Die Angeklagte versteckt sich zum Auftakt des Berufungsverfahrens unter einem Schirm. Nun hat das Gericht entschieden, dass das erstinstanzliche Urteil Bestand hat. 	ARCHIVFOTO: SAX
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Die Angeklagte versteckt sich zum Auftakt des Berufungsverfahrens unter einem Schirm. Nun hat das Gericht entschieden, dass das erstinstanzliche Urteil Bestand hat. ARCHIVFOTO: SAX

Mammutprozess

Ex-Ehemann misshandelt: Urteil gegen Sadistin bestätigt

  • vonOliver Potengowski
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Nach einer sehr ausführlichen Beweisaufnahme bestätigte das Landgericht Gießen nun ein erstinstanzliches Urteil gegen eine 41-jährige Frau aus der Wetterau. Laut Gericht hat sie ihren zweiten Ehemann (insgesamt waren es vier) massiv misshandelt.

Die Verletzungen des Rockenberges waren entdeckt worden, als er bei der Polizei gestanden hatte, gemeinsam mit seiner Ex-Frau die Leiche ihres unter ungeklärten Umständen verstorbenen vierten Ehemannes aus Bad Nauheim im Wald beseitigt zu haben.

Zu drei Jahren Haft hatte das Amtsgericht Friedberg die 41-Jährige verurteilt. Der Rockenberger hatte dem Gericht damals noch als Zeuge zur Verfügung gestanden. Obwohl er im Berufungsverfahren als Nebenkläger auftrat, verweigerte er später die Aussage. So musste das Gericht mühsam über frühere Prozessakten und zahlreiche Zeugen den Nachweis erbringen, dass seine Ex-Frau ihm durch erhitzte Gegenstände, etwa eine Suppenkelle, bleibende Narben am ganzen Körper zugefügt hatte. Auch hatte sie ihn mit einem Besenstiel verprügelt.

»Obwohl er nicht in der Hauptverhandlung ausgesagt hat und wir uns kein Bild von ihm machen konnten, waren es sehr viele Aspekte, die für seine Darstellung gesprochen haben«, erläutert die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze. Auch dass der Zeuge in seinen ersten Aussagen bei der Polizei versucht hatte, die Verbrennungen mit einer defekten Heizdecke zu erklären, statt seine Ex-Frau zu belasten, wertete das Gericht als Beleg für die Glaubwürdigkeit seiner späteren Schilderungen der Misshandlungen.

Ex-Männer schildern Bestrafungsrituale

Die früheren Aussagen des Nebenklägers seien so detailliert gewesen, dass es unwahrscheinlich sei, dass er sich diese ausgedacht habe. Dazu würden sie durch objektive Beweise, unter anderem ein medizinisches Gutachten über die bleibenden Narben gestützt. Zu den Berichten des Nebenklägers über die Misshandlungen passten auch die Aussagen weiterer Zeugen, unter anderem des dritten Ehemanns der Frau, die ähnliche Bestrafungsrituale (wie Kot essen oder das Abbrennen von Haaren im Genitalbereich) schilderten wie der Nebenkläger. Dazu war die 41-Jährige bereits 2006 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil sie ihrem ersten Ehemann mit einer Heißklebepistole Buchstaben und Zeichen auf den Rücken gebrannt hatte, wovon auch er bleibende Narben davontrug.

Gegen die Angeklagte habe auch gesprochen, dass sie an verschiedenen Stellen ihrer Aussage gelogen habe. Unter anderem habe sie früher eingeräumt, bei der Beseitigung der Leiche ihres letzten Ehemanns geholfen zu haben. In ihrer Einlassung in der Berufungsverhandlung behauptete sie dagegen, sie habe zunächst gar nicht gewusst, was mit diesem passiert sei, er sei plötzlich aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden. Erst durch die Polizei habe sie später von seinem Tod erfahren.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte festgestellt, dass die Frau an einer komplexen Trauma-Folgestörung mit wiederkehrenden Depressionen leidet, ausgelöst wohl durch sexuelle Übergriffe in der Kindheit. Sie wurde dennoch als voll schuldfähig eingestuft.

Mit der Bestätigung des Urteils des Amtsgerichts Friedberg ist der Fall vermutlich noch nicht abgeschlossen Der Verteidiger der 41-Jährigen hat angekündigt, gegen den Beschluss, die Berufung zu verwerfen, Revision einzulegen.

Freispruch gefordert

Die Verteidigung hatte im Verfahren gegen die Frau am Gießener Landgericht Freispruch gefordert. Keine der vorgeworfenen Körperverletzungen könne konkret nachgewiesen werden. Die Narben des Rockenbergers könnten auch von einer Hauterkrankung kommen - was ein Gutachter allerdings ausgeschlossen hatte. Generell sei der Rockenberger als Nebenkläger unglaubwürdig. Und die erste Verurteilung aus dem Jahr 2006 dürfe zudem nicht mehr herangezogen werden. bf

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