stehen der kleine Citroën Zero und der große Opel Ampera nebeneinander an einer unscheinbaren Zapfsäule im Hof hinter dem Ovag-Hauptgebäude in Friedberg.

Statt Benzin fließt unter die Tankdeckel Strom. Auch er trägt das Prädikat "grün" und soll dafür sorgen, dass die Elektroautos geräuschlos durch die Wetterau kurven und kein Kohlendioxid in die Umwelt blasen.

"Die Kollegen kloppen sich fast darum, den Opel fahren zu dürfen", erzählt Ovag- Vertriebsaußendienstleiter Thorsten Hankel und startet das Betriebssystem des Elektro-Hybriden. Die Displays im Cockpit laufen auf Hochtouren, man sieht Energieströme fließen und unter der Anzeige "Batteriebetrieb" den grünen Hinweis "Ready". Der Elektromotor ist also startklar, zu hören ist davon aber nichts. Das ändert sich auch bei der Fahrt über den Parkplatz nicht.

Das kann der kleine französische Elektro-Bruder auch, nicht ganz so komfortabel und vor allem nicht so lange, aber immerhin. "Mir macht er einen Heidenspa?, erzählt Dr. Karen Heppe, bei der Ovag-Gruppe unter anderem zuständig für die Koordination der Elektro-Mobilität. Seit vor knapp zwei Jahren drei reine Elektroautos und zuletzt der Elektrowagen mit Reichweitenverlängerung angeschafft wurden, habe man insgesamt gute Erfahrungen sammeln können. "Beim ersten Versuch vor fast 25 Jahren sah das noch anders aus", berichten Hankel und Heppe. Damals seien die Fahrzeuge noch nicht so weit gewesen.

Ein Auto für "Umweltpioniere"

Auch heute gebe es Einschränkungen, vor allem bei der Reichweite und im Winter. "Die Reichweite ist stärker als beim Verbrennungsmotor abhängig vom Fahrverhalten und von der Temperatur", erzählen die Elektroautofahrer. Am besten fahre, wer energiesparend lenke und sich nicht scheue, mal eine warme Jacke im Auto anzuziehen. Auch die Akku-Ladezeiten und der Anschaffungspreis schreckten noch manche möglichen Nutzer ab. Die reine Elektrovariante könne das Erstauto in aller Regel nicht ersetzen, wenngleich die Automobilhersteller auf einem guten Weg seien. Sinn machten E-Mobile unter anderem für Kommunen oder Betriebe mit berechenbarem Kilometerradius.

Es sei einfach ungewohnt, sich bei einer Reichweite von durchschnittlich 80 Kilometern jede Fahrt zu überlegen, räumen Heppe und Hankel ein. "Das ist eher etwas für Umweltpioniere." In der Wetterau und den Nachbarkreisen würden im Schnitt weniger als 50 Elektroautos fahren – deutschlandweit sind es laut Statistik gut 7000. Nicht jede handelsübliche Steckdose sei, je nach Fahrzeugfabrikat, für die Dauerbelastung beim Akku-Aufladen geeignet.

Darüber, ob eine extra Ladevorrichtung – eine sogenannte Wallbox – eingerichtet werden sollte, informiere der Fahrzeughersteller.

Zusätzlich verunsichere die nicht flächendeckende Versorgung mit Elektrozapfsäulen. "Wir haben bislang vier Elektrotankstellen eingerichtet", berichten die Ovag-Mitarbeiter. Je eine öffentliche Tanksäule steht in Friedberg (Kreishaus), in Gießen (Kreisverwaltung), Karben (Schwimmbad) und Nidda (Rathaus), eine fünfte Säule soll nach Alsfeld kommen. Die Städte unterstützen das Projekt, indem sie die jeweiligen Parkplätze zur Verfügung stellen. "Noch bis Ende Februar 2015 kann dort kostenlos unser grüner Strom getankt werden", sagen Heppe und Hankel. Der komme vorzugsweise aus Wind- und Wasserkraft.

Leider gehöre man zu keiner Modellregion und habe deshalb die Initiative auf eigene Kosten ergriffen, berichten sie. Der Energieversorger wolle eine Anschubhilfe leisten für E-Mobilität und dazu beitragen, dass dieses nützliche Puzzleteil der Energiewende ins Bewusstsein sickere. Der große Vorteil der Elektroautos: Lokale Emissionsfreiheit in Sachen Lärm und CO2-Ausstoß. Aber: "Der Wagen ist nur so grün wie der Strom, der reingeht". Ohne grünen Strom mache die E-Mobilität keinen Sinn. "Dann geht die Energiebilanz nicht auf." (Fotos: hau)

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