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Lange Warteliste: Stadt will neue Kleingärten ausweisen

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Von: Jürgen Wagner

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»Hab ein Beet im Garten klein, hark es fleißig über, streu die winzgen Körnchen rein, decke Erde drüber«: Gerade für Kinder sind Kleingärten ein wichtiger Erfahrungsraum. In Friedberg fehlen aber, wie anderswo auch, freie Gärten. © Nicole Merz

Wohl denen, die einen Kleingarten haben. Sie können eigenes Obst und Gemüse anbauen und tun etwas für die Natur. Problem: Es felhen Kleingärten. Die Stadt Friedberg will neue Flächen ausweisen.

Kleingartenanlagen sind »wahre Hotspots der Biodiversität«, schrieb die Hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) im April an die hessischen Städte und Gemeinden. Kleingartenvereine sorgten dafür, dass viele alte Pflanzensorten erhalten bleiben und böten dank einer umweltgerechten Bewirtschaftung ihrer Parzellen auch bedrohten Tieren und Pflanzen Lebensraum. »Der multikulturelle Hintergrund der Vereinsmitglieder leistet u. a. über den Austausch gärtnerischen Wissens wertvolle Beiträge zur Integration«, was nicht nur für Interkulturelle Gärten oder Urban Gardening-Projekte gelte.

Kleingärtner wissen, dass diese Integrationsleistung keine Einbahnstraße ist; die aus Russland gebürtigen Nachbarn etwa wissen oft sogar besser, was man tun muss, damit Salat und Rotkohl wachsen und gedeihen.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung wurde nun ein SPD-Antrag behandelt. »Kleingärten gewinnen aus verschiedenen Gründen immer mehr an Bedeutung«, sagte die Stadtverordnete Heike Strack. Die SPD hatte zuvor im Stadtparlament beantragt, die Stadtverwaltung solle den Bedarf an Kleingärten ermitteln und neue Flächen für diese Nutzung ausweisen. Strack berief sich auf Umweltministerin Hinz, die in einem Brief die Kommunen gebeten hatte, »bislang unbebaute und für Wohnnutzung eher ungeeignete Flächen neu für Kleingärten auszuweisen.«

Wie Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) sagte, liegen dem Rathaus derzeit 35 Bewerbungen für einen Kleingarten auf städtischem Grund vor; bei den Kleingartenvereinen sind es insgesamt 185 Personen, macht zusammen 220 Bewerber für einen Kleingarten. Die Gärten seien »heiß begehrt«, frei gewordene würden »ratzfatz« vergeben, sagte der Bürgermeister. Die Stadtverwaltung prüfe daher momentan alle geeigneten Flächen in der Kernstadt und den Stadtteilen.

In Frage kommen vor allem landwirtschaftlich genutzte Grundstücke, die, wie der Bürgermeister betonte, eigentlich für diesen Zweck bewahrt werden sollten. Auch die an Friedhöfe angrenzenden Grundstücke werden untersucht. Liege ein Ergebnis vor, werde man dies den politischen Gremien vorlegen, sagte Antkowiak.

Wenn private Gärten verwildern

Keine Handhabe hat die Stadt laut Bürgermeister, wenn private Gärten nicht als solche genutzt werden und verwildern. Friedrich Wilhelm Durchdewald (UWG) hatte auf Gärten an der Seewiese hingewiesen, hier gibt es neben wunderschönen grünen Oasen auch solche, die seit Jahren vernachlässigt oder als Müllablageplatz genutzt werden.

Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender empfahl einen Blick in die Bundeskleingartenverordnung. Stadtrat Norbert Simmer (beide CDU), Vorsitzender des Kleingartenvereins »Grüne Lunge«, wies darauf hin, dass Festlegungen über die Bepflanzungen für Kleingärten gelten, nicht aber für Freizeitgärten. Noch eine gute Nachricht für Naturfreunde: Im Rathaus wird momentan eine Vorgartensatzung erarbeitet. Dann ist die Zeit der Steinwüsten vorbei.

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