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Zu laute Musik: Friedberger bedroht Nachbarn mit Messer

Friedberg (jwn). Zu laut gefeiert, eindeutige Blicke auf die Ehefrau: Grund genug für einen 48-jährigen Friedberger, mit einem Küchenmesser auf seinen Nachbarn loszugehen. Über diese Auseinandersetzung hatte das Friedberger Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange am Dienstag zu entscheiden.

Im Juli vergangenen Jahres kam es gegen 5.30 Uhr vor einem Mietshaus zu einem heftigen Streit. Nach Ansicht des Angeklagten hatte sein Nachbar, der eine Etage unter ihm wohnte, wieder so laut gefeiert, dass weder der Angeklagte noch seine Ehefrau hätten Schlafen können. Da es nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen sei, habe er seinen Nachbarn nicht nur zur Rede stellen, sondern ihm auch einen Schrecken einjagen wollen. Er habe sich ein Kneipchen geschnappt und sei seinem Nachbarn auf die Straße gefolgt. Dort angekommen, habe er ihm am Arm gepackt, das Messer herausgeholt und geschimpft: »Nachbar, seit Tagen spielst du mit meiner Familie.«

»Der war knallrot und hatte ganz weitaufgerissene und rote Augen«, berichtete besagter Nachbar vor Gericht, weshalb er aus Angst weggerannt sei. Doch der Angeklagte habe ihn verfolgt, immer mit dem Messer in der hocherhobenen Hand. Fünf oder zehn Minuten soll die Verfolgungsjagd gedauert haben, bis dem etwas rundlichen Angeklagten schließlich die Luft ausgegangen sei. »In der ganzen Zeit habe ich um Hilfe gerufen. Doch offensichtlich hat mich keiner gehört«, erinnerte sich der Angegriffene. »Wenn der stehen geblieben wäre, hätten wir die Sache auch friedlich und in aller Ruhe klären können«, entgegnete der Angeklagte.

Doch offensichtlich ging es bei der Attacke nicht nur um den Lärm. Denn der 48-Jährige hatte seinem Nachbarn nur wenige Tage zuvor schon einmal gedroht, wie er sagte, und zwar mit den Worten: »Mein Vater ist Metzger und kann dir deinen Kopf ganz schnell absäbeln.« Grund für diese Drohung war seine Vermutung, der Nachbar habe seiner Frau zu lange und zu oft nachgeschaut. Er habe deshalb eine Affäre vermutet, zumal seine Frau zu der Zeit immer häufiger von Trennung gesprochen habe. Heute sei ihm das furchtbar peinlich, weshalb er sich gleich zu Verhandlungsbeginn bei seinem ehemaligen Nachbarn entschuldigte. Der hingegen habe noch heute Angst, betonte er. Zwei Wochen habe er nach dem Vorfall seine Wohnung nicht mehr aufgesucht, noch immer gucke er sich dauernd um, wenn er durch Friedberg laufe.

Für Staatsanwalt Spieler war die Angelegenheit nach dem Geständnis klar. Er plädierte auf versuchte gefährliche Körperverletzung und forderte eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zugute hielt er dem Angeklagten, dass er sich bei der Tat offensichtlich in einem Ausnahmezustand wegen seiner Eheprobleme und der Sorge um seinen Arbeitsplatz befunden habe.

Da sich die Probleme mittlerweile gelöst hätten – der Angeklagte sei jetzt arbeitslos, lebe in Scheidung und habe den Wohnort gewechselt –, könne eine Wiederholungstat ziemlich sicher ausgeschlossen werden. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte das Gericht schließlich auch. Allerdings stellte Richter Bange fest, dass der Angeklagte noch Glück gehabt habe, denn wegen des Angriffs mit dem Messer und der gezielten Vorbereitung hätte der Vorfall genauso als ein versuchtes Tötungsdelikt gedeutet werden können.

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