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Das Impfzentrum in Büdingen - »wir könnten mehr impfen«, sagt Kreispressesprecher Elsaß. Es hänge aber am vorhandenen Impfstoff.

Terminvergabe

Langes Warten auf die Corona-Impfung im Wetteraukreis: Woran hängt’s?

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Seit 23. April können sich Menschen der Priorisierungsgruppe 3 impfen lassen. Viele haben sich angemeldet - und seither nichts gehört. Ein Wetterauer Problem? Nein, sagt der Kreis.

Wetterau – Es mag für viele einen zynischen Beigeschmack haben: Sie warten auf ihren Impftermin, für den sie sich vor drei, vier Wochen angemeldet, seither aber nichts gehört haben. Gleichzeitig sprechen Politiker von »Impfrekorden«, und die hessische Landesregierung teilt mit, dass sich ab Juni jeder für eine Impfung anmelden kann. Nur: Anmelden ist eine Sache, einen Termin bekommen eine andere. Denn zuerst würden die Priorisierungsgruppen abgearbeitet. Und da gibt es noch Aufholbedarf: In Gruppe 2 warteten hessenweit noch 11 500 Registrierte auf einen Termin. Und von den rund 797 000 Angemeldeten der Gruppe 3 hätten rund 288 000 einen Termin erhalten - etwas mehr als ein Drittel.

Die restlichen zwei Drittel, die sich übers Land angemeldet haben, werden sich wahrscheinlich bis Juni gedulden müssen; beim Impfstoff gebe es Lieferengpässe. Das zeigt sich auch in der Wetterau: Bis zum 30. Mai stünden für das Impfzentrum Büdingen 27 000 Dosen zu Verfügung, sagt Kreispressesprecher Michael Elsaß. »Und im Wetteraukreis gibt es noch gut 33 000 Menschen der Prio 1 und 2, die einen Termin haben, aber eben auch noch warten.«

Langsame Corona-Impfungen? Wetteraukreis wehrt sich gegen Vorwürfe

Die »Impfrekorde« auf der einen, die Wartezeiten auf der anderen Seite - woran liegt das? Läuft es im Wetteraukreis schlechter als woanders? Fragen wie diese stellen einige Leser in Zuschriften an die WZ-Redaktion. Ein 61-jähriger Wetterauer schreibt zum Beispiel in einer E-Mail: Er und seine Frau warten seit April auf einen Termin. »Dies ist ein eklatantes Organisationsversagen der handelnden Personen. Ein Großteil unseres Freundeskreises lebt im Hochtaunuskreis. Hier hat man zeitnah (ein bis zwei Wochen) nach der Registrierung einen Impftermin zur Erstimpfung erhalten und auch wahrgenommen.« Ein anderer vergleicht die Situation mit dem Main-Kinzig-Kreis, mit Frankfurt/Offenbach und dem Main-Taunus-Kreis - Bekannte im selben Alter oder jünger hätten ihre Impfung schon, er hingegen nicht mal einen Termin.

Die Anmeldung für einen Termin im Impfzentrum Büdingen erfolgt über ein Online-Portal des Landes (oder telefonisch). Nach der Anmeldung gibt es eine Eingangsbestätigung per E-Mail: Da die Impfstofflieferung nur begrenzte Planbarkeit erlaube, heißt es, könne es »mitunter mehrere Wochen dauern« bis zur Terminvergabe.

Der Kreis habe darauf keinen Einfluss, sagt Pressesprecher Elsaß. »Das Land vergibt die Termine für die Impfzentren zentral. Wir könnten viel mehr verimpfen. Der fehlende Impfstoff bleibt der limitierende Faktor.« Wie viele Dosen ankämen, könne der Kreis nicht steuern: In Büdingen würden nur die vom Land zugewiesenen Menschen geimpft: »Fakt ist, dass für die Wochen 19, 20 und 21 (10. bis 30. Mai) insgesamt für Hessen 550 000 Dosen bereit stehen. Das macht für den Wetteraukreis entsprechend seinem Bevölkerungsanteil rund 27 000 oder knapp 1 300 pro Tag für Erst- und Zweitimpfungen.«

