Auszeichnung für Naturschützer (v. l.): Nikola Steinbock (Landwirtschaftliche Rentenbank), Umwelt-Staatssekretär Oliver Conz und BImA-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz. FOTO: BIMA
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Auszeichnung für Naturschützer (v. l.): Nikola Steinbock (Landwirtschaftliche Rentenbank), Umwelt-Staatssekretär Oliver Conz und BImA-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz. FOTO: BIMA

Im Land der Wildkatzen und Baumriesen

  • vonred Redaktion
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Friedberg/Bonn( pm). Es gibt doch noch gute Nachrichten aus dem Wald: Im "Buchenborn" bei Ockstadt hat der Naturschutz Vorrang. Seit vier Jahren setzt dort die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank zahlreiche Projekte zur Förderung der Biodiversität und des Artenschutzes um. Für diese Arbeit erhielten die Partner nun die Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt.

Oliver Conz, Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, überreichte symbolisch den "Baum der Vielfalt" an BImA-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz und an Nikola Steinbock, Bereichsvorstand Fördergeschäft der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Ausgezeichnet wurden unter anderem drei Einzelprojekte, die im Bundesforstbetrieb Schwarzenborn umgesetzt werden.

Das Projekt "Baumriesen" hat über tausend alte und großkronige Einzelbäume auf einer Fläche von 500 Hektar im Buchenborner Wald unter Prozessschutz gestellt. Die wertvollen Einzelbäume bleiben in ihrer natürlichen Entwicklung im Waldökosystem ungestört. In der Vergangenheit wurden diese Bäume oft geschlagen, bevor sie ihr natürliches Alter von über 300 Jahren erreichen konnten. Sie spielen im Ökosystem jedoch eine wesentliche Rolle: Sie bieten wie ein Schirm Schutz vor Frost sowie zu viel Sonne und tragen damit entscheidend zur natürlichen Verjüngung des Waldes bei. Bis zu ihrem natürlichen Zerfall bieten sie auch zahlreichen Lebewesen ein Zuhause, darunter Vögeln, Fledermäusen und Käfern.

Die Waldweide als frühe Nutzungsform alter Wälder war Bindeglied zwischen Forst- und Landwirtschaft. "An den Eichen wächst der beste Schinken" hieß das Motto der Schweinehirten im Mittelalter. Im "Caspar-David-Friedrich-Wald" von Buchenborn wird die Waldweide imitiert: Die Baumbestände werden aufgelichtet, durch Mahd wird das Wachstum neuer Bäume behindert. Dadurch fällt mehr Licht auf den Waldboden, wovon lichtbedürftige Pflanzen und Tiere profitieren.

Auf leisen Pfoten durch den Wald

Wo kleine Nager sich zwischen Beeren, Eicheln und Bucheckern wohlfühlen, ist sie nicht fern: die Europäische Wildkatze (Felis silvestris). Sie kommt heute wieder in einigen großräumigen Waldlandschaften Deutschlands vor. Sie gilt im Bestand als gefährdet, ist daher streng geschützt. Zerschneidungen der Landschaft durch Straßen- und Siedlungsbau begrenzen ihren Aktionsradius dramatisch. Umso mehr profitiert die versteckt lebende Art vom naturnahen Wald nahe Ockstadt.

Für ihren hohen Anspruch an Deckung findet die Wildkatze dort Baumhöhlen und Totholzhaufen. Der großflächige, zusammenhängende Waldkomplex bietet außerdem viel Ruhe und Raum für die Aufzucht von Nachwuchs. Zur Überwachung der Population werden jedes Jahr mit Baldrian versetzte "Lockstäbe" aufgestellt, an denen die Wildkatzen ihr Revier markieren. Die an den Bürsten der Stäbe hinterlassenen feinen Katzenhaare werden regelmäßig durch das Senckenberg-Forschungsinstitut genetisch analysiert und dokumentiert.

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