Laut Landrat Jan Weckler könnte der Wetteraukreis während der Pandemie Reisebusse im Linienverkehr einsetzen, um die Stoßzeiten im Schülerverkehr abzufedern. FOTO: DPA
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Laut Landrat Jan Weckler könnte der Wetteraukreis während der Pandemie Reisebusse im Linienverkehr einsetzen, um die Stoßzeiten im Schülerverkehr abzufedern. FOTO: DPA

Land erlaubt Reisebusse im ÖPNV

  • vonred Redaktion
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Wetteraukreis(hed/prw). Würde man bis zu den Osterferien Reisebusse zur Entlastung des Schülerverkehrs einsetzen, dürfte das geschätzte drei Millionen Euro kosten. Diese Zahl nannte der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO), Armin Klein, in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses. Am Mittwoch will der Kreistag über das weitere Vorgehen entscheiden. Das Land habe den Einsatz der Reisebusse im Linienverkehr unter bestimmten Bedingungen nun erlaubt, teilte Landrat Jan Weckler (CDU) mit. Er hatte dies zuvor in einem Brief an die Landesregierung gefordert.

Vorausgegangen war ein Antrag der Grünen im Kreistag - der Druck der Eltern dürfte aber seinen Teil beigetragen haben. Überfüllte Busse sind seit der Rückkehr zum Präsenzunterricht Thema in der Kommunalpolitik. In den Bussen gibt es keinen Mindestabstand; einige Kinder und Jugendliche tragen keinen Mund-Nasen-Schutz.

Kapazitäten reichen eigentlich aus

Wie Klein den Ausschussmitgliedern laut Pressemitteilung des Wetteraukreises erläuterte, muss nach gültiger Rechtslage an Haltestellen, beim Ein- und Aussteigen sowie innerhalb der Busse kein Mindestabstand eingehalten werden. Alle Plätze könnten genutzt werden. Die Busfahrer würden die Fahrgäste regelmäßig auf die geltende Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung hinweisen. "Die Durchsetzung dieser Pflicht obliegt allerdings nicht dem Verkehrsträger, sondern liegt ausschließlich in der Zuständigkeit der Polizei- und Ordnungsbehörden", ergänzt Landrat Weckler die Ausführungen. Auch wenn die vorhandenen Kapazitäten rein rechnerisch ausreichend wären, sei die Situation dennoch nicht zufriedenstellend. "Der Wunsch nach mehr Abstand in den Bussen, insbesondere zu den Stoßzeiten morgens und nach Schulschluss, ist nachvollziehbar", so Weckler.

Aktuell werden laut Klein rund 110 Linienbusse täglich im lokalen Linienverkehr der VGO auch für die Beförderung der Schüler eingesetzt. Bedarf für Verstärkerbusse gebe es insbesondere zu den größeren Schulzentren. Klein rechnet etwa mit der Hälfte der Busse, die verstärkt werden müssten. Die Kosten dafür lägen nach ersten Gesprächen mit den Busbetreibern bei etwa 500 Euro pro Bus und Tag. Für die 103 Schultage, vom ersten Schultag nach den Herbstferien bis zu den Osterferien, würden demnach Kosten von etwa 2,8 Millionen Euro im Wetteraukreis entstehen. Eine verbindliche Finanzierungszusage durch das Land sei daher unabdingbar, stellte der VGO-Chef klar. Diese stehe allerdings noch aus.

Ob die Verstärkerbusse überhaupt verfügbar sind, müsse ebenfalls erst ermittelt werden. Auch die genauen Kosten und die Kostenverteilung seien keineswegs sicher, schränkte Klein ein. Zudem sei die dauerhafte Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Personal derzeit ebenfalls nicht absehbar. Denn sollten sich die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie lockern, könnten die heimischen Busunternehmen wieder verstärkt auf ihr Reisegeschäft umschwenken.

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