Corona-Impfungen im Wetteraukreis: Unterschiede zwischen Stadt und Land

Vonseiten des hessischen Innenministeriums heißt es, der Impfstoff wird nach Bevölkerungsanteil an die Zentren in den Kreisen verteilt. Wie Pressesprecher Michael Schaich sagt, gebe es nach wie vor in Hessen täglich mehrere Hundert Anmeldungen aus der Gruppe 1 und mehrere Tausend aus Gruppe 2 - diese erhielten bevorzugt einen Termin. Doch da immer mehr Menschen dieser Gruppen einen Termin hätten, könnten freigewordene oder umgebuchte innerhalb der Gruppe 3 verteilt werden. Die Vergabe innerhalb dieser Gruppe erfolge »rein nach dem Zufallsprinzip. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, ein Terminangebot zu erhalten, ist für alle Prio-3-Registrierten pro Impfzentrum zum Zeitpunkt der automatisierten Vergabe immer gleich hoch.«

Dass es zu Unterschieden in den Landkreisen komme - bspw. dass in Frankfurt Menschen der Gruppe 3 schneller geimpft seien als in manchen Kreisen -, liege laut Schaich an »unterschiedlichen Altersstrukturen und der Impfbereitschaft der Bevölkerung«; es gebe ein »Ungleichgewicht zwischen ländlichem Raum mit älteren Mitbürgern und urbanem Raum mit jüngeren Mitbürgern«. So könnten Personen, die der Gruppe 3 angehören und bspw. in Offenbach oder Kassel leben, in »großer Zahl und zeitnah geimpft werden«. In anderen Regionen seien noch einige Impfberechtigte der Gruppe 2 an der Reihe. Kreise mit einem erhöhten Anteil älterer Menschen erhielten daher zusätzliche Dosen - je nach Altersstruktur aktuell bis zu 800 Astrazeneca-Dosen pro Zentrum.

Corona-Impfungen im Wetteraukreis: 48 Dosen Biontech pro Arzt und Woche

Zurzeit wird auf zwei Ebenen geimpft: bei den Ärzten und in den Impfzentren. Die Verteilung der Dosen erfolgt unterschiedlich. Die Hausärzte, die in ihren Praxen gegen das Corona-Virus impfen, bestellen den Impfstoff bei Apotheken. Aber auch hier gibt es Limitierungen.

Wie Karl Matthias Roth, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, sagt, gebe es eine Vereinbarung zwischen Bundesregierung und dem Bundesverband der KV. »Über diesen Kanal gibt es Informationen darüber, wie viele Impfstoffe pro Woche für die Arztpraxen in Hessen zur Verfügung stehen.« Verteilt werde nach Bundeslandschlüssel, der sich nach dem Bevölkerungsanteil errechne.

Die Ärzte bestellen die Impfstoffe bei den Apotheken, diese beziehen sie vom Pharmagroßhandel. Nach wie vor gebe es eine Bestellobergrenze für den Impfstoff von Biontech: Pro Arzt dürften 48 Dosen pro Woche bestellt werden - wobei mit der Bestellung nicht garantiert sei, dass diese Dosen alle geliefert würden. Bei dem Impfstoff von Astrazeneca gebe es keine Bestellgrenze. Da die Bestellung von den Hausärzten unabhängig vom Land funktioniert, haben weder Kreis noch Land Informationen zu der Anzahl der durch Hausärzte Geimpften. Laut Robert-Koch-Institut sind hessenweit bei Hausärzten vom 10. März bis zum 18. Mai insgesamt rund 671 000 Erstimpfungen durchgeführt worden (525 000 mit Biontech, knapp 145 000 mit Astrazeneca und lediglich 163 mit Moderna) und 55 900 Zweitimpfungen. Von Montag auf Dienstag hat sich die Zahl der Erstimpfungen in Arztpraxen um 19 718 erhöht.

Im Impfzentrum in Büdingen werden künftig keine Termine für eine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff mehr vergeben. Die rund 10 000 Zweitimpfungen, die noch ausstehen, werden dort aber noch durchgeführt, sagt Kreispressesprecher Michael Elsaß. sda

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